Dieser Weg war kein leichter...

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Mannheim/Frankfurt a.M.

Doch wenn der SV Waldhof Mannheim 07 in knapp drei Wochen zum ersten Heimspiel der neuen Saison gegen den SSV Ulm antritt, geht er nicht chancenlos ins Rennen um den Direktaufstieg in die 3. Liga. Obwohl das Sportgericht des Deutschen Fußballbundes (DFB) gestern erstmals einen Club wegen Ausschreitungen von Fans mit drei Punkten Abzug und 40 000 Euro Geldbuße bestraft hat, hätte es schlimmer kommen können. Neun Punkte Minus und 50 000 Euro Strafe lautete die ursprüngliche Forderung des DFB-Kontrollausschusses, gegen die sich der Viertligist im Sepp-Herberger-Raum des Sportgerichts vehement gewehrt hatte.

Mit Geschick hatten allerdings SVW-Geschäftsführer Markus Kompp und Anwalt Johannes Zindel dem Gremium klar gemacht, dass ein Punkteabzug letztlich einer gewünschten "täterorientierten Saktionierung" entgegenstehe. Die Chaoten, die mit Pyrotechnik und Rauchbomben im Mai das Relegationsspiel gegen den KFC Uerdingen zum Abbruch brachten, würden damit nicht getroffen. Die kriegsähnlichen Zustände seien letztlich auch nicht Schuld des Vereins. Ein Geisterspiel sei eine eher zu akzeptierende Bestrafung, so Zindel. Wolfgang Ziehrer vom DFB-Kontrollausschuss zeigte sich in seinem Plädoyer entgegenkommend, forderte aber dennoch sechs Punkte Abzug. Ohne Murren nahm Kompp die zusätzlich geforderten Auflagen in Kauf: das sind das Aufheben der Selbstverwaltung des Ordnungsdienstes der Osttribüne, die Verlegung des auf der Osttribüne ansässigen Fansektors, der Ausbau der Videoüberwachung, das Entfernen der "Ultra-Container" vom Stadiongelände, die Einführung eines hauptamtlichen Sicherheitsbeauftragten, das Verbot von Blockfahnen und einen geänderten Ticketvorverkauf.
Zur Erinnerung: Das Relegationsrückspiel begann mit zweiminütiger Verspätung, weil Zuschauer beider Vereine Pyrotechnik abbrannten. Im Laufe der ersten Halbzeit warfen Mannheimer Zuschauer immer wieder Gegenstände in Richtung Spielfeld. In der 33. Minute wurde die Begegnung erneut für zwei Minuten unterbrochen, als es im Bereich der Westtribüne zu tätlichen Auseinandersetzungen kam, bei der der Bereichsleiter des Ordnungsdienstes verletzt wurde.
In der 47. Spielminute blendete ein Mannheimer Zuschauer den Uerdinger Torhüter bei einem Abstoß mit einem Laserpointer. Ab der 81. Minute wurde im Heimbereich verstärkt Pyrotechnik gezündet und größtenteils auf das Spielfeld geworfen, ebenso wie eine Stange, die von der Osttribüne aus geschleudert wurde. Am Blockzaun zum Spielfeld brannten teilweise offene Feuer.
Schiedsrichter Patrick Ittrich unterbrach die Begegnung daraufhin für mehr als 20 Minuten. Als auch beim Versuch des Wiederanpfiffs insgesamt über 70 pyrotechnische Gegenstände gezündet oder auf das Spielfeld geworfen wurden, brach der Unparteiische die Begegnung ab.
"Das war ein Chaos und eine Bankrotterklärung für den Fußball", so Stephan Oberholz, stellvertretender Vorsitzender des DFB- Sportgerichts, in einer Urteilsbegründung. Oberholz sah ein "starkes Mitverschulden des Vereins", bei dem keine Geldstrafe ausreiche. "Das ist ein Signal, jetzt endlich mehr zu tun", begründete er den nach Worten aller Beteiligten den ersten Punktabzug wegen solcher Vorfälle in der Verbands

 

W.Goldschmitt