Coronakrise: Immer mehr Anrufe beim Opfer-Telefon

Hermann Recknagel
WRRecknagel

WEISSER RING braucht dringend Unterstützung – In den meisten Fällen geht es um häusliche Gewalt und Sexualdelikte
In der Coronakrise hat die Arbeit beim Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS deutlich zugenommen. Nachdem die Zahl der Gespräche bereits von 2019 auf 2020 um zehn Prozent angestiegen war, setzte sich dieser Trend auch in den ersten zehn Monaten des Jahres 2021 fort. Durchschnittlich führen die 75 Beraterinnen und Berater derzeit insgesamt 1822 Gespräche pro Monat – fast 300 Gespräche mehr als 2019.
Deshalb brauchen die Helferinnen und Helfer dringend selbst Unterstützung: Der WEISSE RING, Deutschlands größte Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer, sucht weitere ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für sein Opfer-Telefon. Wer im Rhein-Main- oder Rhein-Ruhr-Gebiet wohnt und drei Stunden in der Woche Menschen helfen möchte, die Opfer einer Straftat geworden sind, kann sich ab sofort auf www.weisser-ring.de bewerben.
Die meisten Anrufer melden sich wegen Sexualdelikten (2021: 15,6 Prozent der Fälle), dicht gefolgt von Häuslicher Gewalt und Stalking. Etwas zurückgegangen ist zuletzt der Anteil der Fälle von Körperverletzung außerhalb des häuslichen Umfelds (9,9 Prozent). Das hat vermutlich mit den Kontaktbeschränkungen während der Pandemie zu tun.
„Nach dem Schrecken einer Straftat kann und will nicht jeder sofort offen und persönlich mit anderen Menschen darüber sprechen“, sagt Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des WEISSEN RINGS. „Manchen Betroffenen fällt es leichter, zunächst am Telefon über das Erlebte zu reden, vielleicht auch anonym. Auf diesen Weg erreichen wir Menschen in Not, die sich sonst nie bei uns gemeldet hätten.“ Die Beraterinnen und Berater am Opfer-Telefon haben seit der Einrichtung 2009 fast 200.000 Gespräche geführt.
Welche Voraussetzungen sollte jemand mitbringen, der als Opfer-Telefon-Beraterin oder -Berater arbeiten möchte? Einen bestimmten Beruf oder eine bestimmte Ausbildung müssen Bewerber um ein Ehrenamt beim WEISSEN RING nicht vorweisen. Wichtige Eigenschaften für die Aufgaben am Opfer-Telefon sind psychische Stabilität und Entscheidungsfreude, Einfühlsamkeit sowie die Fähigkeit, gut zuzuhören und sich verständlich auszudrücken. Gearbeitet wird von zu Hause aus; ein eigener Computer mit Internetanschluss sowie IT-Grundkenntnisse sollten vorhanden sein. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden in einer Schulung professionell ausgebildet und auf ihre Aufgabe vorbereitet, im Anschluss finden regelmäßige Teamtreffen und Superversionen statt.
Das Opfer-Telefon kann bundesweit und kostenlos in Anspruch genommen werden. Die aktuell 75 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unter der Rufnummer 116 006 täglich von 7 bis 22 Uhr erreichbar. Die Beraterinnen und Berater verstehen sich als Lotsen, die allen Ratsuchenden die bestmögliche Hilfe für die jeweilige Situation aufzeigen.
Bewerbungen sind ab sofort über das Formular auf der Homepage des WEISSEN RINGS möglich: www.weisser-ring.de. Dort finden sich auch weitere Informationen. Rückfragen können schriftlich an die E-Mail-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! geschickt werden.

Der WEISSE RING wurde 1976 in Mainz gegründet als „Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e. V.“. Er ist Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität. Der Verein unterhält ein Netz von rund 2.900 ehrenamtlichen, professionell ausgebildeten Opferhelferinnen und helfern in bundesweit rund 400 Außenstellen, beim Opfer-Telefon und in der Onlineberatung. Der WEISSE RING hat mehr als 100.000 Förderer und ist in 18 Landesverbände gegliedert. Er ist ein sachkundiger und anerkannter Ansprechpartner für Politik, Justiz, Verwaltung, Wissenschaft und Medien in allen Fragen der Opferhilfe. Der Verein finanziert seine Tätigkeit ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und testamentarischen Zuwendungen sowie von Gerichten und Staatsanwaltschaften verhängten Geldbußen. Der WEISSE RING erhält keinerlei staatliche Mittel.