„Stadt an den Fluss“: Machbarkeitsstudie für eine Neckarpromenade mit Radhauptroute liegt vor Gemeinderätliche Gremien diskutieren ab 14. März

Stadt Heidelberg
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Eine Neckarpromenade mit eigenständiger Radachse, die sich vom Karlstor bis zum Wieblinger Wehr erstreckt – in den kommenden zehn Jahren könnte sie Realität werden. Wie, das zeigt eine Machbarkeitsstudie, welche die Arbeitsgemeinschaft Neckaruferweg im Auftrag der Stadt Heidelberg erarbeitet hat. Ab Donnerstag, 14. März, diskutieren die gemeinderätlichen Gremien über das Vorhaben; den Auftakt bildet der Bezirksbeirat Altstadt. Der Gemeinderat könnte im Mai grünes Licht für die vertiefende Planung und eine Bewerbung um Fördermittel von Bund und Land geben. Das Gesamtprojekt könnte dann schrittweise über Einzelmaßnahmen entwickelt werden.

Ein erster Abschnitt der Neckarpromenade wird aktuell mit dem Projekt „Barrierearme Umgestaltung des Neckarlauers“ realisiert. Zukünftig soll der Neckarlauer für Menschen mit Kinderwagen, Rollstuhl sowie Rollator & Co. leichter zu erreichen sein. Außerdem wird die Aufenthaltsqualität des Areals durch Sitzgelegenheiten und eine atmosphärisch angenehme Beleuchtung aufgewertet. Baustart war im Oktober 2018. Vor Ort begutachteten Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner, Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck, und Alexander Krohn, Stabsstelle „Stadt an den Fluss“, den Baufortschritt und stellten die Machbarkeitsstudie vor.

Demnach entstünde für den Radverkehr eine eigenständige Achse entlang der Bundesstraße B 37, auf der heute der Fuß- und teilweise Radverkehr gemeinsam geführt werden. Auf Wasserniveau könnte eine 3,7 Kilometer lange Fußwegeverbindung geschaffen werden. Sie wäre teils als schwimmende, teils als feste Steganlage konzipiert, und würde streckenweise auch über Land verlaufen. Die Studie ist in zehn Vertiefungsbereiche unterteilt, die unabhängig voneinander realisiert werden können. Sie haben jeweils eigene Charakteristika und skizzieren einen Vorschlag für eine besondere Nutzung. Die Nutzungen stellen Optionen dar und könnten nach der vertiefenden Prüfung auch später, abhängig von der jeweiligen Finanzierbarkeit, realisiert werden.

Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner sagte: „Nach mehr als 30 Jahren Diskussionen haben wir jetzt die Chance, das südliche Neckarufer als einen durchgängigen Frei- und Erholungsraum zu erschließen. Alle Bürgerinnen und Bürger und Gäste Heidelbergs würden von der fast vier Kilometer langen Fahrradroute und der parallel dazu führenden Spaziermeile profitieren. Das Vorhaben bietet zahlreiche neue attraktive Freiräume, sichere und komfortable Fuß- und Radwege, eine optimierte Verkehrsführung für den Autoverkehr, eine Verlagerung auf den Radverkehr, eine Entlastung des nördlichen Neckarufers und eine ganz neue Form der Lebensqualität.“

Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck betonte: „Momentan wirken mehr als 30.000 Fahrzeuge, die täglich auf der B 37 unterwegs sind, wie ein lärmendes Bollwerk, das Stadt und Fluss voneinander isoliert. Im südlichen Neckarufer verbirgt sich ein enormes Potenzial. Die Machbarkeitsstudie präsentiert eine Vision mit Leuchtturmcharakter – neben den zehn Vertiefungsbereichen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, bieten die dargestellten Nutzungsoptionen einen zusätzlichen Mehrwert. So könnte eine Hausbootsiedlung im Vertiefungsbereich ,Stadt im Fluss' innovative Formen des Wohnens ermöglichen. Frühere Aktionen wie der Stadtstrand am Neckarlauer oder die ,Sundowner'-Fläche am Iqbalufer haben ganz deutlich gezeigt: Die Heidelbergerinnen und Heidelberger möchten ihre Stadt an den Fluss bringen.“

Die in der Machbarkeitsstudie gezeichnete Vision einer durchgängigen Neckaruferpromenade wurde entwickelt auf Basis vieler Gespräche mit den angrenzenden Vereinen, dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt und den in der Projektgruppe Stadt an den Fluss beteiligten Fachämtern und unteren Behörden. Die Grundidee kam – ergänzend zum Auftrag aus dem Gemeinderat – auch aus der Bürgerschaft während der Aktion „Neckarorte 2016“.

Im nächsten Planungsschritt sollen verbindliche Aussagen zur Realisierbarkeit hinsichtlich der Bebauungsmöglichkeiten am Gewässerrandstreifen (Wassergesetz des Landes), zum Hochwasserschutz und zum Denkmalschutz getroffen werden. Auf dieser Grundlage können dann die einzelnen Bauabschnitte weiter konkretisiert werden. Im Rahmen der „Neckarorte“-Aktionen in den Jahren 2019 und 2020 soll es zudem Beteiligungsveranstaltungen für Bürgerinnen und Bürger geben.

Die zehn Vertiefungsbereiche im Überblick:

Stadt im Fluss

In Bergheim im Bereich des Marriott-Hotels gibt es schon eine größere Grünfläche. Hier ist angedacht, den bestehenden Uferweg aufzuwerten. Auf dem Wasser könnten angelagerte Grünflächen mit Bepflanzung in Form von schwimmenden Pontonkonstruktionen installiert werden, sogenanntes „floating green“. Darüber hinaus könnte hier eine Treppenanlage parallel zur Uferböschung entstehen, die zu einer großzügigen Terrasse auf Wasserebene führt. So entstehen attraktive Aufenthaltsorte für alle Bergheimerinnen und Bergheimer. Eine weitere mögliche Nutzungsart für diesen Bereich könnte eine Hausbootsiedlung – „Stadt im Fluss“ – als neue Form des Wohnens sein.

Sportsteg

Der Uferbereich auf Höhe des Ruderclubs ist derzeit nicht öffentlich zugänglich, zudem ist er durch die B 37 nur schwer zu erreichen. In der Machbarkeitsstudie wird vorgeschlagen, diesen Bereich stärker für Wassersport zu nutzen und zu erweitern. Beispielsweise könnte die bestehende Plattform durch einen schwimmenden Steg erweitert werden, um so einen Übergang zur Grünfläche des Iqbal-Ufers zu schaffen. Zusätzlich könnten schwimmende Aufenthaltsbereiche mit Pool und Sauna entstehen. Der Radverkehr verläuft auf Höhe der B 37 und knüpft damit direkt die Ernst-Walz-Brücke und Ziele im Stadtteil Bergheim an. Er würde durchgängig bis zum Karlstor als Zweirichtungsradweg geführt werden.

Iqbal Ufer

Die Grünfläche am Iqbal-Ufer wurde bereits im Rahmen der NECKARORTE-Veranstaltungen bespielt und möbliert. Die Gestaltungsideen aus den Bürger-Workshops sind in die Planungen der Promenade eingeflossen. In Ufernähe sollen nur wenige, sehr behutsame Eingriffe vorgenommen werden, um eine möglichst naturnahe Gestaltung mit Rücksicht auf die wertvolle Flora und Fauna in diesem Gebiet zu erreichen. Dazu könnten Sitzstufen in die Böschung integriert werden, die als Aufenthaltsort mit ansprechendem Ausblick dienen. Eine Pendelfähre könnte zum Stadtteil Neuenheim verbinden. Der Radweg wird wieder vom Fußweg getrennt an der B 37 geführt. Als Nutzungsoption wird ein Infozentrum mit kleinem Café und einer Terrasse, die als Plattform für Kultur genutzt werden kann, skizziert.

Marina

Die maritime Seite Heidelbergs ist am stärksten beim Sportboothafen erlebbar, der aktuell nur von Vereinsmitgliedern betreten werden darf. In Zukunft soll der Durchgangsbereich vor den unterirdischen Vereins- und Bootshäusern, dem ehemaligen Badekabinenhaus des „Blumschen Freibads“ von 1896, für die Allgemeinheit geöffnet werden. Der bereits vorhandene Steg könnte mit einem schwimmenden Steg verbreitert werden, so dass Wassersportler und Spaziergänger sich nicht in die Quere kommen. Die bereits von den Vereinsmitgliedern genutzte Gastronomie kann ein Treffpunkt von Marinanutzern und Besuchern werden.

Neckarwalk

Hier könnte in Zukunft ein befestigter Steg als Flaniermeile auf Wasserhöhe von der Marina durchgängig bis zum Neckarlauer führen. Die triste Beton-Bestandsmauer entlang des Neckarwalks wird durch eine vertikale Begrünung optisch aufgewertet, die sich dann zu einer grün berankten Pergola über die B 37 weiterentwickeln kann. Der Hochwasserschutz wird durch bauliche Maßnahmen optimiert. Außerdem könnte am Brückenkopf der Theodor-Heuss-Brücke eine Platzerweiterung vorgenommen werden, die die B 37 überspannt. So könnte der der Neckarwalk auf direktem Weg durch eine Treppenanlage oder einen Aufzug erreicht werden und der Spaziergang vom Bismarckplatz bis hinunter zum Neckar führen.

Neckarlauer