„Ehe für alle“: gemeinsame Hochzeitszeremonie für gleichgeschlechtliche Paare in Heidelberg

Philipp Rothe - In der Stadthalle geben sich über vierzig gleichgeschlechtliche Paare nun das „echte“ Ja-Wort, nachdem der Bundestag im Sommer die „Ehe für alle“ beschlossen hat. Unter den Neuvermählten sind auch Danilo Floreani und sein Mann Paolo Amerio (v.l.).
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Heidelberg hat die „Ehe für alle“ mit einer ganz besonderen Veranstaltung gefeiert: Bei einem von der Stadt organisierten Festakt haben sich am Sonntag, 26. November 2017, insgesamt 44 gleichgeschlechtliche Paare erneut das Ja-Wort gegeben und damit ihre eingetragenen Lebenspartnerschaften in Ehen umgewandelt. Zu der gemeinsamen Hochzeitszeremonie im Ballsaal des Kongresshaus Stadthalle waren alle Paare eingeladen, die sich seit 2001 im Standesamt Heidelberg haben verpartnern lassen. Das Gesetz zur „Ehe für alle“ ist seit 1. Oktober 2017 in Kraft.

Bürgermeister Erichson: „Wichtiger Indikator für Gleichberechtigung und Freiheit“

Seit 2001 haben sich im Heidelberger Standesamt 321 Paare – 137 Frauenpaare und 183 Männerpaare – verpartnern lassen. Davon sind 120 Paare von Bürgermeister Wolfgang Erichson persönlich verpartnert worden. In seiner Traurede betonte er: „Seit zehn Jahren ist es mir ein persönliches Anliegen, gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften offiziell in meiner Funktion als Bürgermeister zu begleiten und zu beurkunden, denn dies ist ein ganz wichtiger Beitrag auf dem Weg von gesellschaftlicher Toleranz zu Akzeptanz. Die Öffnung der Ehe ist für gleichgeschlechtliche Paare ein wichtiger Indikator für Gleichberechtigung und Freiheit in einer pluralen und offenen Gesellschaft, in der die Akzeptanz und der Schutz von Minderheiten die Gemeinschaft und somit das Miteinander unter den Menschen stärken.“

OB Prof. Würzner: „Sexuelle Vielfalt wird in Heidelberg nicht nur toleriert, sondern akzeptiert“

Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner beglückwünschte die Paare ebenfalls und sagte: „Die Stadt Heidelberg ist weltoffen und betreibt seit vielen Jahren aktive Antidiskriminierungsarbeit. Uns ist wichtig, dass sich Stadtgesellschaft und Politik öffentlich dazu bekennen, dass sexuelle Vielfalt in Heidelberg nicht nur toleriert, sondern akzeptiert wird. Heidelberg hat sich hier mit dem Aktionsplan ,Offen für Vielfalt und Chancengleichheit‘ und dem Beitritt zur ,Charta der Vielfalt‘ und zur ,Städtekoalition gegen Rassismus‘ einem größeren Zusammenhang verpflichtet.“

Bei der geschlossenen Veranstaltung ohne Angehörige und Publikum legten die 27 Männer- und 17 Frauenpaare jeweils einzeln das Ja-Wort ab. Für diesen formalen Akt standen Bürgermeister Wolfgang Erichson und fünf Standesbeamtinnen und -beamte zur Verfügung. Dem offiziellen Teil schloss sich zum Ausklang der Zeremonie eine kleine Feier an. Für den musikalischen Rahmen sorgte am Klavier Tom Putsch – er spendet seine Gage der „AIDS-Hilfe Heidelberg e. V.“. Ein Sponsor hat den Sekt für die Feier gespendet. Mathias Schiemer, Geschäftsführer der Heidelberg Marketing GmbH, sagte am Rande der Veranstaltung: „Ich freue mich, dass die Zeremonie hier im Ballsaal unserer Stadthalle ausgetragen wird. Die Stadt setzt damit ein Zeichen und prägt ein gleichzeitig ein sympathisches Bild der Stadt – auch das ist Tourismusmarketing!“.

Stadt Heidelberg geht gegen Rassismus, Ausgrenzung, Homo- und Trans*phobie vor

Die Stadt Heidelberg geht engagiert gegen Diskriminierung, Vorurteile und Ausgrenzung, gegen Homo- und Trans*phobie sowie gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vor. Sie will das friedliche Zusammenleben ihrer Einwohnerinnen und Einwohner fördern. Die Veranstaltung „Ehe für alle“ ist Teil dieser Anstrengungen, ebenso wie beispielsweise der „Runde Tisch sexuelle Vielfalt“, von der Stadt im Oktober 2016 gegründet, oder das Beratungsangebot zum Thema „Sexuelle Vielfalt“. Im September 2017 hat die Stadt Danijel Cubelic als Beauftragten für die Chancengleichheit von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, transsexuellen, transgender, intersexuellen und queeren Menschen (LSBTTIQ) berufen.

Bereits im Jahr 2001 hatte die ehemalige Oberbürgermeisterin Beate Weber das historische Trauzimmer des Heidelberger Standesamtes für Schwule und Lesben geöffnet – zu einer Zeit, als sich gleichgeschlechtliche Paare das Ja-Wort andernorts noch in schmucklosen Amtsstuben geben mussten. Seit 2001 haben 321 Paare ihre Lebenspartnerschaft in Heidelberg begründet (137 Frauenpaare, 183 Männerpaare).

Hintergrund „Ehe für alle“

 Schwule und Lesben dürfen seit 1. Oktober 2017 heiraten. Sie bekommen dann alle Rechte und Pflichten einer Ehe zwischen Mann und Frau. Dazu wird das Bürgerliche Gesetzbuch geändert. Dort heißt es: „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.“

 Rechtlich sind homosexuelle und heterosexuelle Paare künftig gleich, wenn sie heiraten. Praktisch wirkt sich das vor allem beim Adoptionsrecht aus: Bislang dürfen schwule oder lesbische Paare ein Kind nämlich nicht gemeinsam adoptieren. Das wird künftig möglich sein.

 In allen anderen Bereichen sind Ehe und Lebenspartnerschaft bereits gleichgestellt.

 Eine bestehende eingetragene Lebenspartnerschaft wird mit Inkrafttreten des Gesetzes nicht automatisch in eine Ehe umgewandelt. Das Heidelberger Standesamt bietet Termine für die Umwandlung an. Nach der Umwandlung der Lebenspartnerschaft in eine Ehe haben die Lebenspartnerinnen oder Lebenspartner die gleichen Rechte und Pflichten, als ob sie am Tag der Begründung der Lebenspartnerschaft geheiratet hätten – die Ehe gilt also rückwirkend ab dem Tag der Verpartnerung.

 Eine bestehende Lebenspartnerschaft kann auch bestehen bleiben, das heißt kein Paar wird gezwungen zu heiraten.

 Wer noch nicht verpartnert ist, kann künftig nur heiraten. Die Rechtsform der eingetragenen Lebenspartnerschaft gibt es nicht mehr.