Prävention gegen Glückspielsucht Bäckertüten-Aktion geht in die zweite Runde

Stadt Mannheim
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Mit dem bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht wird jedes Jahr Ende September auf das hohe Suchtpotenzial von Glücksspielen aufmerksam gemacht. Der Aktionstag fand in diesem Jahr zum neunten Mal statt. Experten zufolge sind rund eine halbe Million Menschen in Deutschland von einer Spielsucht betroffen.

In den vergangenen beiden Jahren stand das Thema „Sportwetten“ mit dem Slogan „Spielsucht – kommt mir nicht in die Tüte“ im Vordergrund. Dazu organisiert der Beauftragte für Suchtprophylaxe der Stadt Mannheim, Dr. Timo Kläser, in Kooperation mit dem Netzwerk für Suchtprävention und Suchthilfe der Stadt Mannheim, kommunale Aktionen der Suchtprävention. Besonders die Bäckertüten-Aktion ist seit September letzten Jahres in Mannheim sehr erfolgreich. In Mannheim werden dabei insgesamt 30.000 Bäckertüten bei jedem Einkauf in ausgewählten Bäckereien in der Stadt mit dem Slogan „Spielsucht? Kommt mir nicht in die Tüte“ an die Kunden ausgegeben.

„Gerade die Glücksspielsucht führt von allen Verhaltenssüchten neben der psychischen Abhängigkeit zu einer großen finanziellen Belastung für die Betroffenen und deren Familien. Häufig endet das pathologische Glücksspiel in einer finanziellen Notlage, in der die individuelle und gesellschaftliche Existenz besonders bedroht ist“, betonte der Leiter des Fachbereichs Jugendamt und Gesundheitsamt der Stadt Mannheim, Dr. Peter Schäfer, bei der gestrigen Eröffnung diesjährigen Bäckereitüten-Aktion. In wenigen Wochen beginnt die besinnliche Vorweihnachts- und Adventszeit, die aber gleichzeitig auch stark von Konsum und vielen Terminen geprägt ist. Da es vielen Menschen – auch in Mannheim – aber schlichtweg an den notwendigen finanziellen Mitteln fehlt, um die Konsumerwartungen zu erfüllen oder ihren Mitmenschen kostspielige Geschenke machen zu können, wird gerade in der Vorweihnachtszeit vermehrt Lotto gespielt oder Spielwetten abgeschlossen. Allerdings bleibt hierbei der große Gewinn meist aus und in der Regel überwiegen die finanziellen Verluste. Die dadurch noch weiter zunehmende Risikobereitschaft und der Druck, doch das verlorene Geld wieder zurückzugewinnen, führen häufig in einen Teufelskreis und fördern Suchtverhalten.

Der Beauftragte für Suchtprophylaxe der Stadt hat örtliche Bäckereien akquiriert, die sich an der diesjährigen Bäckertütenaktion beteiligen. Im Rahmen der Kampagne „Spielverderber – die Sucht verdirbt mehr als nur das Spiel“ stellt zudem das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg mit Unterstützung des Ministeriums für Soziales und Integration, des Bäckereiinnungsverbandes Baden e.V. und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Brillenputztücher zur Verfügung, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

Neben Online-Informationen zum Thema Glücksspielsucht können sich Betroffene und ihre Angehörigen bei der kostenlose Rufnummer 0800-1372700 der BZgA informieren. Neben einer persönlichen und anonymen Beratung können auch Hilfs- und Beratungsmöglichkeiten vor Ort erfragt werden

Hintergrund Glückspielsucht
Neue Ergebnisse der Repräsentativbefragung der BZgA „Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland 2017“ zeigen, dass rund 1,4 Millionen Menschen in Deutschland innerhalb der letzten zwölf Monate auf ein sportliches Ereignis gewettet haben. Besonders für junge Männer sind Sportwetten attraktiv: 5,7 Prozent der 16- bis 25-Jährigen haben im genannten Zeitraum Erfahrungen mit Sportwetten gemacht. Von ihnen setzen rund 20 Prozent mindestens wöchentlich Geld auf Sportereignisse. Glücksspiele sind Spiele mit Geldeinsatz, die nicht von der Geschicklichkeit des Spielers abhängen, sondern vom Zufall bestimmt sind. Der Spielerfolg ist vor allem vom Zufall bestimmt und ist nicht von der Geschicklichkeit und Intelligenz oder Wissen des Teilnehmenden abhängig.

Vom „pathologischen Spielen“, wie die Spielsucht in der Fachsprache bezeichnet wird, sind etwa ein Prozent der Bevölkerung betroffen. Mehr als drei Viertel der 16- bis 70-Jährigen haben in einer Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Jahr 2017 angegeben, irgendwann im Leben schon einmal an einem Glücksspiel teilgenommen zu haben. Bei den männlichen Befragten sind es 77,8 Prozent bei den weiblichen 72,7 Prozent. Gut vier Prozent der Befragten gaben an, mehr als 100 Euro monatlich für Glücksspiele auszugegeben. Mehrere hundert tausend Menschen in Deutschland haben Untersuchungen zufolge ein problematisches beziehungsweise pathologisches Glücksspielverhalten.

Das Suchthilfenetzwerk der Stadt Mannheim ist mit den genannten Suchtberatungsstelen im landesweiten „Arbeitskreis Glücksspiel“, der beim Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg in Stuttgart angesiedelt ist, langjähriges Mitglied. Weitere Infos erteilt Dr. Timo Kläser, Telefon: 0621-293-9339, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Weitere Informationen zum Thema Glücksspielsucht und zum Aktionstag 2018 gibt es auf der Homepage der kommunalen Suchtprävention der Stadt Mannheim:https://www.mannheim.de/de/service-bieten/gesundheit/gesundheitsfoerderung-und-praevention/suchtpraevention
und https://www.gesundheitsamt-bw.de/lga/DE/Kompetenzzentren_Netzwerke/Gluecksspiel/Gluecksspiel_als_Sucht/Seiten/default.aspx