Weihnachtssingen SV Waldhof

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Stahlhofen und Co. beim Weihnachtssingen

Mannheim. Hosianna und das Waldhoflied. Ein Widerspruch? Seit Sonntagabend nicht mehr. Über 1300 Mannheimer aller Generationen haben sich das erste Weihnachtssingen im Carl-Benz-Stadion nicht nehmen lassen. Die meisten sitzen zum ersten Mal überhaupt auf der Otto-Siffling-Tribüne. Selbst ein leichter Nieselregen kann die vorweihnachtliche Stimmung nicht trüben. Für das über dreistündige Programm haben die Organisatoren vom Lionsclub eine Menge Kreativität aus "Monnem" und die Erste Mannschaft des Drittligisten auflaufen lassen. Die Routiniers Rolf Stahlhofen und Claus Eisenmann von den Söhnen Mannheims bringen mit "Feliz Navidad" und "Meine Stadt" die Zuschauer schon einmal auf Trainingstemepratur, während sich Gitarrist Andy Bayless die klammen Finger warm klampft. Ihr publikumsnaher Auftritt auf der kleinen Bühne vor den Rängen schafft einen ganz neuen Teamspirit im Stadion. Keiner bleibt mehr sitzen auf den heiligen Rängen der Ultras wenn "eine Stadt ihren Mann heim holt".

Ein furioses Intermezzo des "Trommelpalastes" liefert den Steilpass zum besinnlichen Teil des Adventskonzerts. Und der Kinderchor des Nationaltheaters verwandelt musikalisch den leichten Regen in "Schneeflöckchen". Mannheimer Blech nennt sich ein junges Ensemble der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, das fortan den Ton angibt. „Traditionals“ heißen die Lieder im Neudeutsch. "O du Fröhliche", "O Tannenbaum" oder "Süßer die Glocken nie klingen" werden von den Zuschauern treffsicher mitgeschmettert. Am Ende versammeln sich alle Akteure zum großen Finale auf der jetzt recht eng gewordenen Bühne und setzen mit „A Merry Christmas“ den harmonischen Schlussakkord.

Weihnachtssingen ist heutzutage ein Trend. Begonnen hat er gewissermaßen illegal als vor Jahren einige Dutzend Anhänger des 1. FC Union Berlin ins Stadion "An der Alten Försterei" eindrangen und weihnachtliche Weisen intonierten. Inzwischen ist das Treffen offiziell. Tausende Besucher füllen inzwischen alljährlich die Tribünen. Die Karten dafür müssen wegen der Nachfrage unter den Vereinsmitgliedern verlost werden. Die Aktion hat immer neue Wellen geschlagen. Jedes Jahr reihen sich Fußballarenen ein und bitten zum „Rudelsingen“. So wird zum Beispiel in Gelsenkirchen, Dortmund oder Köln sogar mit Kerzen in der Hand gesungen. Vielleicht auch nächstes Jahr wieder bei den 07ern. Denn aus dem Trend soll eine Tradition werden.
Bürgermeister Christian Specht jedenfalls ist fest davon überzeugt. Er genießt das Konzert als willkommene Abwechslung von den sonntäglichen, stressigen Haushaltsplanberatungen des Mannheimer Gemeinderats. Nicht zuletzt Wolfgang Presinger vom Lionsclub, der den Reinerlös der Premiere dem Kinderhospiz Sterntaler stiftet, hofft auf eine Neuauflage der gemeinnützigen Aktion. Überglücklich strahlt auch Waldhof-Geschäftsführer Markus Kompp, nicht nur seines Lieblingssongs „Meine Stadt“ wegen: " Ich denke, manch heute begeisterter Neuling im Stadion wird auch mal zu einem unserer Spiele kommen". Davon ist auch Rolf Stahlhofen überzeugt, obwohl bei Heimpartien der Blau-Schwarzen zumeist ein etwas anderes Liedgut erklingt. "Wenn jeder von euch im nächsten Jahre nur fünf Leute aus dem Bekanntenkreis mitbringt, sind auch die Söhne beim Weihnachtssingen wieder dabei", verspricht der Frontmann.

wolf h. goldschmitt