Automatisierte Produktion im Modell Lernfabrik 4.0 an der Werner-von-Siemens-Schule vorgestellt

Stadt Mannheim / Foto: Thomas Rittelmann
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 Stadt Mannheim / Foto: Thomas Rittelmann

Die Digitalisierung der Arbeitswelt stellt Auszubildende und Fachkräfte vor neue Herausforderungen. Übergeordnete Softwaresysteme gestatten Menschen, Maschinen und Produkten, direkt miteinander zu kommunizieren und ermöglichen eine weitestgehend selbstorganisierte Produktion individueller Kundenanforderungen. Um den genannten Herausforderungen der Transformationen einer zunehmend vernetzten und von Digitalisierung geprägten Arbeitswelt zu begegnen, wurde an der Werner-von-Siemens-Schule in Kooperation mit der Friedrich-List-Schule die Lernfabrik 4.0 errichtet. Das Modell, an dem Schü-ler*innen praxisnah Inhalte und Kompetenzen für die Arbeitswelt von morgen vermittelt bekommen, wurde am gestrigen Dienstag vorgestellt.

Durch den Zusammenschluss der beiden Schulen wird die realitätsnahe Abbildung eines verketteten Anlagensystems gewährleistet und eine Verbindung von kaufmännischer sowie gewerblich-technischer Ausbildung an den Schnittstellen Produktion, IT sowie Geschäfts- und Unternehmensorganisation hergestellt. „Die Lernfabrik 4.0 leistet einen wichtigen Beitrag in der Vorbereitung des Fachkräfte-Nachwuchses auf zukünftige Herausforderungen und Fragestellungen. So wird durch die Lernfabrik 4.0 nicht nur das berufliche Schulsystem, sondern auch der Produktionsstandort Mannheim zukunftsfähig weiterentwickelt und nachhaltig gestärkt“, freut sich Bildungsbürgermeister Dirk Grunert.

Ernst-Dieter Keller, Vorsitzender des Vorstandes der Vereinigung der Förderer der Werner-von-Siemens-Schule e.V. bestätigt: „Die Qualität der Ausbildung wird stark beeinflusst von den Lehr- und Lernmitteln. Hier auf dem neusten Stand der Technik zu sein und zu bleiben, ist eine echte Herausforderung. Mit der Lernfabrik 4.0 ist es gelungen, modernste Technik mit Applikationen der Digitalisierung praxisgerecht aufzubauen und die passenden Lernmodelle zu integrieren.“

Von der Anlage profitieren sollen neben Auszubildenden und Teilnehmenden an Weiterbildungsgängen auch kleine und mittelständische Unternehmen. In Workshops sollen diese anschauliche und praxisorientierte Einblicke in Industrie 4.0-Lösungen erhalten.

Mit rund 162.000 Euro beteiligte sich das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg im Rahmen seiner Strategie „digital@bw“ an der Einrichtung einer Lernfabrik 4.0 an beruflichen Schulen in Mannheim. Claus Mayer, Leiter des Referats Automobil-, Produktionsindustrie und Logistik des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, überbrachte die Grüße der Wirtschafts- und Arbeitsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut: „Die Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 sind heute wie auch in Zukunft wichtige Treiber für eine leistungsstarke Industrie in Baden-Württemberg. Unsere Lernfabriken 4.0 haben bereits ein bundesweit einzigartiges Netz von Lernorten geschaffen, an denen die Digitalisierung der Wirtschaft in Aus- und Weiterbildung praktisch greif- und erlebbar wird. Ich freue mich sehr, dass nun auch Mannheim eine Lernfabrik 4.0 hat, die Kompetenzen moderner Produktionstechnologien an Auszubildende vermittelt“, betont die Ministerin.

Ergänzend zu der Förderung durch das Wirtschaftsministerium steuerte die Stadt Mannheim Gelder in Höhe von 200.000 Euro bei, und auch die regionale Wirtschaft unterstützte das Vorhaben. „Die Lernfabrik 4.0 übernimmt die Funktion eines wichtigen, öffentlich wahrgenommenen Schaufensters für Industrie 4.0-Technologien. Wir beteiligen uns gerne an dem innovativen Modell, das auch unseren Auszubildenden die Möglichkeit bietet, weit über den Tellerrand der in der Grundausbildung so wichtigen Vermittlung von Basistechnologien hinauszublicken und Gesamtzusammenhänge im wahrsten Sinne ‚begreifbar‘ zu machen“, unterstreicht Hans-Joachim Mayer, Stabsabteilungsleiter Personal- und Kulturentwicklung beim Co-Sponsor MVV.

Ferner wird die Lernfabrik 4.0 wird um ein autonomes Flurfahrzeug von der Firma SEW-EURODRIVE zum Warentransport zwischen den Produktionsstationen ergänzt, das ebenfalls vorgestellt wurde: „Das Fahrzeug basiert auf unserem bewährten Baukastenprinzip. Gemeinsam mit der Werner-von-Siemens-Schule entwickeln wir ein didaktisches Konzept zum Einsatz dieser Technologie in der beruflichen Aus- und Weiterbildung und arbeiten ein interdisziplinäres Unter-richtskonzept berufsgruppenübergreifend aus“, so Ulrich Fesing, Leiter Vertriebsgebiet 3 und Didaktik der SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG.

Albert Weiss, Schulleiter der Werner-von-Siemens-Schule stellte die Lernfabrik in Aktion vor. „Die Kooperation einer gewerblichen Schule, der Werner-von-Siemens-Schule, und einer kaufmännischen Schule, der Friedrich-List-Schule, gewährleistet die interdisziplinäre Verknüpfung von Produktion und Unternehmenssteuerung nach neusten Industriemaßstäben. Die Lernfabrik wurde bewusst so gestaltet, dass Schüler*innen nicht nur die verschiedenen Prozesse beobachten, sondern direkt an der Anlage Lerninhalte erarbeiten können“, erläutert Weiss.

Hintergrund „Lernfabriken 4.0“
Anhand von Grundlagenmodulen lernen die Schüler zunächst einzelne Einheiten eines Produktionsprozesses kennen. Durch den Zusammenschluss der Module zu einem verketteten und digital vernetzten Anlagensystem kann eine komplexe Produktionskette abgebildet werden. Dadurch werden die Schüler*innen sowie Teilnehmende von Weiterbildungsangeboten optimal auf die Transformationen einer zunehmend vernetzten und von Digitalisierung geprägten Arbeitswelt vorbereitet. Über ihren Einsatz in der beruflichen Aus- und Weiterbildung hinaus soll die Lernfabrik 4.0 als Demonstrationszentrum für Industrie-4.0-Lösungen innerhalb der Region dienen.