ABS bremst unnötigen Antibiotika-Einsatz in Mannheim

UMM
Klinikum MA

ABS bremst unnötigen Antibiotika-Einsatz in Mannheim

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einem ‚post-antibiotischen Zeitalter‘, Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Antibiotika-Resistenzen zum Thema des G7-Gipfels in Elmau gemacht. Die Universitätsmedizin Mannheim stellt sich diesem aktuellen Thema und hat als eines der ersten Krankenhäuser in der Metropolregion Rhein-Neckar eine ABS-Gruppe eingerichtet.

„ABS steht für ‚Antibiotic Stewardship‘ – also den bewussten, rationalen Einsatz von Antibiotika“, erläutert Privatdozent Dr. med. Roger Vogelmann, zertifizierter ABS-Experte des Universitätsklinikums. „Unser Ziel ist es, die Nutzung von Antibiotika zu optimieren. So sollen die Mittel möglichst nur zum Einsatz kommen, wenn sie für die Therapie unverzichtbar sind. Außerdem achten wir darauf, dass für den jeweiligen Fall gezielt das passende Antibiotikum ausgewählt wird.“

Vogelmann führt mit der ABS-Gruppe regelmäßig so genannte Infektionsvisiten auf Normalstationen und in besonderen Risikobereichen wie Intensiv- oder Isolationsstationen durch. Die in der Gruppe vertretenen Experten für Infektiologie, Mikrobiologie, Laboratoriumsmedizin, Hygiene und Pharmazie beraten die behandelnden Ärzte zur individuell bestmöglichen Antibiotikatherapie für ihre Patienten. „Studien zeigen, dass für den Behandlungserfolg das komplexe Zusammenspiel aus Diagnose und Therapie entscheidend ist“, berichtet Vogelmann und betont: „Dabei ist ein Mehr an Sicherheit für die Patienten bei gleichzeitig geringerem Einsatz von Antibiotika nur ein scheinbarer Widerspruch.“

Denn mit dem gezielteren Einsatz von Antibiotika gehen auch unerwünschte Nebenwirkungen zurück: Die Mittel töten nicht nur die Infektionsverursacher ab, sondern vernichten auch die natürlichen Bakterien der Darmflora. „Wenn krankmachende Keime an die Stelle der nützlichen Bakterien treten, kommt es immer wieder zu heftigen Beschwerden wie Bauchschmerzen oder langanhaltenden, teilweise blutigen Durchfällen. Zum Beispiel hat sich die Zahl der durch Clostridien ausgelösten Durchfallerkrankungen in den letzten zehn Jahren europaweit deutlich erhöht“, erläutert Vogelmann. Clostridien kommen in einer gesunden Darmflora in geringer Anzahl vor, können sich aber nach Antibiotika-Gaben stark vermehren und schwere Entzündungen im Dickdarm auslösen.

Seit die ABS-Gruppe Anfang 2014 ihre Arbeit aufgenommen hat, konnte in der II. Medizinischen Klinik, deren leitender Oberarzt Vogelmann ist, der Antibiotikaverbrauch um rund 40 Prozent reduziert werden ohne dass es dadurch zu einer Verschlechterung der Behandlung gekommen ist. „Das hat große Auswirkungen auf die Eindämmung von Resistenzen. Je gezielter Antibiotika verordnet werden, desto geringer ist der Druck auf die Bakterien, Resistenzen zu entwickeln. Am Ende profitieren unsere Patienten, da ihr Risiko an resistenten Erregern zu erkranken deutlich sinkt“, so Vogelmann.