Darmkrebsvorsorge: Fortschritte erkennbar – aber noch viel zu tun!

LebensBlicke
ProfRiemann

Die Auftakt-Pressekonferenz der Stiftung LebensBlicke zum Darmkrebsmonat März 2022 stand ganz unter dem diesjährigen Motto: "Vorsorge bringt dich nicht um - Darmkrebs schon!". Seit 2002 gibt es in Deutschland für das Darmkrebs-Screening das duale System aus Stuhltest und Darmspiegelung. Dieses opportunistische Screening ist 2019 von einem organisierten Einladungsverfahren (KFRG) abgelöst worden. Krankenkassen laden ihre Versicherten mit 50, 55, 60 und 65 Jahren zur Darmkrebsvorsorge ein, Männer bereits mit 50 Jahren zur Koloskopie. Träger des Koloskopie-Screenings ist der Berufsverband niedergelassener Gastroenterologen (bng), der diese Vorsorgeuntersuchungen mit großer Zuverlässigkeit und hoher Qualität erbringt. Auch dank des Koloskopie-Screenings sind in den vergangenen 20 Jahren Darmkrebs-Inzidenz und -Mortalität signifikant zurückgegangen. Der bng nutzt seine Netzwerke und Kanäle in Kooperation mit der Stiftung LebensBlicke, um auch intensiv für die Darmkrebsvorsorge zu werben.

Die Corona-Pandemie hat 2020 das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen gestellt; auch die Darmkrebsvorsorge hat vorübergehend einen Einbruch erfahren, der sich allerdings im Jahr 2021 wieder stabilisiert hat. Dennoch ist Zufriedenheit nicht angebracht. Die Darmkrebs-Neuerkrankungsraten liegen mit ca. 55.000 pro Jahr und die Sterberaten mit ca. 24.000 pro Jahr immer noch sehr hoch. Gründe dafür sind die unbefriedigende Teilnahmerate, ein umständliches Einladungsverfahren und eine wenig Laien-verständliche Information. So lassen sich nur ca. 1,8 - 2% der Anspruchsberechtigten pro Jahr darmspiegeln; ca. 15-20% nehmen den immunchemischen Stuhltest in Anspruch. Die Einladung per Brief erfordert bis zu drei Arztbesuche (Test holen, Test machen und abgeben, Test besprechen). Die Krankenkassen sind aufgefordert, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen. Wiederholte Kritik an den mitversandten Informationsbroschüren hat inzwischen zum Erfolg geführt; der Gemeinsame Bundesausschuss hat Überarbeitungsvorschläge auch der Stiftung LebensBlicke akzeptiert.

Das familiäre Risiko bleibt nach wie vor ein Stiefkind. Fast 25% der Menschen, die an Darmkrebs erkranken, haben eine familiäre Belastung. Verwandte 1. Grades einer an Darmkrebs erkrankten Person haben ein um bis zu vierfach höheres Risiko, selbst zu erkranken. Das KFRG muss um den Hinweis auf dieses deutlich erhöhte Risiko erweitert werden.
Die Stiftung LebensBlicke stellt fest: Es sind deutliche Fortschritte beim Darmkrebs-Screening erreicht worden, es gibt aber noch viel zu tun. Dazu gehört auch die allseits beklagte mangelnde Gesundheitskompetenz eines Großteils der Bevölkerung durch intensive Aufklärung weiter zu verbessern. "Die gesundheitspolitischen Entscheider müssen erkennen, dass dazu alle medialen Kanäle einschließlich sozialer Medien genutzt werden müssen", so Professor J.F. Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke.