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Beim SV Waldhof brennt`s lichterloh

Waldhof Feuer Copy

Mannheim. "Hand in Hand", singen die Fans des SV Waldhof in ihrer Vereinshymne. Doch momentan sieht die Wirklichkeit beim Aufsteiger in die Dritte Liga anders aus. In der Chefetage des Traditionsvereins brennt´s. Nach Lagerkämpfen zwischen Aufsichtsrat und Geschäftsführung sowie Präsident Bernd Beetz, werfen gleich mehrere Führungskräfte das Handtuch. Ihr Vorwurf an die Geschäftsführung und den Präsidenten: Finanzielle Tricksereien. Sowohl die Präsidiumsmitglieder Wolfgang Gruber, Peter Köhnlein und Birgit Loewer-Hirsch als auch die Aufsichtsräte Markus Ritzmann und Helmut Hans Kneller haben die Nase voll. Mit sofortiger Wirkung treten sie von allen Ehrenämtern zurück und damit in die Fußstapfen ihrer Vorgänger Geschwill und Höß.

Es ist das alte Lied beim SV Waldhof: wenn es sportlich mal läuft, dann kracht es unter den Funktionären. Doch diesmal spielen nicht Eitelkeiten der Beteiligten die Hauptrolle, sondern ernsthafte Bedenken über die Legalität mancher einsamen Entscheidungen der Spielbetriebsgesellschaft. Vor drei Jahren liefen noch alle Mannschaften unter dem Dach des SV Waldhof Mannheim 07 e.V. auf, bis die Erste Mannschaft in eine Spielbetriebsgesellschaft ausgegliedert wurde. Damit ändert sich zwangsläufig das Finanzgebaren. Während sich der e.V. um Tennis, Handball sowie die Jugendarbeit im Fußball, inklusive der U 23, zu kümmern hatte, liegt die Verantwortung für die Profis allein bei der GmbH und bei Bernd Beetz. Der hatte sich mit einer Million Euro Stammkapital als Mäzen an der Ausgliederung beteiligt und dann das neu geschaffene Konstrukt über eine Beteiligungsgesellschaft zu 97 Prozent einverleibt. Hier wird die Traditionsmarke maximal vermarktet und sämtlicher Gewinn aus dem Merchandising und den VIP-Bereichen vereinnahmt.

Das Präsidium des Clubs allerdings ist von Beetz längst entmachtet. Protokolle des e.V. und des Aufsichtsrats zeigen, dass der Präsident seit seiner Wahl an keiner Sitzung des Gremiums teilgenommen hat. "Sinnfreies Gequatsche" schreibt Beetz in einer E-Mail. Als Kontrollorgan soll der Aufsichtsrat die Verantwortungsträger im Auftrag von Mitglieder- oder Aktionärsversammlungen jedoch überwachen. Doch das hat nicht funktioniert, da es trotz des Aufstiegs in die höhere Liga bis dato keinen einsehbaren Wirtschaftsplan für die aktuelle Saison gibt.

Eine dubiose Geschichte ist auch der Fall eines Spielers. Im August wird Sandro L. für den Nachwuchs verpflichtet und unterschreibt einen Amateurvertrag bei der U 23 mit einer Monatsentschädigung von 250 Euro. Da L. arbeitslos gemeldet ist, lässt er sich von der Geschäftsführung eine geringfügige Beschäftigung bescheinigen, um Arbeitslosengeld zu erhalten. Nur einen Tag nach seiner Verpflichtung aber wird der Mittelfeldspieler einer Tauglichkeitsuntersuchung für Spieler der Dritten Liga unterzogen. Und schließlich steht er sogar beim jüngsten Derby gegen Kaiserslautern im Kader, den die Spielbetriebs-GmbH finanziert.

Nicht nur die zurückgetretenen Aufsichtsräte wittern deshalb ein nicht legales Gemauschel und Sozialversicherungsbetrug, da Lohnersatzleistungen, die über die vereinbarten 250 Euro hinausgehen, angeblich über Fahrtkosten abgerechnet werden sollen. Geschäftsführer Markus Kompp weist in einer Mitteilung an das Präsidium die Vorwürfe zurück.

Fragen wirft auch das Verhalten des SV Waldhof gegenüber dem sogenannten „Club der 100“ auf. Mehr als eine Million Euro hat der Club in über 40 Jahren an den Verein überwiesen und dafür Räumlichkeit am Carl-Benz-Stadion kostenfrei genutzt. Im vergangenen Jahr hat Geschäftsführer Markus Kompp mit dem „Club der 100“ einen Pachtvertrag geschlossen, dessen Einnahmen an die Spielbetriebs-GmbH gehen. Auch das sei gesetzeswidrig und widerspreche dem gültigen Pachtvertrag zwischen der Stadt Mannheim als Besitzer des Carl-Benz-Stadions und dem SV Waldhof, sagen jetzt die Zurückgetretenen. Sie befürchten, dass ihr Herzensverein unter der Ägide von Bernd Beetz " finanziell ausgezehrt" werde. Oder wie ein ehemaliges Präsidiumsmitglied die "Profitmaximierung am Rande der Legalität" auf den Punkt bringt: "Der Waldhof hat sich in die Fänge eines Raubtieres begeben".

Wolf H.Goldschmitt

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