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Die Sportwoche gratuliert Klaus Schlappner, …

Klaus Schlappner und sein berühmter Pepita-Hut
klaus schlappner war zwischen 1980 und 1987 traine 201901101622 full Copy

... der heute, am 22. Mai, 80 Jahre alt ist. Der Name Klaus Schlappner ist untrennbar mit der erfolgreichsten Zeit des SV Waldhof verbunden. 1980 war der gebürtige Lampertheimer zu den Blau-Schwarzen gekommen, hatte um den erfahrenen Günter Sebert eine junge, ehrgeizige Truppe geformt, die 1983 sensationell den Aufstieg in die Bundesliga schaffte.

Auch im Fußball Oberhaus sorgten die Waldhof-Buwe mit ihrem Trainer rasch für Furore, schlugen im allerersten Bundesliga- Spiel der Vereinsgeschichte den SV Werder Bremen mit 2:0 und Klaus Schlappner und sein Pepita-Hut wurden zum Markenzeichen. „Schlappi“, wie der legendäre Coach noch heute bei den Fans des SV Waldhof genannt wird, sorgte auch bei den Pressekonferenzen für frischen Wind in der Liga. „Herr Schlappner haben Sie mit Ihrer Mannschaft jemals so viel Glück gehabt …. wie in dem heutigen Spiel?“, wurde er einmal von einem Journalisten gefragt.
„Isch hab des greeschte Glick ghabt, wo isch meu Fraa gheiert hab“, antwortete Schlappner und hatte die Lacher auf seiner Seite. „War doch kää Glick – war Könne“, stellte er dann klar und fügte hinzu: „Ihr misst ma erscht ämool s`Gegedeil beweise.“

Doch so lustig, manchmal sogar beißend spöttisch seine Äußerungen häufig auch waren, Klaus Schlappner war ein akribischer Arbeiter, der seine Aufgaben nicht nur auf dem Platz sah. Seine Spieler konnten auch mit privaten Problemen zu ihm kommen und mit gesundem Menschenverstand – manchmal aber auch mit sanftem Druck – hielt er sie zwar an der langen Leine, aber auch in der richtigen Spur. Dem jungen Jürgen Kohler, der sich mit seinem ersten Geld als Profi einen BMW kaufen wollte, „riet“ er mit markigen Worten ab: „Ein gebrauchter Ford tut`s auch, der BMW kann später kommen.“

Maurizio Gaudino sagt heute noch, dass Klaus Schlappner der wichtigste Trainer seiner Karriere gewesen ist. „Er hat mich mit 17 in die Bundesliga geholt. Er hatte immer eine harte Hand, war aber auch eine Vaterfigur für mich.“
Schlappner tat alles, um das Beste aus einem Spieler herauszuholen und kritisierte immer, wenn er der Meinung war, dass ein Spieler selbst nicht alles tat, um sein Potenzial abzurufen. Vom Trainingsfleiß Jürgen Kohlers schwärmt er heute noch, während Karl-Heinz Bührer manchmal augenzwinkernd Vorwürfe gemacht bekommt. „Der Kalle war in Super Fußballer, awwa er hot sisch nädd queelo wolle. Der hett viel mehr erreische kenne.“

Neben dem Aufstieg in die Bundesliga konnte Klaus Schlappner mit dem SV Waldhof aber auch spektakuläre Erfolge gegen scheinbar übermächtige Gegner feiern. Unvergessen ist sicherlich der 2:1-Sieg beim FC Bayern München, am 6. Oktober 1984. Vor dem Spiel hatte sich Bayern-Trainer Udo Lattek im Gespräch mit seinem Waldhöfer Kollegen noch gutgelaunt Schlappners Pepita-Hut aufgesetzt, nach dem Spiel stülpte sich Schlappi eine Bayern-Mütze über sein Markenzeichen.

Nur Rudi Völler hatte keinen Respekt vor dem guten Stück. Als der ehemalige DFB-Teamchef, damals Spieler von Werder Bremen, im September 1985, nach einem 2:2-Unentschieden so gefrustet war, dass er Dickgießer übel foulte, wollte Schlappner den aufbrausenden Bremer beruhigen. Völler unterstellte Dickgießer zu simulieren und Schlappner forderte Völler auf, sich selbst davon zu überzeugen, dass Dickgießer tatsächlich verletzt sei. Daraufhin riss „Rudi“ den Pepita-Hut von Schlappners Kopf und warf ihn weg. Doch auch diese Entgleisung nahm Schlappi mit Humor und nahm Völlers Entschuldigung an.

1987 verließ Klaus Schlappner den SV Waldhof und ging zum SV Darmstadt 98. Ein Jahr später kam es zum Wiedersehen - in der Relegation. Darmstadt hatte die Zweitliga-Saison auf Platz 3 abgeschlossen, der SV Waldhof war unter Trainer Felix Latzke Drittletzter der Bundesliga. Nach jeweils einem Heimsieg musste ein drittes Spiel entscheiden, wer in der kommenden Saison erstklassig spielen würde. Noch heute denkt Klaus Schlappner mit Schmerzen an das dramatische Elfmeterschießen, in Saarbrücken zurück, in dem sich der Waldhof – seine ehemalige Mannschaft - den Klassenerhalt sicherte. Auch dieses Ereignis gehört zur gemeinsamen Geschichte es des SV Waldhof und Klaus Schlappner. Nach Stationen beim 1.FC Saarbrücken und dem FC Carl Zeiss Jena ging Schlappi 1992, gewissermaßen als Fußball-Entwicklungshelfer, nach China, wo er die Nationalmannschaft trainierte und seine Popularität ins nahezu Unermessliche stieg. Sogar eine Biersorte wurde unter seinem Namen im Reich der Mitte auf den Markt gebracht.

1996 kehrte er noch einmal für ein kurzes, allerdings wenig erfolgreiches, Gastspiel zum SV Waldhof zurück. Im Jahr 2000 übernahm der leidenschaftliche Trainer den iranischen Club Paykan Teheran und machte sich im Iran für die Einführung einer Profiliga stark. Die Mongolei war eine weitere Station von Schlappners Tour durch Asien.

Das heutige Geburtstagskind kann auf eine bewegte und überaus erfolgreiche Karriere zurückblicken. Der im April 2008 verliehene Titel eines Ehrenprofessors der Sportschule in Shijiazhuang zeugt von der nachhaltigen Popularität Klaus Schlappners in China, genau wie die zahlreichen Interview-Anfragen die in der Metropolregion bis zum heutigen Tag an ihn gerichtet werden.

Die stetige Kommerzialisierung des Fußballs stößt ihm gewaltig auf, ebenso die in schwindelnde Höhen steigenden Gehälter und Ablösesummen. „Der beste Transfer ist der aus dem eigenen Nachwuchs“, war seine Überzeugung. Er hat gezeigt, dass es so ist. Seine Aufstiegsmannschaft aus dem Jahr 1983 entwickelte er aus dem Team, das drei Jahre zuvor unter Kurt Kobberger Deutscher A-Jugend-Meister geworden war. „Mit Erfolg gegen den Strom“, hieß passenderweise seine Autobiografie, die im Mai 1987 veröffentlicht wurde.

Alles Gute Klaus Schlappner zum 80. Geburtstag, auf dass das Geburtstagkind noch viele Jahre so lebhaft, streitbar, ursprünglich und authentisch bleibt und weiterhin immer mal wieder gegen den Strom schwimmt.

Gerhard Mertin

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