
SV Waldhof holt sich mit einem 3:0-Sieg den badischen Pokal
(GM) Die große Sensation blieb aus. Im diesjährigen Finale des bfv-Pokals schlug der SV Waldhof den Stadtrivalen VfR Mannheim mit 3:0, in einem Spiel, in dem sich der Oberligist keinesfalls versteckte und dem höherklassigen Gegner mit einem beherzten Auftritt Paroli bot, aber dennoch den Waldhof nie ernsthaft gefährden konnte. Durch den Waldhöfer Führungstreffer von Terrence Boyd, in der 18. Minute, wurde die Aufgabe für die Rasenspieler noch schwieriger, auch wenn bis zur Pause kein weiterer Treffer fiel.
Nach dem 0:2 durch Lovis Bierschenk, in der 70. Minute, war die Partie im Grunde entschieden, das 0:3 durch Julian Rieckmann machte das Ergebnis deutlicher, als es dem eigentlichen Spielverlauf entsprach.
Auch wenn der VfR, laut Endspielpaarung, „Heimrecht“ im Carl-Benz-Stadion hatte, machten die Fans des SV Waldhof schon vor Beginn klar, wer Herr im Haus war. Die wieder einmal beeindruckende Choreografie tauchte die OST in beherrschendes Blau-Schwarz und das über die gesamte Breite gespannte Transparent verkündete, dass es für die Fans nur einen Verein in Mannheim gibt.
Der VfR ließ sich davon jedoch kaum beeindrucken, sondern versuchte sofort nach vorne zu spielen und war auch in Zweikämpfen nicht zimperlich. Aber die erste Torannäherung gehörte dem Waldhof. Abifades Versuch aus der Distanz wehrte VfR-Torhüter Nreca-Bisinger aber zur Ecke ab; die führte zu einer Kopfballchance durch Boyd, der den Ball aber knapp am langen Pfosten vorbei, ins Aus setzte.
Trotz sommerlicher Temperaturen hatte das Spiel in der Anfangsphase viel Tempo und in der 17. Minute musste auch Waldhof-Torhüter Nijhuis zum ersten Mal ernsthaft zugreifen, beim Schuss von Paraschiv. Aus dem Abwurf des Torhüters entwickelte sich dann die Führung für den Waldhof. Lovis Bierschenk passte von der rechten Seite in die Mitte, zum an der Strafraumgrenze lauernden Boyd. Der drehte sich in typischer Manier um die eigene Achse und zirkelt den Ball sehenswert und unhaltbar zum 0:1 ins Dreieck (18.). Sein schönstes Tor der Saison hatte sich der Waldhof-Torjäger tatsächlich für das Pokalfinale aufgespart.
Der Treffer zeigte bei den VfR-Akteuren durchaus Wirkung. Gegen den Drittligisten einem Rückstand hinterher zu laufen, noch dazu bei hohen Temperaturen, würde die Aufgabe nicht einfacher machen. Unverständlicherweise nutzte der Waldhof dies nicht aus. Statt auf einen zweiten Treffer zu drängen, und möglicherweise bereits eine Vorentscheidung herbeizuführen, schaltete der Waldhof eher auf Verwaltung der knappen Führung. Somit blieb der VfR im Spiel, beeindruckte auch mit einer guten Spielanlage, aber vor dem Waldhöfer Strafraum entstand kaum echte Torgefahr. Die blau-schwarze Abwehr um den rechtzeitig fit gewordenen Lukas Klünter, war meistens Herr der Lage. Boyds Tor blieb der einzige Treffer in der ersten Halbzeit.
Der zweite Spielabschnitt begann in etwa so, wie der erste endete; das Geschehen spielte sich vorwiegend im Mittelfeld ab, Torraumszenen ergaben sich nur sporadisch. Beim Waldhof kam in der 56. Minute Ferati für Thill ins Spiel und der VfR wechselte zum ersten Mal in der 69. Minute, Seifert kam für Paraschiv. Kaum war dieser Wechsel vollzogen, schlug der Waldhof zum zweiten Mal zu. Thalhammer spielte sich auf der rechten Seite durch, bedient Bierschenk, der den Ball annimmt, sofort wuchtig abzieht und Nreca-Bisinger zum zweiten Mal überwindet. Die OST feiert das 0:2 frenetisch, die Fans wissen, das war mehr als eine Vorentscheidung.
Trotzdem bewies der VfR Moral, gab nicht auf und versuchte trotz nachlassender Kräfte das Ergebnis zu verbessern. Aber in gefährliche Abschlusspositionen kamen die Rasenspieler kaum. In der 84. Minute war die Partie dann endgültig entschieden. Terrence Boyd, nach dem Spiel völlig zu Recht zum „Man oft he Match“ gewählt, schickte mit einem präzisen Pass den eingewechselten Rieckmann auf die Reise, der alleine auf Nreca-Bisingen zulief, beim ersten Versuch zwar noch am VfR-Schlussmann scheiterte, aber den Abpraller dann mühelos im leeren Tor unterbrachte.
Die restlichen Spielminuten verliefen, bis auf beiderseitige Einwechselungen, eher ereignisarm und dann pfiff Schiedsrichter Niklas Diehm das Finale ab. Jubel im Carl-Benz-Stadion und verdienter Applaus für beide Mannschaften. Die Teams bedankten sich bei ihren Fans für die Unterstützung und vor der OST ließen sich die Waldhöfer in speziell bedruckten T-Shirts feiern.
Nicht nur für den Sieger, sondern auch für den Zweitplatzierten lohnt sich die Finalteilnahme finanziell. Der VfR wird auf jeden Fall eine fünfstellige Summe erhalten, die dadurch zustande kommt, dass sich laut bfv, „die Mannschaften im Rothaus-Pokal verpflichtet haben, im Falle des Sieges, 25% der Prämie als Solidaritätssumme an andere Vereine im Wettbewerb abzutreten. Diese Summe wird komplett nach dem festgelegten Schlüssel verteilt: der Finalverlierer erhält 40% (2025 waren das ca. 22.000 Euro), die unterlegenen Halbfinalisten 10%, die unterlegenen Viertelfinalisten 5 % und die im Achtelfinale ausgeschiedenen Mannschaften 2,5%“.
Der SV Waldhof, als Sieger des Landespokalfinales, ist für die 1. DFB-Pokal-Hauptrunde qualifiziert und darf sich über ein Heimspiel gegen einen Verein aus der 1. oder 2. Bundesliga freuen.
bfv-Pokalfinale VfR Mannheim – SV Waldhof 0:3 (0:1)
Waldhof: Nijhuis - Ba (85. Yigit), Klünter, Ogbemudia, Abifade (74. Sechelmann), Thalhammer, Sietan (74. Rieckmann), Bierschenk, Thill (56. Ferati), Michel (80. Muteba), Boyd
VfR: Nreca-Bisinger – Akoto, Kuhn, Sentürk, Stellwagen (88. Becker), Krüger (81. Veselaj), Marx, Paraschiv (69. Seifert) – Esswein, Berko (75. Thum), Pander (88. Kadner)
Tore: 1:0 Boyd (18.), 2:0 Bierschenk (70.), 3:0 Rieckmann (84.); Schiedsrichter: Niklas Diehm;Zuschauer: 16.951