UPDATE Mannheim

Sicherheitskonzept geht auf – massive Ausschreitungen überschatten Pokalderby

Fussball Von Lothar Binder 3 Min. Lesezeit

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Mit klaren Worten hat Mannheims Oberbürgermeister Christians Specht gestern die Randale beim Pokalspiel des SV Waldhof gegen den 1. FC Kaiserslautern verurteilt. Gleichzeitig lobt er das funktionierende Sicherheitskonzept der Ordnungskräfte. "Da sind eindeutig Grenzen überschritten worden, die mit sportlichem Wettkampf nichts zu tun haben", so der CDU-Kommunalpolitiker. Alle am Freitagsabend getroffenen Entscheidungen von Polizei, Stadt und Vereinsvertretern seien "situativ angepasst" und richtig gewesen. Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel geht noch weiter und bezeichnet "diese Typen, die Fußball für Gewaltexzesse missbrauchen" als Kriminelle.

Als nach einem Sonntagsschuss der "Roten Teufel" um 21.13 Uhr die Pokalträume des SV Waldhof endgültig platzen, haben sich die Polizeibeamten in voller Einsatzmontur bereits wieder um das Carl-Benz-Stadion generalstabsmäßig in Stellung gebracht. Ihre Aufgabe: die so genannte 3. Halbzeit der seit Jahrzehnten verfeindeten Lager zu verhindern. Mit zwei Wasserwerfern und mehreren Mannschaftswagen blockieren sie die einzige Kreuzung, an der Hooligans auf ihrem Heimweg aufeinander treffen können. Die Polizeitaktik, die Menschenmassen blockweise abzufertigen, geht nicht zuletzt dank einer Drohne, die mit Blaulicht am Himmel kreist, fast geräuschlos auf.

Im nächtlichen Dauerregen an der Theodor-Heuss-Anlage bleibt es dann bei den üblichen verbalen Entgleisungen. Die Ordnungskräfte selbst bewahren stoisch Ruhe und sorgen so planmäßig für Deeskalation, obwohl auch sie es sind, die von beiden Seiten übel beschimpft werden.

Das Polizeipräsidium Mannheim hatte die Einheiten eigener Aussage zufolge akribisch auf das brisanteste Hochrisikospiel dieser Saison vorbereitet. Und die Zeit vor dem Anstoß verläuft dann auch überwiegend störungsfrei. Lediglich vereinzelte gegenseitige Provokationen sowie das Zünden von Böllern werden beim Anmarsch der Pfälzer Gäste vermerkt. Körperliche Auseinandersetzungen können durch die konsequente Trennung deren die "Waldhof verrecke" und derer, die "Tod den Lauternschweinen" auf den T-Shirts trugen, verhindert werden. Auch Marsch von etwa 2000 Anhängern des 1. FC Kaiserslautern vom Bahnhof Ludwigshafen-Mitte zum Hauptbahnhof-Mannheim geht friedlich über die Bühne.

Erst als sich die Stadionränge langsam füllen, wird es brenzlig. Vom Anstoß um 18 Uhr bis Ende der Begegnung über drei Stunden später knallen Böller und stinkende Rauschwaden hängen unter den Dächern der Tribünen. Nach einer Rudelbildung der Spieler eskaliert die Lage auf dem Rasen und auf den Trainerbänken völlig. Massive Pyrotechnik wird von vermummten Gestalten unter den 3500 Gästen im FCK-Block auf den Rasen und in die Zuschauerränge des „Buwe“-Anhangs geschossen. Ein Platzsturm von der Otto-Siffling-Tribüne wird nur durch massives Polizeiaufgebot und mit Hilfe der Reiterstaffel verhindert.

Die Bilanz von Gewalttätigkeit und Konfrontation: Bei diesem Einsatz werden nach derzeitigem Stand 33 Beamte der Bundespolizei sowie zwei Polizeibeamte des Landes leicht verletzt. Ermittlungen wegen Beleidigungen, verschiedener Körperverletzungsdelikte, Sachbeschädigungen, Landfriedensbruchs, tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte sowie Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz laufen. Nach Polizeiangaben sind „mehrere Fußballfans“ vorläufig festgenommen worden. Insgesamt müssen 85 Personen medizinisch betreut werden, acht von ihnen werden zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Zur beweissicheren Dokumentation der Ausschreitungen sind Videos im Zusammenhang mit dem Einsatz von Pyrotechnik und dem Zünden von Feuerwerkskörpern aufgenommen. Wie viele Straftaten und Ordnungswidrigkeiten in diesem Match tatsächlich geahndet werden müssen, untersucht das Polizeipräsidium noch in dieser Woche.

Sowohl vor der Begegnung als auch nach Abpfiff bleibt aufgrund von geplanten, kurzzeitigen Sperrungen das befürchtete Verkehrschaos aus. Auch die Straßenbahnen und die Busse, die FCK-Fans zu Bahnhof bringen, rollen mit nur wenig Verzögerung in Richtung Zielort. Nach dem Skandalspiel zieht Polizeidirektor Michael Reichert, Gesamteinsatzleiter des Polizeipräsidiums Mannheim, ein positives Fazit: "Die intensive Vorbereitung aller beteiligten Institutionen und die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten zahlte sich aus. Unser taktisches Konzept ging voll auf". Insgesamt kommen rund 1400 Polizeibeamtinnen und -beamte zum Einsatz. Während des Skandalspiels waren neben den Kräften des Polizeipräsidiums Mannheim auch Ordnungshüter aus Rheinland-Pfalz, Bayern und der Bundespolizei in die Gewaltprävention eingebunden.

gol

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