Heidelberg
Fahrradparkhaus an der Kurfürsten-Anlage am HBF nimmt Formen an

Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck besichtigt Neubau bei seiner Sommertour
Aus der Nähe ist es imposant anzusehen: Direkt am Heidelberger Hauptbahnhof (HBF) entsteht ein neues, unterirdisches Fahrradparkhaus mit 730 Stellplätzen. Die Bauarbeiten finden an zentraler Stelle statt, doch bekommen die meisten, die täglich den Fern- oder Nahverkehr nutzen, kaum etwas davon mit, denn ein großer Teil des Bauwerks wird unter der Erde realisiert. Dort entsteht ein Bauwerk, das künftig wesentlich dazu beitragen soll, den Bahnhofsvorplatz vom Radverkehr zu entlasten und den Bereich rund um den Hauptbahnhof neu zu ordnen.
Seit dem Sommer 2025 baut das Hochbauamt der Stadt Heidelberg das unterirdische Fahrradparkhaus am HBF-Eingang an der Kurfürsten-Anlage. Das Baufeld liegt zwischen dem Bahnhofsgebäude und dem InterCity-Hotel. Die Eröffnung ist für Anfang 2027 geplant. Für den Bau erhält die Stadt Heidelberg 6,8 Millionen vom Verkehrsministerium des Landes Baden-Württemberg. Dieses trägt rund 75 Prozent der Baukosten in Höhe von 9,4 Millionen Euro.
„Mit dem Neubau des modernen Fahrradparkhauses im Bahnhofsumfeld setzen wir ein klares Zeichen für nachhaltige Mobilität. Zugleich schaffen wir auf der Ebene des Bahnhofsvorplatzes mit dem Stadtbalkon eine neue Fläche zur mehrfachen Nutzung. Mit dem Neubau, den wir dank der Landesförderung überhaupt erst ermöglichen können, gibt es künftig zu beiden Seiten des Hauptbahnhofs insgesamt rund 2.400 Stellplätze für Fahrräder“, sagt Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck, der am Mittwoch, 20. August 2026, die Baustelle besuchte.
Direkter Zugang zum Gleis 1
Das neue Fahrradparkhaus mit 730 Stellplätzen ist künftig über eine spiralförmige Rampe zu erreichen und bietet einen direkten Zugang zum Gleis 1 des Hauptbahnhofs. Neben der Rampe befindet sich eine gewendelte Treppe für alle, die ihr Rad abholen. Filigrane V-förmige Stützen tragen eine leichte Überdachung. Die Zufahrt ist vor allem für all diejenigen einfach und schnell, die den HBF aus Richtung Norden und dem Neckartal anfahren.
Zum Parken stehen unterirdisch vielfältige Systeme zur Verfügung: 638 Doppelstockparker, 51 Abstellbügel, davon 24 mit Lademöglichkeit, 27 Lastenradplätze, 12 Doppelstockboxen sowie drei spezielle Handbike-Stellplätze direkt am Eingang auf der Platzfläche. Gespräche mit dem künftigen Betreiber des Fahrradparkhauses laufen derzeit.
Rohbau soll im Dezember 2026 fertig sein
Seit Januar 2026 wird auf dem rund 40 mal 55 Meter großen Baufeld gearbeitet. Zunächst wurden mit einem 65 Tonnen schweren Bohrgerät zahlreiche Bohrpfähle tief in den Boden eingebracht. Sie sichern die Baugrube und bilden zugleich die Grundlage für das spätere Bauwerk. Anschließend wurde die Baugrube Schritt für Schritt ausgehoben. Rund 4.600 Kubikmeter Erde wurden dabei abtransportiert – das sind rund 380 beladene Lastwagen.
Jetzt geht es sichtbar voran: Ab August entsteht in der rund neun Meter tiefen Baugrube das eigentliche Fahrradparkhaus. Zunächst werden die Fundamente und die rund 1.200 Quadratmeter große Bodenplatte hergestellt. Danach werden die Außen- und Innenwände aufgestellt. Große vorgefertigte Wandelemente werden dafür mit einem Baukran in die Grube gehoben und miteinander verbunden. Der Rohbau soll im Dezember 2026 fertig sein.
Im Anschluss beginnt der Innenausbau. Dann werden unter anderem die Fahrradparksysteme, die Beleuchtung und die weitere technische Ausstattung eingebaut. Die runden Stützen und die markante Fahrradrampe werden direkt vor Ort aus Beton gefertigt. Auf der Seite zum Bahnsteig erhält das Gebäude später eine Klinkerfassade, die gestalterisch an die benachbarten Hotels InterCity und Adagio anknüpft. Anfang 2027 soll das Fahrradparkhaus für die ersten Radfahrenden geöffnet werden.
Bahnhofsvorplatz maximal ausgelastet
Viele Pendelnde nutzten täglich den zentralen Abstellplatz direkt vor dem Bahnhofsgebäude, der mit rund 1.400 Abstellflächen seine volle Auslastung erreicht hatte. Mit dem Neubau des Fahrradparkhauses soll die Vielzahl an Fahrrädern am zentralen Bahnhofsvorplatz in geordnete Bahnen geleitet werden. Gleichzeitig schafft das neue Parkhaus die Voraussetzung dafür, dass der Bahnhofsvorplatz schrittweise umgestaltet werden kann.
Am Hauptbahnhof hin zur Bahnstadt gibt es unter dem Europaplatz bereits ein Fahrradparkhaus mit rund 1.100 öffentlichen und rund 500 privaten Stellplätzen, gebaut von der Gustav Zech Management GmbH, die auch die Gebäude am Europaplatz entwickelt hat. Dieses kann aufgrund der HBF-Sanierung und dem Wegfall der Radstellplätze am Haupteingang vorübergehend kostenfrei genutzt werden. Mit den im Bau befindlichen 730 Stellplätzen erhält Heidelberg insgesamt 2.400 Stellplätze rund um den HBF. Das ist nötig, da der Bedarf an Fahrradstellplätzen in Zukunft weiter ansteigen wird, wie Prognosen vorhersagen.
Nach HBF-Sanierung: Neuer Platz wird gestaltet
Über dem Parkhaus wird künftig ein neuer Platz, ein sogenannter Stadtbalkon, angelegt, der den Ausblick auf die Bahngleise und den gegenüberliegenden Europaplatz in der Bahnstadt ermöglicht. Gleichzeitig bildet er die Anliefer- und Versorgungszone des neuen Bahnhofsgebäudes. Der Platz kann allerdings erst angegangen werden, wenn die HBF-Sanierung, deren Hauptarbeiten im Herbst 2026 starten sollen, im Jahr 2031 beendet ist.
Das Fahrradparkhaus und der neue Platz ergänzen die weitere Entwicklung des Bahnhofsumfeldes. Auf der gegenüberliegenden Seite ist mit dem Europaplatz bereits ein neuer Stadtraum entstanden. Die Sanierung des Bahnhofsgebäudes steht in den Startlöchern. Schritt für Schritt wird so aus dem bisherigen Bahnhofsumfeld ein neu geordnetes Entree in die Stadt.
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