BREGENZER FESTSPIELE: „La Traviata“, Verdis beeindruckende Oper begeistert noch bis 23.08.2026
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BREGENZER FESTSPIELE: „La Traviata“, Verdis beeindruckende Oper begeistert noch bis 23.08.2026

 

Am 22. Juli 2026 begann mit Giuseppe Verdis Oper „La Traviata“ das Spiel auf dem See der Bregenzer Festspiele vor annähernd 7000 Zuschauern, die auch schon viel Zwischenapplaus gaben. Die größte Seebühne der Welt zeigt in dieser Saison erstmalig in der 80-jährigen Geschichte der Festspiele die sehenswerte und kurzweilig inszenierte Oper über die tragische Geschichte der Pariser Kurtisane Violetta Valéry.

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Blick auf die Kulisse der Bregenzer Seebühne, bevor Verdis Oper „La Traviata“ beginnt.

Über dem Bodensee, dessen Wasser nach dem Sonnenuntergang am Abend tiefblau schimmert und vor der Vorarlberger und Schweizer Bergkulisse unter freiem Himmel gibt es eine besondere Festspielatmosphäre. Dort öffnet sich der Raum für große Emotionen, für das sensible Portrait über gesellschaftliche Kälte in einer glamourösen Welt, das schleichende Sterben Violettas, aber auch für Liebe.

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Die Künstler beim Schlussapplaus und ganz vorne Marjukka Tepponen, die finnische Sopranistin, die die Rolle der Violetta Valéry übernahm.

Vor dem spektakulären Bühnenbild von Paolo Fantin, einem riesigen Spiegel, und der Handlung verlegt in die Zeit der 1920er Jahre, belebt durch die Kostüme von Carla Teti, entfaltet sich das musikalische und visuelle Monumentalereignis mit hervorragenden Solisten, Chören und Tänzern unter der Regie von Damiano Michieletto und dem grandiosen Orchesterklang, der mit viel musikalischen Finesse agierenden Wiener Symphoniker unter Dirigent Kirill Karabits, die das Geschehen vom mitreißenden Trinklied „Libiamo ne`lieti calici“ („Brindisi“) und weiteren unvergesslichen emotionalen Melodien bis hin zu den letzten Minuten im Leben der schwindenen Violetta aufs Beste begleiten, war der Premierenabend ein beeindruckendes Gesamterlebnis, an das man sich gerne zurückerinnert.

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Die finnische Sopranistin Marjukka Tepponen brillierte in der Rolle der Violetta.

Die 1853 entstandene Oper „La Traviata“, was wörtlich übersetzt „Die vom Weg Abgekommene“ bedeutet, ist eines der bewegendsten Werke und wurde im Theatre La Fenice in Venedig uraufgeführt. Die heute so beliebte Oper nach dem Libretto von Francesco Maria Piave war bei der Uraufführung ein Fiasko und ein Skandal, enthüllte sie doch die Doppelmoral der damaligen Zeit. Die ergreifend schöne Komposition wurde erst später erfolgreich. Verdi schuf sein Melodramma in drei Akten nach dem 1848 von Alexandre Dumas (dem Jüngeren) verfassten Roman „Die Kameliendame“.

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Chor und Solisten beim verdienten Schlussapplaus.

Der italienische Regisseur Damiano Michieletto zeichnete für die Neuinszenierung der „La Traviata“ bei den Bregenzer Festpielen verantwortlich. Im Zentrum der Inszenierung steht ein überdimensional großer zerbrochener Spiegel, der für Michieletto eine Metapher für Violetta Valéry ist, einer Frau, deren Verletzlichkeit hinter der glamourösen Fassade nur von wenigen erkannt wird, die die Bewunderung der Gesellschaft auf sich zieht und gleichzeitig an ihr zerbricht. Der Spiegel ragt 28 Meter hoch über der Bühne auf, umfasst 86 Scherbenteile, von denen viele beweglich sind, und misst 700 m², Violettas Zerfall, innerlich wie äußerlich, wird hier greifbar. Die Handlung wird in das mondäne Leben der 1920er Jahre in Paris verlegt. Paolo Fantin entwarf das prägende Bühnenbild. Ergänzt wird es um einen 1.400 m² großen Infinity-Pool, der die Akteure nahe an die Zuschauer herankommen lässt. Die von Carla Teti kreierten, opulenten Kostüme, die die Roaring Zwenties bei Partyszenen mit Pailletten und Federschmuck, aber auch Badeanzügen aufleben lassen, kommen sowohl auf der Bühne als auch im Pool sehr schön zur Geltung. Verantwortlich für das Licht war Alessandro Carletti, die Choreographie stammt von Thomas Wilhelm und die Videoeinspielungen von Roland Horvath.

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v.l.: Roland Horvath (Video), Carla Teti (Kostüme), Lilli Paasikivi, Intendantin der Bregenzer Festspiele, Paolo Fantin (Bühne), Damiano Michieletto (Inszenierung) und Hans-Peter Metzler, Präsident der Bregenzer Festspiele und Vorsitzender des Stiftungsvorstands.

Die Wiener Symphoniker (Chefdirigent Petr Popelka) erweisen sich einmal mehr als verlässliches Herzstück der Bregenzer Festspiele. Mit dem ukrainischen Dirigenten Kirill Karabits (Pietro Rizzo) am Pult, der sie sowie den Bregenzer Festspielchor (Künstlerischer Leiter Benjamin Lack) und den Prager Philharmonischen Chor (Künstlerischer Leiter Lukáš Kozubík) präzise durch Verdis vielschichtige Partitur führt, meistern sie ihre Aufgabe bravourös. Ihnen gelingt das Kunststück, das Drama hochgradig differenziert klingen zu lassen und dabei eine dynamische Spannweite zu entfalten, die mühelos zwischen rauschhaftem Exzess, kraftvoll und mit packendem Verve und fast hingehauchter erschütternd zarter Melodie changiert.

Die überragende finnische Sopranistin Marjukka Tepponen in der Rolle der Violetta verleiht der Hautfigur stimmgewaltig, stilsicher, mit makelloser Höhe und virtuosen Koloraturen und auch als todkranke Sterbende eine faszinierende Mischung aus glamouröser Unnahbarkeit und verletzlicher Menschlichkeit. Es sind nur wenige Charaktere, die dieses Stück tragen, Verdis Meisterstück ist weitgehend ein Kammerspiel. Neben der an Tuberkulose erkrankten, gefallenen und fallen gelassenen Violetta sind es der junge Alfredo Germont, der sein Leben mit ihr verbringen will, verkörpert vom geschmeidigen Tenor Julien Behr, dessen Vater Giorgio Germont aber versucht, die Verbindung der Liebenden zu beenden, um den gesellschaftlichen Ruf der Familie wieder herzustellen. Diese Rolle übernahm am Premierenabend voller Noblesse der Bariton Vladimir Stoyanov, der das Glück des einen Kindes und Violettas für das des anderen opfern will, im Lauf der Zeit fast schon empathisch wirkend. Angela Simkin als Violettas Freundin Flora Bervoix hieß die Ballgesellschaft mit ihrem warmen Mezzosopran willkommen. Die Annina gibt eine wohlwollend und voller Energie singende Melissa Zgouridi.

In weiteren Rollen waren Francisco Brito (Gastone), Michel C. Havlicek (Barone Douphol), Janne Sihvo (Marchese d`Obigny), Stanislas Vorobyov (Dottore Grenvil) und Aaaron Godfrey-Mayes (Giuseppe) zu sehen.

Eine der großen Stärken der Bregenzer Festspiele ist, dass wo auch immer in der Bühnenlandschaft gesungen wird, die ausgefeilte Technik mit dem weitgehend im Verborgenen befindlichen Bregenzer Surround System auch das angenehme Bregenzer Richtungshören möglich ist, das alle Sitzplätze gut erreicht, so dass auch ganz intime, emotionale Szenen direkt und als wären sie ganz nah, in allerbester Klangqualität erlebbar sind. Verantwortlich für den Ton ist Alwin Bänsch.

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Das Kreativ-Team: Damiano Michieletto (Inszenierung) (1.v.l.), Carla Teti (Kostüme) (2.v.r.), Paolo Fantin (Bühne) (1.v.r.)

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Lilli Paasikivi (1.v.li.), Intendantin der Bregenzer Festspiele – für sie gibt es zum Geburtstag eine Torte und ihr wird ein „Happy Birthday“ gesungen und auch Hans-Peter Metzler (1.v.re.), Präsident der Bregenzer Festspiele und Vorsitzender des Stiftungsvorstands freut sich mit ihr.

Ganzjährig ist bei der Bregenzer Seebühne, die direkt an der Seepromenade liegt, die Zuschauertribüne und auch der Bereich vor der Seebühne zugänglich, wenn nicht gerade gebaut, geprobt oder eine Aufführung vorbereitet wird.

Über die gestalterische Kraft der Oper, die man als Besucher erleben kann hinaus, kann man bei einer Führung aus nächster Nähe sehen, welche technischen und logistischen Meisterleistungen dem Auge sonst verborgen bleiben.

Nicht nur die Premiere war ausverkauft, auch die Karten für alle 28 Vorstellungen im Sommer 2026 sind bereits vergeben, vereinzelt werden aber Karten zurückgeben, die wieder über den Online-Shop erhältlich sein könnten.

Gespielt wird rund zwei Stunden ohne Pause. Gesungen wird in italienischer Sprache mit deutschen und englischen Untertiteln. Abgesehen von den spielfreien Montagen finden die Aufführungen täglich statt bis zum Sonntag, 23.08.2026. Der Kartenverkauf für die Spielzeit 2027 startet am diesjährigen letzten Spieltag, am Sonntag, 23. August 2026.

www.bregenzerfestspiele.com

Text und Foto: Diana Rasch

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