Mannheim
Mitten in der Natur: Der Naturkindergarten Löwenzahn startet in der Gartenstadt

Zwei hölzerne Bauwagen, der Wald unmittelbar gegenüber und viel Raum, um die Natur mit allen Sinnen zu entdecken: In der Karlsternstraße 60 entsteht mit dem Naturkindergarten Löwenzahn ein besonderer Ort für Kinder. Am 15. September geht es los.
Noch ist es ruhig auf dem Gelände gegenüber dem Wald. Doch schon bald soll hier Kinderlachen zu hören sein. Wo heute zwei große, vollständig aus Holz gefertigte Bauwagen stehen, werden künftig bis zu 40 Kinder einen Kindergartenalltag erleben, bei dem die Natur nicht nur gelegentliches Ausflugsziel, sondern täglicher Lebens- und Erfahrungsraum ist.
Der Naturkindergarten Löwenzahn ist ein Projekt des AWO Kreisverband Mannheim e.V. Stefanie Reuter, verantwortlich für den Geschäftsbereich Kindertagesstätten, und Herr Manz haben die Entwicklung des Projekts über eine lange Zeit begleitet. Die Idee klingt zunächst einfach: Kindern wieder mehr unmittelbare Erfahrungen mit Wald, Pflanzen, Jahreszeiten und Wetter zu ermöglichen. Bis daraus Wirklichkeit werden konnte, waren allerdings viel Geduld und Beharrlichkeit erforderlich.
Der Wald direkt gegenüber ist der zentrale Bezugspunkt des pädagogischen Konzepts. Die Kinder sollen draußen entdecken, beobachten und begreifen. Bäume kennenlernen, Pflanzen wachsen sehen, vielleicht eigene Tomaten ernten und erfahren, wie sich Natur im Wechsel der Jahreszeiten verändert. Naturpädagogik wird hier nicht theoretisch vermittelt – sie wird gelebt.
Zwei Gruppen mit jeweils 20 Kindern
Geplant sind zwei Gruppen mit jeweils 20 Kindern. Die erste Gruppe soll am 15. September ihren Betrieb aufnehmen. Für Eltern besonders interessant: Nach Angaben der Verantwortlichen sind noch einzelne Plätze verfügbar. Auch für die zweite Gruppe werden noch pädagogische Fachkräfte gesucht.
Dabei ist der Begriff Naturkindergarten keineswegs gleichbedeutend mit Verzicht auf Komfort. Die Verantwortlichen sprechen mit einem Augenzwinkern von einer Art „Naturkita light“. Strom und fließendes Wasser sind vorhanden, die Bauwagen können beheizt werden, hinzu kommen erschlossene Toiletten. Bei großer Hitze oder ausgesprochen unangenehmer Witterung bieten die Wagen einen geschützten Rückzugsort.
Rund 410.000 Euro investiert
Auch finanziell ist das Projekt eine beachtliche Investition in die Kinderbetreuung. Die vom AWO Kreisverband Mannheim e.V. geleisteten Investitionskosten belaufen sich auf rund 410.000 Euro. Bei zwei Gruppen beträgt die maximale Fördersumme der Stadt Mannheim 225.000 Euro.
Hinter den Zahlen steht eine langfristige Entscheidung: Es wurde nicht nur in zwei Bauwagen investiert, sondern in die notwendige Infrastruktur und damit in einen dauerhaft nutzbaren pädagogischen Standort unmittelbar am Wald.
Ein langer Weg bis zum Ziel
Rund zweieinhalb Jahre liegen zwischen den ersten Überlegungen und dem bevorstehenden Start. Ursprünglich war ein anderes Grundstück in der Nähe vorgesehen. Kurz vor der Umsetzung stellte sich jedoch heraus, dass dessen Boden belastet war und eine Nutzung als Naturkindergarten aus gesundheitlichen Gründen nicht infrage kam. Die Suche begann von Neuem. Schließlich wurde das heutige Grundstück gefunden – doch auch dort mussten zunächst verwaltungsrechtliche Fragen geklärt werden.
Dass das Projekt nun tatsächlich starten kann, ist deshalb für die Beteiligten weit mehr als die Eröffnung einer weiteren Betreuungseinrichtung.
Gerade diese Beharrlichkeit ist dem Projekt anzumerken. Hier sollte nicht einfach eine zusätzliche Kita entstehen, sondern ein Ort, der Kindern Freiraum gibt und zugleich Sicherheit bietet. Ein Kindergarten, in dem schmutzige Schuhe und erdige Hände ausdrücklich dazugehören dürfen. Denn wer Natur entdecken soll, muss sie auch anfassen können.
Teil der Gartenstadt – nicht nur ein Kindergarten am Waldrand
Bemerkenswert ist ein weiterer Gedanke, den Reuter und Manz im Gespräch immer wieder hervorheben: Die neue Einrichtung soll sich nicht hinter ihrem Zaun zurückziehen. Sie möchte Teil der Gartenstadt werden.
Kooperationen mit dem Waldhaus Mannheim und dem Bürgerverein sind vorgesehen. Auch eine Beteiligung am Weihnachtsmarkt der Gartenstadt ist bereits im Gespräch. Die Botschaft dahinter ist klar: Dieser Kindergarten soll keine Insel sein, sondern zur Nachbarschaft gehören.
Entsprechend offen möchten die Verantwortlichen auf die Menschen in der Umgebung zugehen. Natürlich bedeutet ein Kindergarten auch Leben und manchmal eine gewisse Lautstärke. Umso wichtiger sei ein guter, konstruktiver Dialog mit den Nachbarinnen und Nachbarn. Gewünscht wird eine Willkommenskultur, bei der mögliche Fragen oder Herausforderungen miteinander und nicht übereinander besprochen werden.
Vor der Eröffnung einfach vorbeikommen
Wer den Naturkindergarten Löwenzahn bereits vor dem offiziellen Start kennenlernen möchte, erhält dazu ganz unkompliziert Gelegenheit. Bis zur Eröffnung am 15. September bietet die AWO offene Sprechzeiten direkt vor Ort an. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Die offenen Sprechzeiten finden jeweils donnerstags von 14 bis 17 Uhr statt: am 27. August, 3. September und 10. September. Eltern und Interessierte können einfach vorbeikommen, Fragen stellen und sich einen persönlichen Eindruck vom Gelände und dem Konzept verschaffen.
Auch nach dem Start soll diese Offenheit erhalten bleiben. Geplant sind Tage der offenen Tür. Perspektivisch sollen Eltern außerdem die Möglichkeit erhalten, einen halben oder ganzen Tag mitzuerleben und so unmittelbar zu erfahren, wie Naturpädagogik im Alltag und die gemeinsame Zeit mit den Kindern im Wald aussehen.
Noch auf der Suche nach einem Betreuungsplatz?
Für Familien, die derzeit noch einen Betreuungsplatz benötigen, könnte sich eine besondere Gelegenheit ergeben. Weil die endgültige Freigabe für den neuen Standort vergleichsweise kurzfristig erfolgte, konnte die Einrichtung bei der regulären Platzvergabe über das Mannheimer MEKI-System bislang kaum berücksichtigt werden. Eltern können sich deshalb direkt an den Naturkindergarten wenden und erhalten Unterstützung bei den notwendigen weiteren Schritten.
Der monatliche Elternbeitrag beträgt 398,14 Euro. Durch einen Zuschuss der Stadt Mannheim in Höhe von 35 Euro reduziert sich der derzeit zu zahlende Betrag auf 363,14 Euro. Hinzu kommen monatlich 100 Euro für Mittagessen und Nachmittagssnack.
Auch Ehrenamtliche sind willkommen
Das Konzept soll zudem offen für Menschen sein, die sich ehrenamtlich einbringen möchten. Gerade das Zusammenspiel verschiedener Generationen kann für Kinder wertvoll sein – etwa beim Gärtnern, Vorlesen, Werken oder beim gemeinsamen Entdecken der Natur. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind ausdrücklich eingeladen, Kontakt mit der Einrichtung aufzunehmen.
Vielleicht liegt genau darin die besondere Stärke dieses neuen Kindergartens. Es geht nicht allein um Betreuungsplätze. Es geht um Kindheit, um Gemeinschaft und um Erfahrungen, die sich nicht auf einem Bildschirm vermitteln lassen: den Geruch eines Waldes nach einem Regenschauer, ein Blatt, das plötzlich seine Farbe verändert, Erde zwischen den Fingern oder die Freude darüber, wenn aus einem kleinen Samen tatsächlich eine Pflanze wächst.
Wenn ab September die ersten Kinder zwischen Bauwagen und Wald unterwegs sind, wird es auf dem Gelände vermutlich nicht mehr ganz so ruhig und sauber sein wie heute. Und das ist ausdrücklich erwünscht. Denn wie es im Gespräch treffend formuliert wurde: Ein Naturkindergarten darf schmutzig werden. Kinder sollen hier Kinder bleiben dürfen.
Ein Projekt des AWO Kreisverband Mannheim e.V.
Karlsternstraße 60, Mannheim-Gartenstadt
Start: 15. September 2026
Plätze: zwei Gruppen mit jeweils 20 Kindern
Offene Sprechzeiten vor Ort:
Donnerstag, 27. August, 14 bis 17 Uhr
Donnerstag, 3. September, 14 bis 17 Uhr
Donnerstag, 10. September, 14 bis 17 Uhr
Keine Anmeldung erforderlich.
Individuelle Termine und Anfragen:
E-Mail:
Telefon: 0151 / 212 414 48
Elternbeitrag: 398,14 Euro monatlich, abzüglich derzeit 35 Euro Zuschuss der Stadt Mannheim, somit 363,14 Euro. Hinzu kommen 100 Euro für Mittagessen und Nachmittagssnack.
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