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Oktoberfest Mannheim wird volljährig – und startet mit neuem Bier in seine 18. Saison

Mannheim. Es ist ein Geburtstag mit Symbolkraft: Das Mannheimer Oktoberfest geht in seine 18. Saison und wird damit gewissermaßen volljährig. Vom 16. Oktober bis 7. November soll im großen Festzelt wieder gefeiert, geschunkelt und angestoßen werden. Rund 34.000 Gäste werden erwartet. Doch ausgerechnet zum 18. Geburtstag beginnt auch eine neue Ära: Nach der Insolvenz des langjährigen Partners Eichbaum wird erstmals ein anderes Bier ausgeschenkt. Mit Kurpfalzbräu kommt der neue Partner ebenfalls aus der Region.
„Das Oktoberfest erfindet sich neu“, sagt Mannheims Bürgermeister Thorsten Riehle mit Blick auf die kommende Saison. Und er kann sich dabei einen kleinen historischen Seitenhieb in Richtung Bayern nicht verkneifen. Der Überlieferung nach, so Riehle, sei in Mannheim schließlich schon kräftig gefeiert worden, als es die Münchner Wiesn noch gar nicht gab.
Ob Mannheim den Bayern tatsächlich das Oktoberfest gezeigt hat, darüber mögen Historiker streiten. Unbestritten ist dagegen, dass sich das Mannheimer Fest in 18 Jahren einen Namen weit über die Stadtgrenzen hinaus gemacht hat.
Dazu trägt auch das Festzelt bei, das durch seine Rundumsicht eine besondere Atmosphäre bietet. Für Riehle ist dies zugleich eine Chance, den Besuchern zu zeigen, wie schön Mannheim ist. Mit dem inzwischen etablierten Standort habe das Oktoberfest einen festen Platz gefunden, der gut erreichbar sei und sich bewährt habe. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt und insbesondere mit Frau Igel hebt er positiv hervor.
Gerade in unruhigen Zeiten sei ein solches Fest wichtig. „Die Zeiten sind verrückt, die Menschen müssen feiern können“, bringt es Riehle auf den Punkt.
Abschied von Eichbaum fällt schwer
Hinter der Vorfreude liegt allerdings auch Wehmut. Für Oktoberfest-Macher Arno Kiegele war die Suche nach einem neuen Bierpartner alles andere als eine einfache geschäftliche Entscheidung. Die Insolvenz und Schließung von Eichbaum trifft ihn auch persönlich.
„Die Schließung unseres langjährigen Partners Eichbaum schmerzt enorm“, sagt Kiegele. Man habe den Kampf der Brauerei verfolgt und lange gehofft. Am Ende habe jedoch die wirtschaftliche Realität eine Entscheidung verlangt.
Dass damit auch organisatorisch ein großer Einschnitt verbunden ist, zeigt sich hinter den Kulissen. Die gesamte Getränkelogistik muss umgestellt werden, neue Biergläser müssen bestellt und zahlreiche eingespielte Abläufe verändert werden.
Den Zuschlag erhielt schließlich Kurpfalzbräu. Für deren Chef Max Spielmann ist das Mannheimer Oktoberfest keineswegs Neuland. Seit vielen Jahren besucht er das Fest selbst als Gast. Und dabei gab es einen ganz persönlichen Traum: irgendwann einmal beim Mannheimer Oktoberfest auf der Bühne zu stehen und den Fassanstich zu übernehmen.
Nun könnte dieser Wunsch Wirklichkeit werden.
Auch Spielmann bedauert ausdrücklich die Entwicklung bei Eichbaum. Mit deren wirtschaftlichen Schwierigkeiten seien zugleich die Türen für andere, auch internationale Brauereien geöffnet worden. Dass nun mit Kurpfalzbräu erneut ein regionaler Partner zum Zuge kommt, ist deshalb ein bewusstes Signal.
Für das Oktoberfest wurde eigens ein Sondersud gebraut. Spielmann beschreibt das neue Helle als „vollmundig und spritzig“. Wie es beim Publikum ankommt, dürfte zu den besonders spannenden Fragen der 18. Saison gehören.
Aus einem Fest ist eine Familie geworden
Für Kiegele ist das Oktoberfest längst weit mehr als eine Veranstaltung im Kalender. „Das Oktoberfest in Mannheim verbindet. Gäste, Mitarbeiter und wir selbst sind mittlerweile wie eine gute Familie.“
Das ist durchaus wörtlich gemeint. Seine Tochter arbeitet bereits seit 15 Jahren mit und studiert parallel, auch Sohn und Exfrau gehören zum Team. Hinzu kommen zahlreiche langjährige Kellnerinnen und Kellner, Musiker sowie jene Mitarbeiter, die hinter den Kulissen dafür sorgen, dass an jedem Veranstaltungstag Tausende Gäste bewirtet werden können.
Aus dieser Kontinuität ist über die Jahre die „Oktoberfest-Familie“ entstanden.
Dass sich das Konzept etabliert hat, zeigt für Kiegele auch die bundesweite Wahrnehmung. Mannheim werde inzwischen in ganz Deutschland als Standort eines besonders schönen Oktoberfestes erwähnt. Das aufwendig umgebaute Festzelt, der Schallschutz und die Anpassungen an den Standort hätten sich bewährt.
Dabei hatte es durchaus Skeptiker gegeben. Heute, sagt Kiegele, seien diese nicht nur verstummt, sie sind begeistert. Der Umbau des Zeltes, die Standortplanung und die Zusammenarbeit mit verlässlichen Partnern hätten funktioniert.
Und die Nachfrage gibt den Veranstaltern Recht: Noch bevor am kommenden Freitag überhaupt mit dem Zeltaufbau begonnen wird, sind nach Angaben der Veranstalter bereits rund 90 Prozent der verfügbaren Plätze gebucht. Auch der Trachtenverkauf bei Engelhorn läuft bereits auf Hochtouren.
Erst essen, dann auf die Tische
Trotz des Erfolges wollen sich die Veranstalter nicht auf dem Erreichten ausruhen. Kritik und Anregungen der Gäste würden ernst genommen, betont Kiegele. Deshalb gibt es in diesem Jahr einige Veränderungen im Ablauf.
Vor allem der Beginn der Abende soll etwas ruhiger werden. Regionale Musiker sollen zunächst für Stimmung sorgen, ohne dass die große Party sofort auf Hochtouren läuft. Der Grund ist ebenso einfach wie nachvollziehbar: Die Gäste sollen erst einmal in Ruhe essen können.
Denn, so Kiegele sinngemäß, besonders angenehm sei es nicht, wenn man noch sein halbes Hähnchen vor sich habe und am Nebentisch bereits auf den Bänken und Tischen getanzt werde.
Auch der traditionelle Fassanstich wird deshalb nach hinten verschoben. Erst essen, dann Fassanstich – und anschließend darf richtig gefeiert werden.
Rolf Stahlhofen wird das Ensemble auch in diesem Jahr wieder unterstützen. Bis dahin bleibt für das Team allerdings noch reichlich Arbeit.
34.000 Gäste, 60.000 Liter Bier und eine Maß in vier Sekunden
Die Dimensionen hinter dem Fest sind beachtlich. Rund 34.000 Gäste werden während der Saison erwartet, etwa 250 Mitarbeiter sind im Einsatz und rund 60.000 Liter Bier sollen ausgeschenkt werden. Eine Maß kann an den leistungsfähigen Zapfanlagen innerhalb von gerade einmal vier Sekunden gefüllt werden.
Doch Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte.
Denn nach 18 Jahren lebt das Mannheimer Oktoberfest vor allem von seinen Menschen – von Stammgästen, Familien, Kellnern, Musikern und Mitarbeitern, die teilweise seit vielen Jahren dabei sind. Genau darin sieht Kiegele einen wesentlichen Grund für den besonderen Charakter des Festes.
Das Mannheimer Oktoberfest habe sich den Ruf erarbeitet, eines der friedlichsten und gleichzeitig ausgelassensten Oktoberfeste der Republik zu sein.
„Ein Prädikat, auf das wir sehr stolz sind“, sagt Kiegele.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Geschichte hinter der Volljährigkeit: Aus einem zunächst durchaus kritisch betrachteten Veranstaltungsformat ist eine feste Mannheimer Institution geworden. Eine, die sich verändern kann, ohne ihre Wurzeln aufzugeben.
In diesem Jahr gehört dazu auch ein Abschied. Die Trauer über das Schicksal von Eichbaum bleibt. Gleichzeitig beginnt mit Kurpfalzbräu ein neues Kapitel.
Am 16. Oktober wird es aufgeschlagen – und spätestens wenn nach dem Essen der erste Fassanstich erfolgt, dürfte die Volljährigkeit des Mannheimer Oktoberfestes ziemlich ausgelassen gefeiert werden.
Termine und Reservierungen: Das Oktoberfest Mannheim findet vom 16. Oktober bis 7. November 2026 jeweils freitags und samstags von 17 bis 23 Uhr statt. Zusätzlich ist am 25. Oktober ein Frühschoppen von 11 bis 17 Uhr geplant. Reservierungen sind über oktoberfest-mannheim.de möglich.
Schon jetzt vormerken: Der Vorverkauf für das Mannheimer Oktoberfest 2027 startet am 1. Dezember 2026.
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