Stuttgart
Die PISA-Befunde sind ein Tiefschlag für Deutschland. Das Abschneiden bei Bildungsqualität und Chancengleichheit markiert dringenden Handlungsbedarf.

Unser Anspruch in Baden-Württemberg ist bestmögliche Bildung für jede Schülerin und jeden Schüler. Jedes Kind soll seine Talente entfalten und Leistung erbringen können - unabhängig von seiner Herkunft und vom Einkommen der Eltern. In Baden-Württemberg wurden in den letzten Jahren wichtige Weichen gestellt, etwa bei der frühkindlichen Bildung, bei der Sprachförderung und bei der Qualitätssicherung in allen Schularten. Für die Umsetzung weiterer in der PISA-Studie jetzt enthaltenen Empfehlungen sieht schon unser Koalitionsvertrag wichtige Initiativen vor. Sie gilt es effizient umzusetzen und wir müssen fragen, wo weiterer Handlungsbedarf besteht.
Das weitere Öffnen der Schere zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg darf uns nicht ruhen lassen. Das ist eine Herausforderung gerade auch für Baden-Württemberg. Hier wird das große Versprechen gleicher Chancen für alle Kinder konkret. Es geht dabei auch um den Kern unserer sozialen Marktwirtschaft: Aufstieg durch Bildung hängt an der Anstrengung, nicht an der Herkunft. Deshalb trifft uns der Rückschlag bei der Bildungsgerechtigkeit ins Mark.
Es stellt sich die Frage, ob wir bei der Erfassung von Sprach- und Entwicklungsständen noch früher ansetzen und noch stärker kindgerecht fördern können als bislang im Schnitt mit 4,3 Jahren. In den ersten Jahren werden entscheidende Weichen gestellt. 30 Prozent der Kinder sind in Baden-Württemberg im Schnitt ungenügend auf den Schulstart vorbereitet, weil sie nicht gut genug deutsch sprechen oder Defizite in der Entwicklung haben. Für sie ist das wie eine Bleiweste beim Schulstart. Wir müssen noch mehr tun, um ihnen einen guten Start ihres Bildungswegs zu ermöglichen.
Zudem hat der IQB-Bildungstrend 2021/22 ergeben, dass knapp 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler am Ende der Grundschule nicht die Mindeststandards erreichen. Deshalb müssen wir die Basiskompetenzen noch weiter nachhaltig stärken. Alle Schülerinnen und Schüler sollen nach der Grundschule gut lesen, schreiben und rechnen können. Dazu wollen wir aufbauend auf die schon umgesetzten Konzepte Lesebänder, Rechenbänder und Schreibbänder stärken und ausweiten. Am Beispiel der Lesebänder: Mit täglichem 20 Minuten „Leseband“ in der Schule soll Lesen allen in Fleisch und Blut übergehen.
Baden-Württemberg hat frühzeitig eine datengestützte Schulentwicklung auf den Weg gebracht. Darauf gilt es jetzt aufzubauen mit der Stärkung der Prozesse zur Qualitätssicherung in allen Schularten.
In Baden-Württemberg gibt es vielfältige Angebote von Ganztagsschulen und Ganztagsbetreuung. Bundesweit startet im September der Anspruch auf Ganztagsbetreuung, beginnend mit Schülerinnen und Schülern der ersten Grundschulklasse. Damit sind wichtige Weichen gestellt. Darauf aufbauend sollten wir mit Blick auf die noch einmal gewachsene soziale Ungleichheit fragen, wie wir die Angebote zur Nachmittagsbildung stärken können. Sie können einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit leisten. Zu fragen ist dabei auch, wie wir die Kooperation mit außerschulischen Initiativen noch weiter verstärken. Wir sollten etwa Sportvereine und Musikschulen noch mehr in unsere Schulen holen. Schule ist Lern- und Lebensort. Dem Anspruch allen Schülerinnen und Schülern den Raum zu bestmöglicher Entwicklung zu geben, müssen wir noch besser gerecht werden. Gleichzeitig muss die Partnerschaft mit dem Elternhaus weiter gestärkt werden.
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