Heidelberg

EU fördert zwei Forschungsprojekte mit fast acht Millionen Euro

Gesundheit Von Lothar Binder 3 Min. Lesezeit

Logo Universitätsklinkum Heidelberg
Universitätsklinikum Mannheim

Künstliche Intelligenz soll die Diagnose und Behandlung von Hirntumoren verbessern: Zwei europäische Verbundprojekte unter Heidelberger Federführung erhalten dafür insgesamt rund 7,8 Millionen Euro.

Heidelberg. Von der KI-gestützten Hirntumordiagnostik bis zur Ausbildung einer neuen Generation interdisziplinärer Fachkräfte: Gleich zwei europäische Verbundprojekte sollen die Diagnostik und Behandlung von Hirntumoren voranbringen. Federführend koordiniert werden sie von Professor Dr. Dr. Felix Sahm von der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und der Abteilung Neuropathologie des Universitätsklinikums Heidelberg.

Die Europäische Union fördert die Projekte „EUcanAI“ und „FutureMIND“ im Rahmen von „Horizon Europe“ über einen Zeitraum von vier Jahren mit jeweils rund 3,9 Millionen Euro. Damit fließen insgesamt rund 7,8 Millionen Euro in die beiden Forschungsvorhaben. :contentReference[oaicite:0]{index=0}

KI soll Hirntumordiagnostik schneller und zuverlässiger machen

Im Forschungsprojekt „EUcanAI“ soll ein mehrstufiges, auf Künstlicher Intelligenz basierendes System entwickelt werden, das Ärztinnen und Ärzte bei der präzisen Diagnose und Therapie von Hirntumoren unterstützt. Hintergrund ist, dass die Versorgung und Befundung komplex und stark von individueller Fachkompetenz abhängig ist. Gerade außerhalb hoch spezialisierter Zentren können dadurch unterschiedliche Ergebnisse entstehen und Behandlungen verzögert werden. :contentReference[oaicite:1]{index=1}

Geplant ist deshalb nicht nur ein einzelnes KI-System. Mehrere spezialisierte Modelle sollen unterschiedliche Schritte von Patientengespräch, Diagnostik und Therapieplanung übernehmen und miteinander vernetzt werden.

Ein KI-Modell soll mit Zustimmung der Patientinnen und Patienten bereits während des Arztgesprächs zuhören, selbst Fragen stellen und gegebenenfalls weitere Untersuchungen vorschlagen. Ein weiteres Modell soll MRT-Aufnahmen und Gewebeschnitte von Hirntumoren analysieren. Ein anderes System soll während oder kurz nach einer Tumoroperation geeignete Therapieoptionen ermitteln und vorschlagen.

Entscheidend bleibt dabei: Die KI soll nachvollziehbare Vorschläge liefern, die endgültige Entscheidung über die Behandlung liegt weiterhin bei den behandelnden Ärztinnen und Ärzten. :contentReference[oaicite:2]{index=2}

Übergeordneter KI-Agent vernetzt die Systeme

Die einzelnen KI-Modelle sollen von einem übergeordneten Agenten koordiniert werden. Dieser soll auch auf das bereits entwickelte KI-System „Hetairos“ zurückgreifen. „Hetairos“ kann zahlreiche Hirntumoren anhand gängiger mikroskopischer Gewebeschnitte innerhalb weniger Minuten klassifizieren. Entwickelt wurde das System von einem Team unter Leitung von Felix Sahm und Professor Dr. Moritz Gerstung vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). :contentReference[oaicite:3]{index=3}

An „EUcanAI“ sind Forschende aus insgesamt elf Einrichtungen in Deutschland, Österreich und Dänemark beteiligt. Internationaler Kooperationspartner ist die WHO-Einrichtung „International Agency for Research on Cancer“ (IARC). Für die Entwicklung stehen Tausende Datensätze von Hirntumorpatientinnen und -patienten aus ganz Europa zur Verfügung. Die Systeme können zudem an mehreren führenden klinischen Zentren getestet und validiert werden. :contentReference[oaicite:4]{index=4}

„FutureMIND“ bildet Fachkräfte für die Medizin von morgen aus

Das zweite Projekt richtet den Blick auf den wissenschaftlichen Nachwuchs. Das europäische Doktorandennetzwerk „FutureMIND“ will Fachkräfte ausbilden, die medizinisches, technisches und unternehmerisches Wissen miteinander verbinden.

Ab Januar 2027 werden 14 Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler im Rahmen ihrer Promotion nicht nur in Forschungseinrichtungen und Kliniken, sondern auch in Unternehmen arbeiten. Dabei erwerben sie Kompetenzen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Informatik und Neuroonkologie.

Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in diagnostische Verfahren und digitale Anwendungen für die medizinische Praxis zu überführen. Dazu gehören beispielsweise KI-gestützte Verfahren zur Analyse großer medizinischer Datensätze und die Weiterentwicklung digitaler Werkzeuge zur Diagnose und Behandlung von Hirntumoren. :contentReference[oaicite:5]{index=5}

Der „FutureMIND“-Verbund umfasst insgesamt 16 Partner aus Wissenschaft, Klinik und Industrie in sieben europäischen Ländern sowie den USA. :contentReference[oaicite:6]{index=6}

Förderung durch „Horizon Europe“

„Horizon Europe“ ist das aktuelle Rahmenprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation. Es soll die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken, die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie fördern und Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen voranbringen. :contentReference[oaicite:7]{index=7}

Das Projekt „EUcanAI“ wird seit dem 1. September 2026 über den „European Innovation Council (EIC) Pathfinder“ gefördert. „FutureMIND“ startet am 1. Januar 2027 und erhält seine Förderung über die „Marie Skłodowska-Curie Actions (MSCA)“ von „Horizon Europe“. :contentReference[oaicite:8]{index=8}

Weitere Meldungen aus Gesundheit

Alle anzeigen ›