Heidelberg: Japanisches Flair im Palais Prinz Carl – wenn Geschichte auf Omakase trifft

Omakase 29

Heidelberg: Japanisches Flair im Palais Prinz Carl – wenn Geschichte auf Omakase trifft

Wo einst Kaiser Wilhelm I. dinierte und Kaiserin Elisabeth empfangen wurde, schlägt seit Februar 2026 ein völlig neues Kapitel auf: Das ehrwürdige Palais Prinz Carl in der Heidelberger Altstadt verwandelt sich an rund 50 Abenden in eine Bühne für japanische Hochküche, fernöstliche Ästhetik und kulinarisches Storytelling. Mit der siebten Ausgabe seines gefeierten Pop-up-Konzepts „Stories“ bringt die Heidelberger Bliss Group einen Hauch Japan in eines der traditionsreichsten Gebäude der Stadt – ein Kontrast, der bewusst gesucht ist und gerade deshalb so reizvoll wirkt.

Bis Anfang Mai wird das Palais zum temporären Restaurant, inspiriert vom japanischen Omakase-Prinzip: „Ich überlasse es Ihnen.“ Vertrauen statt Auswahl, Hingabe statt Entscheidung. Ein Konzept, das perfekt zu einem Namen passt, der für Präzision, Tiefe und kulinarische Handschrift steht: Zwei-Sternekoch Benjamin Peifer. Der vom Gault&Millau 2025 zum „Koch des Jahres“ gekürte Küchenchef aus Speyer, der mit seinem Restaurant intense in Wachenheim jüngst den zweiten Michelin-Stern erkochte, gilt als ausgewiesener Kenner der japanischen Küche – nicht als Kopist, sondern als Interpret.

Omakase 58

Japan ist für Peifer Inspirationsquelle und Philosophie zugleich. In einem bis zu 17 Gänge umfassenden Menü verbindet der 38-Jährige regionale Produkte mit japanischen Techniken, Aromen und Denkweisen. „Es geht um die intensive Leichtigkeit dieser Küche“, sagt Peifer. Seine Gerichte bleiben nah an der Tradition, erlauben sich aber bewusst moderne Zwischentöne – „mit einem Augenzwinkern“. Gemeinsam mit dem Küchenteam der Bliss Group unter der Leitung von Sven Günther entsteht im neuen Stories ein „5-Gänge-Menü-Plus“, japanisch gedacht, europäisch interpretiert.

Schon der Eintritt macht klar: Dies ist kein klassischer Restaurantbesuch. Die Gäste betreten das Palais zunächst durch einen kleinen, liebevoll gestalteten Raum, der an ein japanisches Geschäft erinnert. Maneki-neko – die berühmten „einladenden Katzen“, Symbol für Glück, Wohlstand und Erfolg – begrüßen die Ankommenden. Erste Begrüßungsgetränke, leise Musik, gedämpftes Licht: Noch bevor der erste Gang serviert wird, fühlt man sich für einen Moment wie versetzt nach Japan.

Das Designstudio glatz&glatz aus Heidelberg und Berlin sorgt erneut für die visuelle Dramaturgie. Mit eigens entworfenem Interieur, gezielter Beleuchtung und sorgfältig kuratierter Musik entsteht eine Kulisse, die Geschichten erzählt – und dabei flexibel genug bleibt, um den besonderen Anforderungen des denkmalgeschützten Palais gerecht zu werden. „Wir haben Routine“, sagt Geschäftsführer Swen Schmidt. Schließlich blickt das Team auf sieben Jahre Pop-up-Erfahrung zurück, von Streetart-Hallen über leerstehende Verlagshäuser bis hin zu einem ehemaligen Spielwarenkaufhaus.

Kulinarisch beginnt der Abend klassisch japanisch mit einem Sake, bevor das Menü Fahrt aufnimmt: Otsumami als Auftakt, feine Lachsforelle, Okonomiyaki vom Kingfisch mit Kräutersaitling, Tonkotsu-Ramen mit Habanero-Miso, Gindara mit Miso-Tofu, japanisches Rind mit Kuro-Kosho, Knoblauch und Perigord-Trüffel-Ponzu. Der süße Höhepunkt trägt den Namen „Mount Fuji“ – Eiscreme aus Sansho-Pfeffer mit Miso-Karamell. Jeder Gang wird von einer passenden Getränkebegleitung flankiert: Wein, Tee, Sake – präzise abgestimmt, nie aufdringlich.

Und weil Stories mehr sein will als ein Dinner, gehört auch Unterhaltung dazu: Mutige Gäste dürfen zwischen den Gängen ihre Gesangstalente bei einer kurzen, überraschenden Karaoke-Einlage unter Beweis stellen – ein augenzwinkernder Bruch, der Wartezeiten verkürzt und den Abend auflockert.

Das siebte Kapitel der Stories Pop-up-Kitchen läuft vom 5. Februar bis 2. Mai 2026 im Palais Prinz Carl, Kornmarkt 1 in Heidelberg. Gespielt wird mittwochs bis samstags, Check-in ist zwischen 18 und 18.30 Uhr, Beginn um 19 Uhr. Im Menüpreis enthalten ist die komplette alkoholische und nichtalkoholische Getränkebegleitung. Tickets sind buchbar unter www.stories-popup-kitchen.de.

Ein Abend, der Geschichte neu interpretiert, Japan erlebbar macht – und lange nachhallt.

Omakase 133 

 

cheesy.photo