Stuttgarter Schriftsteller und Historiker Gerhard Raff mit Staufermedaille in Gold ausgezeichnet

Stuttgart. Am 2. August 2022 wurde der Stuttgarter Gerhard Raff mit der Staufermedaille in Gold ausgezeichnet, einer persönlichen Auszeichnung des Ministerpräsidenten für Verdienste um das Land Baden-Württemberg. In einer Feierstunde im vollbesetzten Großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses überreichte Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper dem freien Schriftsteller und Historiker die Medaille. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Werner Mezger.

Oberbürgermeister Dr. Nopper sagte: „Gerhard Raff hat viele Gesichter: Er ist Basisdemokrat und zugleich Monarchist, Degerlocher Separatist und zugleich begeisterter Stuttgarter Chronist. Er ist ein scharfzüngiger Rebell und zugleich ein frommer Landesdiener – urwüchsig und zugleich akademisch, und vor allem ist er ein furchtloser und treuer Württemberger. Nur ganz wenige haben so viel für die schwäbische Seele und die schwäbische Identität getan wie Gerhard Raff. Nur ganz wenige haben so viel für die schönste aller Mundarten, das Schwäbische, und für die schwäbische Heimat getan wie er.“

Gerhard Raff studierte, nachdem er von 1974-1978 Chronikschreiber im Stuttgarter Rathaus war, an der Eberhard Karls Universität in Tübingen Theologie und Geschichte und promovierte 1984 mit einer Arbeit über die Ursprünge des Hauses Württemberg. Raffs umfassende Geschichte des Hauses Württemberg erschien mit dem Titel „Hie gut Wirtemberg allewege“ (in 4 Bänden). Von seiner Promotion erschien eine 2. Auflage und die 5.400 Exemplare waren bereits nach vier Wochen ausverkauft.
Als freier Schriftsteller und Historiker verfasste Raff zahlreiche Schriften zu landeskundlichen Themen und populär‐historische Zeitungsbeiträge über Persönlichkeiten der württembergischen Geschichte. Seit fast 50 Jahren, seit 1973 schreibt er für die „Stuttgarter Zeitung“ schwäbische Kolumnen über historische Themen. Zudem arbeitet seit 2003 am monatlich erscheinenden „Evangelischen Gemeindeblatt für Württemberg“ mit.

Ergänzend zu seinen wissenschaftlichen Arbeit verfasste Gerhard Raff zahlreiche Mundartbücher: „Herr, schmeiß Hirn ra!“ von 1985 war ein Bestseller binnen kürzester Zeit, wurde veröffentlicht von der Deutschen Verlags-Anstalt und erschien inzwischen in mehr als 25 Auflagen. 29 Verlage hatten sich darum bemüht. Dabei war der Titel gebende Ausspruch, der ursprünglich von Manfred Rommel stammt (eine Leserbriefzeile), eigentlich gegen Raff gemünzt. Vicco von Bülow alias Loriot illustrierte 1995 kostenlos die Fortsetzung „Mehr Hirn!“. Dieses Buch hatte bereits ein Jahr nach Erscheinen 1,25 Millionen DM erbracht, die für die Restaurierung der Domkirche St. Peter und Paul in Loriots Heimatstadt Brandenburg an der Havel verwendet wurden. Dazu kamen weitere Publikationen Raffs: „Raffs Raritäten“ (1998), „Die Schwäbische Geschichte“ (2000), „Eiserne Ration“ (2003), „Mehr Hirn!“ (2005), „Das dritte Hirn“ (2005), „Die Gschicht vom Mose ond de zehn Gebot“ (2011), „Schwäbische Juwelen“ (2012) sowie „Kann auch Hochdeutsch“ (2014).
Damit ist Gerhard Raff zu einem der "weltweit meistgelesenen Dialektautoren der Gegenwart“ geworden.

Dazu kommt eine enorme Anzahl an Vorträgen und Lesungen, die Gerhard Raff auf Spendenbasis hielt – oftmals waren es 300 im Jahr, also fast jeden Abend – und den enormen Erlös aus diesen persönlichen Auftritten sowie den Büchern - in Millionenhöhe - , die ganzen Erträge, die er mit seiner unermüdlichen Tätigkeit über Jahrzehnte erzielte, stiftete Raff für soziale, kuturelle und ökologische Vorhaben, „für tausenderlei soziale Projekte in Württemberg und der weiten Welt“.
Die Schwäbische Zeitung bezeichnete Raff daher als „Multimillionenstifter mit Minimaleinkommen“, da er nichts von den Einnahmen für sich behielt.

Unterstützt wurde damit u.a. die Sanierung der Veitskapelle in Stuttgart-Mühlhausen, die Sanierung der Schrozberger Kirche in Blaufelden, die Restaurierung des Doms in Brandenburg an der Havel, die Gründung der Pilgerherberge am spanischen Jakobsweg in La Faba sowie die Rettung der dortigen St. Andreaskirche.

Zudem hat Raff seit 1995 insgesamt 112 Denkmäler für das kulturelle Gedächtnis gestiftet. Dazu gehören neben Erinnerungstafeln und Denkmälern wie z. B. auch für Paracelsus oder Loriot auch die 20 Stauferstelen, die in Deutschland, Italien und weiteren europäischen Ländern an das Wirken der Staufer erinnern sollen. So wurden diese Stelen für das Geschlecht der Staufer, die ihren Ausgang vom Hohenstaufen (Landkreis Göppingen) nahmen, u.a. am Hohenstaufen, am Kloster Lorch und in Schwäbisch Gmünd errichtet. Dahinter steht das 2002 ins Leben gerufene „Komitee der Stauferfreunde“. Gestaltet wurden die Stelen vom Bildhauer Markus Wolf. Beim „Komitee der Stauferfreunde“ ist Raff seit 2002 Mitglied. Und seit 2004 gehört er dem Wissenschaftlichen Beirat der Zeitschrift „Suevica – Beiträge zur schwäbischen Literatur‐ und Geistesgeschichte“ an.

Außerdem setzte sich Raff im Schwabenland auch gegen „Landschaftszerstörer“ und „Zubetonierer“ ein.

Gerhard Raff erhielt für seine Verdienste folgende Auszeichnungen: Thaddäus‐Troll‐Preis (1985), Bundesverdienstkreuz (1998), Verdienstmedaille in Gold der Hohenstaufenstadt Göppingen (2002), Daniel‐Pfisterer‐Preis des Geschichts‐ und Kulturvereins Köngen (2010) sowie den Sebastian Blau‐Ehrenpreis, den der Verein „schwäbische mund.art“ vergibt (2013). Der Kulturkreis Vellberg ernannte ihn 1998 zum „Ritter zum krummen Balken“.

Die „Schwäbische Zeitung“ zählte Gerhard Raff im Zusammenhang mit dem Jubiläum „60 Jahre Baden-Württemberg“ zu den 60 bedeutendsten Köpfen des Bundeslandes Baden-Württemberg.
Dr. Elke Knittel vom »Württembergischen Landesmuseum« hat Gerhard Raff im Vorwort ihres Standardwerkes »Spätzle, Maultaschen & Co« mit »Barbarossa, Götz von Berlichingen, Herzog Eberhard im Barte, König Wilhelm I., Mechthild von der Pfalz, Franziska von Hohenheim, Wieland, Mörike, Hauff, Schubart, Hölderlin und Schiller, Hegel und Philipp Matthäus Hahn, Dannecker, Sebastian Blau, Thaddäus Troll, Gerhard Raff, Zeppelin, Daimler, Porsche und Bosch« als deren einzig noch lebende Persönlichkeit zum »Schwäbischen Nationalheiligtum« erhoben.
Außerdem wurde Gerhard Raff von Bundespräsident Dr. Richard Freiherr von Weizsäcker zum »Wohltäter der Menschheit« erklärt.

Erwähnenswert sind auch die Kreativität und der Witz, womit Raff sich zudem um Spenden bemühte. Verkauft wurden z. B. „Intelligenz-Zwetschgen“, um blinden Kindern zu helfen, zu 1 DM pro Stück. Was zu der Frage: „Eine Mark für eine Zwetschge, ist das nicht ein bisschen teuer? führte - und zur Antwort: „Sehen Sie, es wirkt schon.“
Oder für die erste Übernachtung in der Pilgerherberge im spanischen La Faba am Jakobsweg mussten Pilger nicht bezahlen, sofern sie ein Gedicht von Goethe, Schiller oder Hölderin aufsagen oder ein Lied von Silcher mit allen Strophen singen konnten.

Der Erlös aus dem Bücherverkauf dieses Abends - an dem keiner so viel Arbeit hatte wie der Ausgezeichnete selbst, signierte er doch noch lange seine Bücher und hielt seine 45-minütige Dankesrede (seiner Art entsprechend und zum Standard geworden) auswendig - ist für das Stuttgarter „Olgäle“ (Olgahospital) bestimmt.

Sehr passend, dass Gerhard Raff für seinen unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz für gemeinnützige Zwecke und sein universelles Wissen über die Staufer, die „Architekten Europas“, die „den Geist Schwabens in die Welt getragen“ haben und deren drei staufische Löwen auch noch das heutige Landeswappen zieren, mit der höchsten Stufe der Staufermedaille, der Staufermedaille in Gold, ausgezeichnet wurde. Er hat als „weltweit meist gelesener Mundartdichter“ und Mäzen, der „12,5 Millionen Euro oder mehr“ gespendet hat, Zeichen gesetzt.

Diana Rasch
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Text und Foto: Diana Rasch