Schwäbisch Hall: 16. Gipfeltreffen der Weltmarktführer 2026 in Schwäbisch Hall
Am 4. und 5. Februar 2026 lud die WirtschaftsWoche bereits zum 16. Mal wirtschaftliche Vordenker zum renommierten Gipfeltreffen der Weltmarktführer nach Schwäbisch Hall ein. 600 Spitzenkräfte aus Industrie, Politik und Wissenschaft kamen zum bundesweit größten Treffen von tatsächlichen und potenziellen Weltmarktführerunternehmen nach Hohenlohe, um zukunftsweisende Strategien zu diskutieren - „wie man Weltmarktführer wird und bleibt“ - und andere an ihrem Erfahrungsschatz teilhaben zu lassen, zur Analyse und zum Austausch für ein gemeinsames Entwickeln von Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
Das Gipfeltreffen der Weltmarktführer, das auch gerne als „Davos des deutschen Mittelstands“ bezeichnet wird, fand in den Räumen der Bausparkasse Schwäbisch Hall statt, ausgerichtet von der WirtschaftsWoche und initiiert von Dr. Walter Döring (Foto), ehemaliger Wirtschaftsminister in Baden-Württemberg und Gründer der Akademie Deutscher Weltmarktführer GmbH, mit dem Senat der Wirtschaft als ideellen Partner an der Seite, ist ein wichtiger Impulsgeber. Unternehmen lieferten Einblicke und Best Practice. Gedanklich nahmen sie die Tagungsgäste mit in ihre Innovation Labs und Werkshallen, präsentierten ihre Ideen und Lösungen, sprachen über Technologien und Chancen.
Im Zentrum standen diese Fragestellungen, über die Horst von Buttlar, Chefredakteur der WirtschaftsWoche, schon in seinem Grußwort schrieb: „2026 soll endlich das Jahr des Aufschwungs werden – ein Jahr, in dem sich nicht nur die Stimmung dreht, sondern die Wirtschaft wächst. Und zwar mit einer Eins vor dem Komma. Gelingt Deutschland nach drei Jahren Stagnation endlich der Ausbruch? Gelingt es der deutschen Wirtschaft, vor allem in den Schlüsselbranchen Auto und Maschinenbau, die Vorreiterrolle zu behaupten? Geht die Deindustrialisierung ungebremst weiter - oder kann Deutschland den Trend stoppen? Eskaliert der Handelskrieg erneut - und bleiben die USA der ruppige und unberechenbare Partner? Wie gelingt es deutschen Unternehmen, mit der zunehmenden Konkurrenz aus China fertigzuwerden? Und wie werden neue Märkte erschlossen? Sind Deutschland und Europa resilienter und weniger abhängig geworden? Spielen wir bei den neuen Technologien vorn mit - oder schauen wir zu? Und wie bauen wir - etwa im Bereich Defense Tech - an den Ökosystemen der Zukunft?“
Gemäß dem Leitsatz „Von den Besten lernen“ gaben Unternehmerinnen und Unternehmer, die bei den verschiedensten Pardigmenwechseln und Veränderungen wie den geopolitischen Verschiebungen, den sich verändernden Abhängigkeiten von Lieferketten oder auch dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz bereits unternehmerische Handlungsfähigkeit und strategische Resilienz bewiesen, Einblicke und Ausblicke, mit welchen Instrumenten sich deutsche Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft führen lassen. Der Fokus lag auf den Handlungsfeldern „Globale Dynamik - Weltmarktführer zwischen Machtverschiebung und Wettbewerbsdruck“, „Grüne Transformation - Nachhaltigkeit als Treiber für Innovation und Standortstärke“, „Technologie & Sicherheit - Neue Märkte erkennen, Innovationen nutzen, Risiken beherrschen“, „Arbeit & Demografie - Fachkräfte sichern, Berufsbilder neu denken, Zukunft gestalten“.
Unter den zahlreichen Rednerinnen und Rednern, die beim Gipfeltreffen der Weltmarktführer 2026 Einblicke und Impulse gaben, waren u.a. auch diese Persönlichkeiten, hier ein paar „Splitter“ aus ihren Beiträgen:
- Dr. Nicolas Stihl, Vorsitzender des Beirats Stihl Holding AG & Co. KG
„Veränderung aus eigener Kraft - wie STIHL seit 1926 Zukunft gestaltet“:
Das Unternehmen Stihl, das 2026 auf sein 100-jähriges Bestehen zurückblicken kann, sei, so Dr. Nicolas Stihl, als technikgetriebenes Unternehmen ständig im Wandel. Der Ketten- und Motorsägenhersteller mit der meistverkauften Motorsägenmarke der Welt, der die Weltwirtschaftskrise, Kriege und die Ölkrise überstanden hatte, habe mit dem Anliegen „die Säge zum Baum zu bringen“ begonnen und vollziehe aktuell den Wechsel beim Antrieb von Benzin zum Akku. Dr. Nicolas Stihl wies u.a. auch darauf hin, dass der Mittelstand die Hälfte der Arbeitnehmer beschäftige. Wichtig sei, dass die Mitarbeiter zufrieden seien. Zudem sagte er: „Wer zufrieden ist, arbeitet besser“ und „Wer zufrieden ist, geht auch mal Risiken ein“.
- Petra Scharner-Wolff, CEO Otto Group
„Zurück ins Handeln kommen - konsquent, fokussiert und innovativ durch die Krisen“:
Petra Scharner-Wolff berichtete, der Großhändler Otto, ein Familienunternehmen in dritter Generation, sei vertreten in 30 Ländern. Sie sagte auch, dass eine Konsumzurückhaltung beim Kunden zu spüren sei. Angesichts der Herausforderungen die Logistik und IT betreffend sei die Devise „Machen“, man müsse „ins Handeln kommen“. Sie sprach sich zudem aus für die Stärkung des dezentralen Unternehmertums. Ständig habe Otto an der Transformation der Geschäftsmodelle gearbeitet. Seit 1997 gebe es keinen Katalog mehr, das gesamte Sortiment sei online, die Plattform stehe (begonnen wurden bei 3 Millionen) inzwischen für 18 Millionen Artikel, Innovationstreiber sei die Künstliche Intelligenz. Ermöglicht wird personalisierter Einkauf, Einkauf mit KI-Agenten. Außerdem sagte sie u.a.. sei sie interessiert daran, dass Mitarbeiter offen ihre Meinung sagen, am Feedback, um das Unternehmen in die Zukunft zu führen.
- Isabel Knauf, Mitglied des Gesellschafterausschusses der Gebrüder Knauf KG:
„Diese Krise ist anders: Warum der Mittelstand Internationalisierung neu denken muss“:
Das Familienunternehmen Knauf besteht bereits seit 94 Jahren. Isabel Knauf berichtete, Knauf sei Weltmarktführer, der größte der Welt in seiner Branche. Jede vierte Gipskartonplatte komme von Knauf, das Unternehmen sei zudem der zweitgrößte Isoliermaterialienhersteller der Welt. Knauf sei eines der lokalsten Unternehmen der Welt, „an die Scholle gebunden“, produziere in 80 Ländern, Isabel Knauf sprach von der Stärkung des dezentralen Unternehmertums. „Lassen Sie uns aus der Krise eine Chance machen“, sagte sie. Angesichts von Krieg, Zoll, Sanktionen, Währungskrisen, aber auch den klassischen Risiken wie Naturkatastrophen, Erdbeben, Schneestürmen, die sich auf die Produktion von Unternehmen ausgewirkt haben, müsse man Resilienz entwickeln. Sie sprach von „Innovationskraft als Grundhaltung“. Auch auf die Kreislaufwirtschaft setze die Firma Knauf. U.a. betonte Isabel Knauf, im Hinblick auf die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt, viele könnten sich den Traum vom eigenen Heim nicht mehr leisten, dass man das Bauen neu denken müsse, moderner, serieller und es brauche „mehr Tempo, Effizienz, Qualität“.
- Peter de Lorenzi, adesso SE
„Souveränität durch Diversifizierung: Warum Abschottung Europas Wettbewerbsfähigkeit gefährdet:
Erörtert wurden die Fragen zur Digitalen Souveränität: Wie geht man mit Daten um? Welches ist das richtige Risikomanagement? Im Hinblick auf die digitale Souveränität sagte auch Peter Di Lorenzi , man müsse „ins Handeln kommen“, „Innovation schaffen, nicht wieder Bürokratie“ und man müsse jeweils prüfen „Was ist der richtige Grad an Souveränität?“, müsse jede Aufgabe getrennt betrachten.
Weitere Themenfelder reichten von Lieferketten und Standortwahl über Spitzenforschung in der Medizintechnik, Umgang mit dem Wettbewerb aus China, Lokale Kreisläufe, neue Märkte erkennen, Automatisierungstechnik, Bildungspolitik, grüne Transformation, energetische Transformation, Kredit- und Ausfallrisiken bis hin zu „SpaceTech als Wachstumsmarkt für Mittelständler“ oder auch worüber Magdalena Neuner, ehemalige Biathlethin und zweifache Olympia-Siegerin und auch Schirmherrin der Peak Performer Stiftung, in ihrem Redebeitrag sprach: Die „Freude am Leisten.“
Ein Thema, das außerdem auch in vielen Unterhaltungen in den Konferenzpausen angesprochen wurde, war die Bildung.
Bereichert wurde das Gipfeltreffen durch den Besuch einer chinesischen Delegation aus Yangzhou, China, begleitet von Herrn Huang Yiyang, Generalkonsulat der Volksrepublik China Frankfurt am Main und Herrn Haitao Zheng, Oberbürgermeister der Stadt Yangzhou, China. In der 2.500 Jahre alten Stadt mit 4,6 Millionen Einwohnern, in der es 8 Universitäten und 13 Hightech-Cluster gibt, sind 1.400 ausländische Firmen angesiedelt. Nach Yangzhou war Dr. Döring nach dem letzten Gipfeltreffen der Weltmarktführer zu einer Delegationsreise mit 150 Vertretern von hiesigen Unternehmen aufgebrochen.
Bereits am Vorabend des Gipfeltreffens der Weltmarktführer fand ein „CEO-Abend“ im Schwäbisch Haller Globe Theatre statt. Miele-Chef Reinhard Zinkann sprach mit Horst von Buttlar über die Traditionsmarke, die seit 1899 existiert und deren Erfolg darin lag, sich zur rechten Zeit an weiterführenden Technologien oder neuen Produkten zu orientieren. Der heutige Weltmarktführer für Haushaltsgeräte produzierte in den Anfangsjahren Motorräder, später Autos, dann Miele-Küchen - und gehalten haben sich die Haushaltsgeräte.
Traditionell endet der erste Konferenztag mit der „Highlight-Session“ im Carmen Würth Forum in Künzelsau, zu dem die Würth-Gruppe die Gäste am Abend einlädt, mit einem Konzert der Würth Philharmoniker und einem Stargast, einem eindrucksvollen Programm, dem sich für weitere Begegnungen ein „Kulinarisches Get-together „Hohenlohe trifft die Weltmarktführer“ anschloss: In diesem Jahr berichtete die Schauspielerin und Autorin Andrea Sawatzki aus ihrem Leben und Werk.
Zur Abendveranstaltung begrüßte Dr. Walter Döring, Gründer und Ehrenpräsident des Wirtschaftsgipfels, Wirtschaftsminister a.D, der der Firma Würth herzlich dankte, die Gäste und betonte: „Ohne die Wirtschaftswoche würde es das Gipfeltreffen der Weltmarktführer wahrscheinlich nicht mehr geben, zumindest in heutiger Form wahrscheinlich nicht, und ganz hundertprozentig sicher würde es das Gipfeltreffen der Weltmarktführer ohne Würth nicht mehr geben“. Auch Robert Friedmann, Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe die Tagungsteilnehmer sprach ein Grußwort.
Die Würth Philharmoniker unter Dirigent Martin Panteleev spielten so grandios, dass das begeisterte Publikum mit anhaltendem Applaus und viel Jubel eine Zugabe „erbat“. Es war ein intensives Erlebnis, dieses großartige Orchester im Reinhold Würth Saal mit einer Akustik, die ihresgleichen sucht, zu erleben. Gespielt wurden Perlen der klassischen Musik von Mozart, Grieg und Franz von Suppè.
Andrea Sawatzki, eine der profiliertesten deutschen Schauspielerinnen, vielfach ausgezeichnet, zudem Hörbuchsprecherin, ist auch eine Bestsellerautorin, die sich gesellschaftlich relevanten Themen widmet. Über ihr neuestes Buch „Biarritz“, das sich kritisch mit dem Umgang mit älteren Menschen in Deutschland auseinandersetzt, sprach sie mit Varinia Bernau, Ressortleiterin Management und Karriere der WirtschaftsWoche. Andrea Sawatzki gab Einblicke in ihr Familienleben, in ihre Kindheit und die Erfahrungen mit ihren an Demenz erkrankten Eltern. Bereits als Schülerin hat Andrea Sawatzki Pflegearbeit für ihren demenzkranken Vater übernommen, so dass ihre Mutter ihrer Tätigkeit als Krankenschwester nachgehen konnte. Teils ist ihre literarische Arbeit geprägt von persönlichen Erfahrungen, teils setzt sie sich mit gesellschaftlichen Beobachtungen im Bereich der Pflege auseinander und gibt wichtige Denkanstöße, die die Wertschätzung für die ältere Generation, Fürsorge und Verantwortung betreffen. Als erfolgreiche Schriftstellerin verfasste sie auch die „Bundschuh-Reihe“ und „Brunnenstrasse“. Andrea Sawatzki ist vielen als Schauspielerin bekannt aus der Fernsehreihe Tatort, als Frankfurter Oberkommissarin Charlotte Sänger. Aktuell ist sie in den Reihen „Die Verteidigerin“, „Bundschuh“, und „Plötzlich Schwestern“ im Fernsehen zu sehen. In „Ein Taxi für zwei“ aus der Reihe „….für zwei" spielt sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Christian Berkel. Zudem hat sie mit ihm zusammen den Film „Querschnitt“ produziert, in dem beide auch mitspielen. Gemeinsam entwickeln sie weitere Projekte. Andrea Sawatzki spielte auch in „Die Apothekerin“, „Helen, Fred und Ted“, „Scheidung für Anfänger“ , „Sportabzeichen für Anfänger“, „Bandits“, „Freibad“ u.v.m..
Die bei der Highlight-Session gastgebende Würth-Gruppe ist führend in der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb von Montage- und Befestigungsmaterial. Dazu gehören Handels- und Produktionsunternehmen in angrenzenden Geschäftsfeldern, etwa im Elektrogroßhandel, in den Bereichen Elektronik sowie Finanzdiensleistungen. Aktuell beschäftigt der Konzern weltweit über 86.000 Mitarbeiter in 80 Ländern in über 400 Gesellschaften mit über 2.800 Niederlassungen.Vertrieben werden mehr als 125.000 Produkte.
Diana Rasch und Elisabeth Rasch
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