Stuttgart: Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeichnete Mannheims OB a. D. Dr. Peter Kurz und Anke Helfrich, Jazzmusikerin und Dozentin an der Mannheimer Hochschule, am 27. März 2026 sowie weitere 25 Persönlichkeiten mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg aus
Am 27.03.2026 ehrte Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei einer Feierstunde im Neuen Schloss Stuttgart 27 Persönlichkeiten mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg - der höchsten Auszeichnung, die das Bundesland vergeben kann, als Zeichen der Wertschätzung, der Dankbarkeit und der Anerkennung für herausragendes Engagement im Ehrenamt oder im Beruf. Es können immer nur 1000 lebende Personen - bei 11 Millionen Einwohnern - die Auszeichnung erhalten, stellvertretend für all die anderen engagierten Menschen des Bundeslandes.
Oberbürgermeister der Stadt Mannheim a. D. Dr. Peter Kurz erhielt den Orden von Ministerpräsident Winfried Kretschmann überreicht und der Ministerpräsident hob hervor: „Dr. Peter Kurz prägte die Stadt Mannheim, ihre Rolle in der Welt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner in nachhaltiger Weise. Ob als Stadtrat der SPD, Bürgermeister und besonders während 16 Jahren als Oberbürgermeister: Wichtig waren ihm stets die Themen vor Ort, aber auch der Blick über die Stadtgrenzen hinaus. So entwickelte er Mannheim zur UNESCO City of Music und setzte die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen mit dem Leitbild „Mannheim 2030“ um.“
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Zudem, so wurde betont, setzte sich Dr. Peter Kurz als Präsident des Städtetags Baden-Württemberg und im Präsidium des Deutschen Städtetags mit großem Engagement für die Anliegen der Kommunen in der bundesweiten Politik ein.

Mannheims Oberbürgermeister a.D. Dr. Peter Kurz (2.v.l.) mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (2.v.r.), Mannheims Erster Bürgermeisterin Prof. Dr. Diana Pretzell (1.v.r), seiner Frau Daniela Franz (3.v.l.) und seinem Sohn (1.v.l.)
Bemerkenswert sei auch seine internationale Präsenz als Gründungsmitglied des Global Parliament of Mayors, außerdem habe er sich mit seinen Überzeugungen eingesetzt im Hauptausschuss der deutschen Sektion im Rat der Gemeinden und Regionen Europas und zudem als Mitglied im World Council und im Executive Bureau der United Cities and Local Governments und auch als Redner bei zahlreichen internationalen Veranstaltungen. Herausgehoben wurden auch seine langjährigen Erfahrungen, mit denen er im Investitions- und Innovationsbeirat des Bundesministeriums der Finanzen wirkte. „Sie haben gezeigt, wie lokale Verantwortung und globales Denken Hand in Hand gehen können. Ich danke einem großen Oberbürgermeister“, sagte der Ministerpräsident außerdem in seiner Würdigung. Nach dem Ende seiner Amtszeit als Oberbürgermeister veröffentlichte er sein Buch „Gute Politik – Was wir dafür brauchen“. Erst wenige Tage zuvor, am 23.03.2026 hatte die Stadt Mannheim ihrem Oberbürgermeister a. D. Dr. Peter Kurz für seine besonderen Verdienste um die Stadt und die dort lebenden Bürger mit der Ehrenbürgerwürde gedankt. Es ist die höchste Auszeichnung der Stadt Mannheim, die seit dem Jahr 1820, als diese Ehrung zum ersten Mal vergeben wurde, nur 45 Menschen zuteilgeworden ist.
Anke Helfrich aus Weinheim ist eine der bedeutendsten Jazz-Pianistinnen und -Komponistinnen Europas. Sie gibt als langjährige Dozentin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim und an Dr. Hochs Konservatorium in Frankfurt am Main ihr Wissen an den musikalischen Nachwuchs weiter und leistet damit einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft.

Die Musikerin ist in Deutschland und Namibia aufgewachsen und hat Jazz Piano in den Niederlanden und auch in New York City studiert. Ihr gelingt es, sei es gemeinsam mit ihrer Band oder mit anderen Künstlerinnen und Künstlern, mit ihrer Kunst zu begeistern und Menschen auf der ganzen Welt zu inspirieren. Ihre Alben sind den großen Themen unserer Zeit gewidmet, zudem setzt sie sich mit den Geschichten ihres eigenen Lebens auseinander. In ihrem Album „Dedication“ greift sie ihre Zeit in Namibia und den Einsatz ihrer Eltern gegen Apartheid auf und auch die berühmte Rede „I have a dream“ von Martin Luther King. Ihr Album „We’ll rise“ gibt teils vergessenen Pionierleistungen von Frauen aus unterschiedlichen Bereichen Raum. Anke Helfrich ist international tätig und doch fest in ihrer Heimatstadt Weinheim verwurzelt, für die sie sich als deren Botschafterin engagiert und wo sie sich gegen Diskriminierung und Rassismus und für eine offene Stadtgesellschaft einsetzt.
Auch Norbert Gälle aus Vogt im Oberland, der als Musiker und Komponist der böhmisch-mährischen Blasmusik viele Menschen auf der ganzen Welt begeistert, gerade auch als Komponist der Polka „Böhmischer Traum“ aus dem Jahr 1997, die „zu einem echten Welterfolg mit absolutem Kultstatus“ wurde, wie es in der Laudatio hieß, erhielt den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg.

Als 13-Jähriger erlernte das Tenorhorn zu spielen und war dann bis 1987 aktives Mitglied im Musikverein Grünkraut. Später spielte er auch noch in einigen anderen Formationen. Die Basis für den späteren Erfolg war die 1989 erfolgte Gründung der „Scherzachtaler Blasmusik“ gemeinsam mit seinem Bruder Anton. Wichtig war in Kindheitstagen auch die Erfahrung mit der böhmisch-mährischen Blasmusik, die ihn in ihren Bann zog, besonders als sein Vater, der selbst begeisterter Musiker war, seinen Kindern eine Musikkassette von Ernst Mosch mitbrachte. Der „Böhmische Traum“ wurde 1997 von Norbert Gälle komponiert und von der „Scherzachtaler Blasmusik“ unter der Leitung von Anton Gälle, seinem Bruder, auf CD eingespielt. Eine Blasmusikhymne, die in keinem Festzelt oder bei Blasmusikkonzerten fehlen darf, war entstanden und hat die Welt erobert. Millionenfach wurde der „Böhmische Traum“ im Internet abgespielt. Viele berühmte Musiker der Blasmusik- und Schlagerszene haben ihn aufgegriffen. Norbert Gälle engagiert sich mit seiner Musik auch für zahlreiche gute Zwecke, stellt Noten kostenlos zur Verfügung und setzt sich außerdem für eine Verbindung von deutschen Auswanderern in aller Welt ein. In der Laudatio wurde betont: „Er repräsentiert seine Heimat und die Blasmusik als deutsches Kulturgut und sorgt durch sein Engagement dafür, dass Traditionen lebendig gehalten werden.“

Norbert Gälle mit seiner Frau Alexandra und Ministerpräsident Winfried Kretschmann
Norbert Gälle und seine Frau Alexandra waren bereits sieben Mal als Ehrengäste zur German-American Steuben Parade in New York eingeladen, einem jährlich stattfindenden Umzug auf der Fifth Avenue, der die deutsch-amerikanische Freundschaft feiert. Die German-American Steuben Parade findet immer am dritten Samstag im September statt und daran nehmen Trachtengruppen, Musikkapellen und Festwagen teil. Sie gilt als eine der größten Veranstaltungen deutschsprachiger Kultur in den USA. 2025 nahm Norbert Gälle auch bei der TubaChristmas in New York teil. Für das kommende Jahr 2027 hat Norbert Gälle zudem die Einladung zum zweitgrößten Oktoberfest der Welt in Blumenau, Brasilien, erhalten, wo Musik ebenfalls eine große Rolle spielt.
Zu den weiteren 2026 mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichneten Persönlichkeiten gehören:

- Prof. Dr. Asifa Akhtar (Freiburg im Breisgau) trägt als international anerkannte Wissenschaftlerin im Bereich der Epigenetik und Molekularbiologie bei zum Verständnis genetisch bedingter Krankheiten, zudem ist sie die erste weibliche Vizepräsidentin der Max-Planck-Gesellschaft
- Marika Barth (Stuttgart) und Stefan Barth (Stuttgart) sind Mitgründer des international tätigen Hilfswerk „Agapedia Stiftung“ gGmbH, das in Deutschland und mehreren Donauländern aktiv ist und sie engagieren sich im „Netzwerk Zivilgesellschaft Ukraine“, damit haben sie das Leben von Tausenden Menschen nachhaltig positiv beeinflusst
- Steffi Cornelius (Beuren) prägte 30 Jahre lang als Leiterin des Freilichmuseum Beuren und machte es zu einem lebendigen Ort, an dem das kulturelle Erbe bewahrt und weitergegeben wird und der Identifikation stiftet
- Ministerin a. D. Tanja Gönner (Bingen) wirkte als Abgeordnete im Landtag, im Bundestag, im CDU Bundes- und Landesvorstand, als Sozialministerin, als Umweltministerin und als Verkehrsministerin, außerdem in zahlreichen anderen Funktionen
- Dr. Walter Hartmann (Filderstadt) setzt sich ein für den Erhalt und die Wiederentdeckung alter Obstsorten
- Thomas Hitzlsperger (München) engagiert sich für Vielfalt im Fußball und gegen Diskriminierung
- Monika Huber (Achern) leistet humanitäre Hilfe und fördert Integration
- Niko Kappl (Waiblingen) engagiert sich für Inklusion im Sport
- Friedrich Walter Keller (Vogtsburg im Kaiserstuhl) stärkt Weinbau, Gastronomie und Kultur
- Anna Koktsidou (Stuttgart) setzt sich für Vielfalt und Integration ein
- Dominik Kuhn alias „Dodokay“ (Reutlingen) pflegt den schwäbischen Dialekt
- Prof. Dr. Nisar Peter Malek (Tübingen) leistet bedeutende Beiträge zur Krebsforschung
- Dr. Frank Peter Mastiaux (Stuttgart) prägte die Energiewende
- Elvira Menzer-Haasis (Albstadt) engagiert sich für den Sport
- Landrat a. D. Dr. Klaus Michael Rückert (Loßburg) setzte sich für regionale Entwicklung ein
- Peter Scheidtweiler (Pforzheim) verbindet Wirtschaft, Kultur und Denkmalschutz
- Verena Schiltenwolf (Reichenbach an der Fils) engagiert sich für den Naturschutz
- Dr. Kurt Schmalz und Wolfgang Schmalz (Dornstetten) stehen für nachhaltige Industrieentwicklung
- Veronika Stoertzenbach (Stuttgart) prägte die Musikszene
- Ingeborg Tress (Hayingen) ist Pionierin der Biogastronomie
- Minister a. D. Franz Untersteller (Nürtingen) engagierte sich für Umwelt- und Klimaschutz
- Kammertänzer Friedemann Vogel (Stuttgart) begeistert weltweit im Ballett
Ministerpräsident Winfried Kretschmann dankte den geehrten Persönlichkeiten und betonte: „Sie sind Menschen, die in unserer Gesellschaft herausragen, weil sie sich einsetzen, die Initiative ergreifen, Besonderes leisten im Ehrenamt oder im Beruf. Sie gehen mit neuen Ideen und Mut voran, inspirieren und motivieren andere und kümmern sich um ihre Mitmenschen. Sie sind damit Vorbilder für andere.“
Musikalisch umrahmt wurde die feierliche Ordensverleihung vom Saxophon-Quartett des Landespolizeiorchester Baden-Württemberg.
Text: Elisabeth Rasch und Diana Rasch
Foto: Diana Rasch