- darunter auch Dr. Désirée Zercher von der Universität Mannheim
Für ihre exzellenten wissenschaftlichen Arbeiten hat der Arbeitgeberverband Südwestmetall am 22.04.2026 acht Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der baden-württembergischen Landesuniversitäten in Stuttgart mit dem Südwestmetall-Förderpreis 2026 ausgezeichnet.

Südwestmetall-Vorsitzender Peter S. Krause überreichte die Urkunde und das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro im Rahmen einer Feierstunde bei Südwestmetall in Stuttgart. Diese Dissertationen haben eine besondere Bedeutung für die industrielle Arbeitswelt und deren sozialpolitische Rahmenbedingungen. Erörtert werden die großen Fagen, die uns jetzt und zukünftig betreffen, KI und maschinelles Lernen, Energiewende, Nachhaltigkeit oder auch die Arbeit von morgen. Inzwischen wird der Südwestmetall-Förderpreis bereits seit 35 Jahren vergeben. Arne Braun, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst sprach ein Grußwort.

Dr. Désirée Zercher (links) von der Universität Mannheim erhielt die Auszeichnung für ihre exzellente Dissertation „Team-AI Collaboration: Three Essays Investigating the Effect of AI Team Members on Teaming Processes and Outcomes“ aus den Händen des Südwestmetall-Vorsitzenden Peter S. Krause (rechts) überreicht.

Dr. Désirée Zercher ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik von Prof. Dr. Armin Heinzl. Sie untersuchte wie sich durch die Integration generativer KI-Teammitglieder kollaborative Arbeits- und Entscheidungsprozesse verändern und welche Potenziale und Herausforderungen in hybriden Teams liegen, also Teams die aus menschlichen Mitarbeitenden und auch aus Künstlicher Intelligenz bestehen. Ihre Forschung hat gezeigt, dass KI Arbeitsabläufe beschleunigen und verbessern und überdies die teaminterne Entscheidungsfindung optimieren kann, aber auch dass Mitarbeiter das Wissen von KI-Systemen auch als intransparent, lückenhaft oder sogar irreführend wahrnehmen können - ihre Erkenntnisse sind wichtig für die Gestaltung einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. Dr. Zerchers Arbeit erfuhr breite internationale Anerkennung im Forschungsfeld zur Künstlichen Intelligenz im Arbeitsumfeld.
Dr. Moritz Wussow von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg forschte zu „Machine Intelligence for the Renewable Energy Transition,Prediction, Inference and Policy Advice“.

Dr. Moritz Wussow beschäftigte sich in seiner Doktorarbeit mit der Energiewende, analysierte u.a. mit Methoden des maschinellen Lernens Satellitenbilder und stellte fest, dass in weniger wohlhabenden Gegenden rund 67 Prozent weniger Solaranlagen zu finden seien als in reicheren, obwohl ein großes Potential für die Nutzung von Sonnenenergie vorhanden sei und er entwickelte eine neue KI-basierte Methode, die den monatlichen Stromverbrauch von Gebäuden vorhersagen kann.
Dr. Benjamin Biesinger von der Universität Hohenheim verfasste seine Dissertation zum Thema „Cultural change in servitization“.
Dr. Biesinger erforschte wie Unternehmen, die Hersteller von Maschinen und Anlagen sind, ihre Unternehmenskultur verändern können, so dass sie nicht mehr nur Produkte, sondern auch umfassende Dienstleistungen und Lösungen anbieten, wobei Serviceorientierung, digitale Technologien und kontinuierliches Lernen bedeutsam sind.
Dr. Rüdiger Schwendemann vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wurde für seine Dissertation „Hochdynamischer Netzemulator auf Basis eines Serien-Hybrid-Umrichters“ ausgezeichnet.

Seine Forschung trägt zur erfolgreichen Realisierung der Energiewende bei. Er entwickelte einen neuartigen Stromrichter und konnte so anhand von Messungen im Versuchsumfeld helfen, das Verhalten von Komponenten, die Schwankungen in Energieversorgungssystemen bewirken, besser zu verstehen.
Dr. Ann Sophie Lauterbach von der Universität Konstanz verfasste ihre Dissertation über das Thema „Exploring Where We Work: New Workplace Designs and their Impact on Employee Behavior“

Sie erforscht die Gestaltung moderner Arbeitsplätze im Hinblick auf das Verhalten und das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Wichtig sind ihre Erkenntnisse für Unternehmen, die sich an die veränderten Bedürfnisse der Mitarbeiter anpassen wollen und dabei die Auswirkungen auf Gesundheit, soziale Beziehungen und Leistung berücksichtigen müssen.
Dr. David Briesenick von der Universität Stuttgart forschte im Rahmen seiner Dissertation zum „Tiefdrücken zur effizienten Herstellung von Biegeformteilen aus hochfestem Stahlblech“.

Im Rahmen der Dissertation entwickelte Dr. Briesenick ein neuartiges Kaltumformverfahren zur effizienten und maßhaltigen Herstellung von Biegeformteilen aus hochfestem Stahlblech zur Realisierung von Leichtbaukonzepten.
Dr. Amirhossein Ershadi von der Eberhard Karls Universität Tübingen befasste sich mit „Machine Learning Frameworks for Predicting Contaminant Leaching and Sorption Dynamics in Environmental Matrices“

In seiner Dissertation erforschte Dr. Ershadi wie maschinelles Lernen zur Simulation des Schadstofftransports in Boden und Wasser eingesetzt werden kann und wie sich aus Kurzzeitversuchen das Langzeitverhalten von Schadstoffen mit hoher Genauigkeit vorhersagen lässt. Die Berechnung der Schadstoffausbreitung ließ sich in seinem Modell um den Faktor 1000 beschleunigen, was eine effizientere Bewertung von Versickerungs- und Verteilungsprozessen ermöglicht. Besonders interessant ist die Modellierung der Schadstoffverteilungsprozesse bei der Ausbreitung von PFAS, einer Schadstoffgruppe, die beständig in der Umwelt, den verschiedenen Bodentypen und Organismen verbleibt. Dr. Ershadi Arbeit erhielt die Bewertung summa cum laude und die Veröffentlichung war bereits kurz nach ihrem Erscheinen einer der meistgelesenen Artikel in der Fachzeitschrift Environmental Science & Technology.
Dr. Julian Kanz von der Universität Ulm untersuchte „System Concepts for Multistatic UAV-Borne Synthetic Aperture Radar“

Dr. Julian Kanz erforschte, wie zusammenhängende Radaraufnahmen und -messungen mithilfe von ganzen Drohnenschwärmen erstellt werden können und entwickelte Konzepte der Signalverarbeitung, die es den Drohnen eines Schwarms ermöglichen, drahtlos und zusammenhängend miteinander zu kommunizieren. Dr. Kanz erhielt für die Entwicklung dieser multistatischen Radarmesskonzepte die Bewertung „summa cum laude“.
Südwestmetall-Vorsitzender Peter S. Krause betonte, dass für den Erhalt unserer Technologieführerschaft Forschungsergebnisse noch besser in marktreife Produkte und Geschäftsmodelle überführt werden müssen und der Technologietransfer noch intensiviert werden müsse. Zudem sagte er, gerade in der Phase verschärften globalen Wettbewerbs und beschleunigter technologischer Entwicklungen komme es auf Innovationsstärke an. Daher brauche es auch eine klare Neuausrichtung der Innovations- und Industriepolitik, auch in Baden-Württemberg.
Text und Foto: Diana Rasch und Elisabeth Rasch