Stuttgart: 80 Jahre Südwesttextil: Tradition trifft Transformation, ein Verband im Zeichen von Krise und Zukunft
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Stuttgart: 80 Jahre Südwesttextil: Tradition trifft Transformation, ein Verband im Zeichen von Krise und Zukunft

 

 

Am 20. Mai 2026 feierte der Wirtschafts- und Arbeitgeberverband Südwesttextil e.V. im Stuttgarter Mercedes-Benz Museum sein 80-jähriges Bestehen.

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Mehr als 100 Vertreter der baden-württembergischen Textil- und Bekleidungsindustrie sowie Gäste aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft feierten den Geburtstag, bei dem der Blick weit über die historische Rückschau hinausreichte.

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v.l.: Keynote-Speaker Wolfgang Bosbach, der bekannte Jurist und ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete mit Südwesttextil-Präsident Bodo Th. Bölzle

Statt reiner Nostalgie prägten drängende zukunftspolitische Fragen und ein spürbarer Reformwille die Jahrestagung.

Vor der Kulisse von über 160 historischen Fahrzeugen zog der Verband eine Bilanz, die eng mit der Wirtschaftsgeschichte des deutschen Südwestens verwoben ist. Südwesttextil-Präsident Bodo Th. Bölzle blickte zurück auf die Entstehhungseschichte: Seit 1946 ist aus Baden und Württemberg, aus Textil und Bekleidung, ein gemeinsamer Verband zusammengewachsen. Eine starke Gemeinschaft, die besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zusammensteht.

Die aktuellen wirtschaftlichen Realitäten standen im Zentrum: Die Transformation zu nachhaltigen Kreislaufwirtschaften, hohe Energiepreise und bürokratische Hürden belasten die mittelständisch geprägte Industrie schwer. Die baden-württembergische Textil- und Bekleidungsindustrie verzeichnet Umsatzeinbußen. Sie befindet sich bei der Preisgestaltung und der technologischen Entwicklung in einem harten internationalen Wettbewerb, verschärft durch hohe Standortkosten und regulatorische Anforderungen. Die mittelständisch geprägte Industrie ist belastet durch die Transformation zu nachhaltigen Kreislaufwirtschaften, hohe Energiepreise und bürokratische Hürden.

Der politische Handlungsbedarf wurde formuliert: Um die Wettbewerbsfähigkeit und die industrielle Substanz und Wertschöpfung im Land zu halten, forderte das Präsidium verlässliche wirtschaftspolitische Leitplanken und Entlastungen statt immer neuer regulatorischer Verschärfungen.

Bodo Th. Bölzle sagte trotz aller wirtschaftlichen Herausforderungen auch: Wir werden – bei allen Herausforderungen – nicht in den Abgesang auf die Industrie einstimmen. Wir sind überzeugt von der Vielfalt der Industriezweige hier im Bundesland und, dass in der Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren, auch diese Krise bewältigt werden kann.

Klartext in der Krise

Wolfgang Bosbach, der bekannte Jurist und ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete analysierte als Keynote-Speaker unter dem Titel Krieg & Krisen – der neue Normalfall? Klartext bei Textil! die weltpolitische und wirtschaftliche Lage.

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In seiner gewohnt pointierten Art sparte Bosbach nicht mit deutlichen Worten zur aktuellen Lage der Bundespolitik und rief zu mehr Mut und Pragmatismus in der Wirtschaftspolitik auf. So lautete seine Botschaft an die anwesenden Unternehmer, dass Krisen zwar der neue Normalfall seien, die Anpassungsfähigkeit des Mittelstands jedoch der größte Trumpf in Zeiten von Unsicherheiten sei.

Ausgezeichnete Innovation: Awards für TEXHUB.WORLD

So zeigte sich schon am Tag nach der Jahresversammlung und im Jahr des Jubiläums, dass der Verband trotz aller Herausforderungen mutig vorangeht und neue Wege in der Nachwuchs- und Imagearbeit beschreitet. So wurde der Erfolg der verbandseigenen Plattform TEXHUB.WORLD mit Preisen bedacht. Das innovative Projekt, das die Textilindustrie über ein interaktives Browser-Game spielerisch mit moderner Berufsorientierung verknüpft, wurde beim renommierten Deutschen Preis für Onlinekommunikation (DPOK), dem wichtigsten Award für digitale Kommunikation im deutschsprachigen Raum, am 21. Mai 2026 in Berlin ausgezeichnet. In der Kategorie Digital Experience erhielt Südwesttextil den begehrten Award als Gewinnerprojekt und in der Kategorie Innovation des Jahres gab es zudem einen starken zweiten Platz. Der Preis zeigt eindrucksvoll, dass sich Mut zur Innovation in der Verbandskommunikation auszahlt und die Brücke zwischen Tradition und der digitalen Zukunft geschlagen wird.

Die Nutzer erleben bei der interaktiven Open-World-Experience textile Produkte, Berufsbilder und die textile Wertschöpfungskette als Game. Acht Quests, zehn Locations und mehr als 80 Charaktere aus Team Textil lassen die textile Welt plastisch werden. Begleitet wird das Spiel von rund 70 Unternehmen mit über 300 konkreten Stellenangeboten. Die Plattform kann von mobilen Endgeräten ohne Download oder Zugangsdaten unter www.texhub.world erreicht werden. Die Plattform konnte bereits über 300.000 Aufrufe verbuchen. Bei der dazugehörigen Kampagne konnten mehr als 200 Millionen Impressionen über alle bespielten Kanäle verzeichnet werden.

Hauptgeschäftsführerin Edina Brenner freute sich über die Bestätigung für den eingeschlagenen Kurs: Ursprünglich als Imagekampagne gedacht ist aus TEXHUB.WORLD ein Projekt geworden, bei dem wir völlig neue Wege gegangen sind – sowohl inhaltlich als auch strategisch in der Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedsunternehmen und Partnern. Dass dieser Ansatz beim Deutschen Preis für Onlinekommunikation gewonnen hat, ist für unser gesamtes Team eine besondere Anerkennung.

Rebekka Rüth, Kommunikationsleiterin bei Südwesttextil: Wir freuen uns sehr, den DPOK nach Baden-Württemberg zu holen. Mit TEXHUB.WORLD machen wir Textil auf eine neue Weise erlebbar und verbinden Gaming, Recruiting, Learning und Industriekommunikation in einer einmalig niedrigschwellig zugänglichen Plattform. Dieser Award ist eine enorme Wertschätzung für alle, die an TEXHUB.WORLD mitgewirkt haben.

Ein Verband blickt nach vorn

Nach der internen Mitgliederversammlung und dem offiziellen Teil nutzten die Gäste die Gelegenheit, bei exklusiven Museumsführungen den Bogen von den Anfängen der Industrialisierung bis zur Mobilität von morgen zu spannen.

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Spürbar wurde: Trotz des rauen ökonomischen Windes blickt die Branche nicht mutlos nach vorn.

Die Botschaft dieses 80. Jubiläums könnte lauten: Der Stoff, aus dem die Zukunft im Südwesten gemacht wird, ist hochgradig innovativ – vorausgesetzt, dass der Standort der Industrie den nötigen unternehmerischen Freiraum lässt.

Text und Foto: Diana Rasch und Elisabeth Rasch

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