Mannheim. Seit drei Jahren vertritt er Mannheim im Bundestag. Jetzt proben einige Parteifreunde den Aufstand gegen den CDU-Abgeordneten Nikolas Löbel. Der 34jährige kämpft gleich an zwei Fronten um seinen Ruf. Auch Schatten der Vergangenheit scheinen ihn

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Nikolas Löbel

Mannheim. Seit drei Jahren vertritt er Mannheim im Bundestag. Jetzt proben einige Parteifreunde den Aufstand gegen den CDU-Abgeordneten Nikolas Löbel. Der 34jährige kämpft gleich an zwei Fronten um seinen Ruf. Auch Schatten der Vergangenheit scheinen ihn einzuholen.

Zum einen steht er als Immobilieninvestor vor Gericht. Er soll einen Mieter nach erfolgloser Zivilklage rechtswidrig aus seinem Wohnhaus gedrängt haben und zudem zu hohe Mieten verlangt haben. Der Rechtsstreit ist bei den zuständigen Gerichten noch anhängig. Hier droht Löbel eine Schlappe. Zum anderen ist der langjährige Vorsitzende der Jungen Union Baden-Württemberg wegen Unklarheiten bei Raumanmietungen seiner privaten Firmen in der Mannheimer CDU-Kreisgeschäftsstelle ins Fadenkreuz von innerparteilichen Kritikern geraten. Zwei empörte Kreisvorstandsmitglieder sind aus Protest zurückgetreten, weil sie glauben, dass der Abgeordnete privates und politisches Geschäft unter dem Dach der CDU unrechtmäßig vermengt hätte.

Die Gegner des direkt gewählten Bundestagsmitglieds und CDU-Kreisvorsitzenden sorgen kurz darauf für einen weiteren Paukenschlag. Überraschend ziehen sie für die Wahlkreisversammlung am heutigen Freitag eine Gegenkandidaten aus dem Hut. Die Rechtsanwältin Maike-Tjarda Müller. Die 50jährige Bezirksbeirätin hatte vergeblich für den Mannheimer Gemeinderat kandidiert. Sie bezeichnet ihren Kontrahenten aufgrund der Vorwürfe aus den eigenen Reihen als "nicht mehr tragbar".

Da sowohl die beiden Kreisvorstände als auch die Bewerberin überschaubaren Einfluss in der Partei haben, glauben langjährige Mitglieder zu wissen, wer tatsächlich hinter dem versuchten Putsch gegen Löbel steht. "Da sind noch alte Rechnungen mit seinem Vorgänger in Berlin offen", so ein Insider. Der frühere Bundestagabgeordnete Egon Jüttner hätte, obwohl schon hochbetagt, vor drei Jahren gerne noch einmal kandidiert, doch Löbel setzte sich damals durch. Noch kurz vor der Bundestagswahl 2017 sprach der Ex-MdB seinem möglichen Nachfolger öffentlich die Qualifikation für eine Parlamentstätigkeit ab.

Nikolas Löbel selbst äußert sich zu solchen Gedankenspielen nicht. Er zeigt sich in Bezug auf seine Wohnungsaffäre aber einsichtig. "Ich habe meinen Instinkt in den vergangenen Wochen oft vermissen lassen", sagte er gestern gegenüber dem Metropoljournal. Bei der zu hohen Miete sei er seinem moralischen Anspruch als Politiker, der in der Öffentlichkeit steht, nicht gerecht geworden: „Ich musste eine dramatische Lernkurve mitmachen“.

Völlig anders bewertet der bislang als Hoffnungsträger der Union gehandelte Mannheimer das plötzliche Scherbengericht innerhalb der CDU. Dabei verweist er auf ein aktuelles Gutachten zu seinen Untermietverträgen in der CDU-Kreisgeschäftsstelle. Dieses unabhängige Gutachten habe beim Anmieten seines Geschäftsbüros unter derselben Anschrift keine Anhaltspunkte für Rechtsverstöße gesehen. "Ich bin mir sicher, dass ich mir strafrechtlich nichts habe zu Schulden kommen lassen", betont er. Das Verhalten der zurückgetretenen Vorstände wertet Löbel als "parteischädigend". Keiner der beiden habe jemals intern Kritik an den Mietverträgen geäußert. Aus den Medien habe er schließlich erfahren, was bemängelt werde. "Wir als CDU haben deshalb hier viel Vertrauen verspielt", sagt Löbel. Bei der Wahlkreisversammlung der CDU am heutigen Freitagabend will er verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und sein Mandat verteidigen.

Wolf H. Goldschmitt