Mannheim: Neue Informationsstele ergänzt Ludwig-Frank-Denkmal im Luisenpark
Am Ludwig-Frank-Denkmal im Unteren Luisenpark ist eine neue Informationsstele eingeweiht worden. Sie beleuchtet die vielschichtige Geschichte des Denkmals und lädt zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur ein.
Gemeinsam mit dem :contentReference[oaicite:0]{index=0} und der :contentReference[oaicite:1]{index=1} hat die Stadt :contentReference[oaicite:2]{index=2} am 30. Januar 2026 eine neue Informationsstele am Ludwig-Frank-Denkmal im Unteren Luisenpark der Öffentlichkeit übergeben. Das Denkmal befindet sich unterhalb der Bassermannstraße, nahe des Theresienkrankenhauses, und wird nun durch ein ergänzendes Element lokaler Geschichtsvermittlung erweitert.
Die Stele ist das Ergebnis einer engagierten Mannheimer Bürgerschaft. Eine Planungsgruppe, bestehend aus dem Mannheimer Morgen, dem Mannheimer Altertumsverein, der Universität Mannheim sowie dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold e.V., entwickelte das Konzept in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Mannheim, dem MARCHIVUM und der Kunsthalle Mannheim.
Kulturbürgermeister Thorsten Riehle hob bei der Übergabe die Bedeutung des Projekts hervor. Die neue Stele mache sichtbar, wie vielschichtig Erinnerung sein könne. Sie würdige Ludwig Frank als engagierten Demokraten und Pazifisten, verschweige jedoch nicht die komplexe und teils widersprüchliche Geschichte des Denkmals. Gerade vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Debatten sei eine offene, kritische und verantwortungsvolle Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte unverzichtbar.
Das ursprüngliche Ludwig-Frank-Denkmal wurde 1924 auf Initiative des demokratischen Verbands Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold errichtet. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde es zerstört. Seit 1950 steht an dieser Stelle die Skulptur „Jüngling mit Stab“ des Bildhauers Bernhard Bleeker. Dessen Biografie gilt aus heutiger Sicht als problematisch, da Bleeker NSDAP-Mitglied war und auf der sogenannten „Gottbegnadeten-Liste“ des Regimes stand. Diese Kontraste zwischen Künstler, Werk und dem demokratischen Vermächtnis Ludwig Franks bilden einen zentralen Ausgangspunkt der neuen Informationsstele.
Wer war Ludwig Frank?
:contentReference[oaicite:3]{index=3} (1874–1914) stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie und engagierte sich früh in der Mannheimer Kommunalpolitik. Er war Abgeordneter im badischen Landtag und später Mitglied des Reichstags. Frank setzte sich unter anderem für gleiche Bildungschancen, das allgemeine und freie Wahlrecht sowie gegen die koloniale Gewaltpolitik des Deutschen Reiches ein.
1904 gründete er in Mannheim den ersten Arbeiterjugendverein Deutschlands und initiierte 1913 ein internationales Parlamentariertreffen in der Schweiz. Trotz seines pazifistischen Engagements meldete sich Frank zu Beginn des Ersten Weltkriegs freiwillig zum Militärdienst und fiel wenige Wochen nach Kriegsbeginn. Sein Tod löste in Mannheim parteiübergreifend große Betroffenheit aus.
Den Anstoß zur heutigen kritischen Neubewertung gab der emeritierte Geschichtsprofessor Gottfried Niedhart, der 2021 auf die problematische Denkmalgeschichte aufmerksam machte. Aus diesem Impuls entwickelte sich die Projektgruppe, die schließlich zur Errichtung der neuen Informationsstele führte.
Begleitende Veranstaltungen
Begleitend zur neuen Stele sind mehrere öffentliche Veranstaltungen geplant. Am 8. Februar findet in der Kunsthalle Mannheim ein Vortrag von Prof. Dr. Christoph Zuschlag zur Denkmalsgeschichte statt, gefolgt von einem Gespräch mit dem Künstler Itamar Gov über den Umgang mit NS-Spuren im öffentlichen Raum. Am 26. Februar spricht zudem Prof. Dr. Philipp Gassert an der Universität Mannheim über Ludwig Frank als demokratischen Politiker in seiner Zeit und aus heutiger Perspektive.
Weitere Informationen zu Ludwig Frank sind auf der Website des MARCHIVUM abrufbar. Hinweise zu Terminen, Tickets und Veranstaltungsorten werden über die beteiligten Institutionen veröffentlicht.