Rhein-Neckar-Kreis: Gefährlicher als Heroin? Synthetische Opioide auf dem Vormarsch
Das Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises warnt vor der wachsenden Bedeutung synthetischer Opioide wie Fentanyl und Nitazene. Ein Expertenvortrag am 10. Februar in Heidelberg informiert über Risiken und Hilfsangebote.
Der Drogenmarkt in Deutschland befindet sich im Wandel. Darauf weist das Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises, das auch für die Stadt Heidelberg zuständig ist, in einer aktuellen Medieninformation hin. Neben bekannten Substanzen wie Heroin gewinnen synthetische Opioide zunehmend an Bedeutung. Dazu zählen unter anderem Fentanyl sowie Stoffe aus der Gruppe der Nitazene.
Als Gründe nennt das Gesundheitsamt die sinkende Verfügbarkeit von Heroin sowie den vergleichsweise günstigen Preis synthetischer Opioide, die häufig aus dem Ausland eingeführt werden. Diese Substanzen werden nicht nur eigenständig konsumiert, sondern auch anderen Drogen beigemischt. Ziel ist es, das Gewicht zu erhöhen, die Gewinnspanne zu maximieren und bei Konsumierenden schneller eine Abhängigkeit zu erzeugen.
Extrem hohe Wirkstärke mit tödlichen Risiken
Synthetische Opioide ahmen die Wirkung natürlicher Opiate wie Morphin oder Codein nach. Während Opioide in der Medizin bei sachgerechter Anwendung eine wichtige Rolle in der Schmerztherapie und Anästhesie spielen, besitzen sie bei missbräuchlichem Konsum ein hohes Abhängigkeitspotenzial.
Besonders problematisch ist die im Vergleich zu Heroin deutlich stärkere Wirkung vieler synthetischer Opioide. Fentanyl wirkt extrem potent und kann bereits in sehr geringen Mengen zu lebensgefährlichen Überdosierungen führen. Nitazene übertreffen die Wirkstärke von Heroin nach Einschätzung von Fachleuten sogar um das Hundertfache. Schon kleinste Dosen können einen Atemstillstand auslösen.
Hinzu kommt, dass insbesondere illegal im Internet vertriebene Präparate wie Tramadol oder Tilidin häufig falsch deklarierte Inhaltsstoffe enthalten. Viele Konsumierende unterschätzen die Risiken erheblich. Nach Einschätzung der Landeskriminalämter geht die steigende Zahl tödlicher Überdosierungen vor allem auf mit Fentanyl oder Nitazenen gestrecktes Heroin zurück.
Junge Menschen zunehmend betroffen
Oft erfolgt der Einstieg über vermeintlich harmlose Schmerzmittel wie Tilidin. Im Verlauf der Abhängigkeit wechseln Betroffene nicht selten zu deutlich stärkeren Opioiden. Die Folge ist ein stetig wachsender Anteil junger Opioidabhängiger in Substitutionspraxen, Suchtkliniken und Beratungsstellen, bislang vor allem in größeren Städten.
Eine verlässliche Einschätzung zur Verbreitung synthetischer Opioide in der Rhein-Neckar-Region ist schwierig, da nur ein Teil der Konsumierenden professionelle Hilfe in Anspruch nimmt. Umso wichtiger sei es, über vorhandene Hilfsangebote zu informieren, betont die Kommunale Suchtbeauftragte des Rhein-Neckar-Kreises, Christine Köhl. Beratungs- und Behandlungsangebote seien kostenfrei und unterlägen der Schweigepflicht.
Beherztes Handeln im Notfall entscheidend
Bei Verdacht auf eine Überdosierung besteht akute Lebensgefahr. Die Leiterin des Gesundheitsamts, Dr. Anne Kühn, mahnt eindringlich, bei Symptomen wie Atemstillstand oder Bewusstlosigkeit sofort den Notruf 112 zu wählen. Rettungskräfte sowie medizinisches Personal unterliegen der Schweigepflicht.
Lebensrettend kann zudem die frühzeitige Gabe des Notfallmedikaments Naloxon sein, das als Nasenspray verfügbar ist. Drogenkonsumierende können hierfür ein ärztliches Rezept erhalten. Ergänzend bietet ein Online-Training Informationen zum Umgang mit Drogennotfällen.
Informationsveranstaltung in Heidelberg
Um über die Risiken synthetischer Opioide aufzuklären, findet am Dienstag, 10. Februar 2026, um 18 Uhr im Carl-Winter-Saal in der Plöck 18 in Heidelberg ein Fachvortrag statt. Unter dem Titel Synthetische Opioide: Sind wir gewappnet? Was rollt auf uns zu? referiert Dr. Heiko Bergmann vom IFT Institut für Therapieforschung München. Im Anschluss ist eine Podiumsdiskussion geplant.
Die Veranstaltung wird von der AG Sucht Heidelberg und dem Rhein-Neckar-Kreis organisiert und richtet sich an Fachkräfte sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger.