Universitätsklinikum Heidelberg baut Geburtshilfe aus: Hochspezialisierte Versorgung und individuelle Betreuung

Heidelberg,

28

August

2025

 

Die Zahl der Risikoschwangerschaften in Deutschland steigt. So wird es immer wichtiger, dass Mütter und ihre Kinder rund um die Geburt qualifiziert versorgt werden können, sollten Komplikationen auftreten. Alle Möglichkeiten der modernen Medizin und die entsprechende Sicherheit bietet das Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) als Level 1 Perinatalzentrum mit spezialisierten Ärztinnen, Ärzten, Hebammen und Pflegekräften. Aktuell baut das UKHD seine Geburtshilfe aus. Neben hochmoderner Diagnostik und Versorgung liegt dabei der Schwerpunkt auf einer persönlichen und familienorientierten Betreuung für alle werdenden Mütter: Frauen mit komplikationsfreiem Schwangerschaftsverlauf sind im UKHD ebenso gut aufgehoben wie Schwangere, bei denen ein Risiko besteht.

Von Risikoschwangerschaften sprechen Medizinerinnen und Mediziner dann, wenn die Mutter zum Beispiel an Diabetes, Bluthochdruck oder anderen chronischen Erkrankungen leidet, gutartige Veränderungen der Gebärmutter vorliegen, die Mutter beim ersten Kind über 35 Jahre alt ist oder Zwillinge beziehungsweise Mehrlinge erwartet. „Eine gute Vorsorge kann das Risiko, dass während einer solchen Schwangerschaft Komplikationen auftreten, geringhalten. Falls dennoch kritische Situationen eintreten oder beim ungeborenen Kind Auffälligkeiten entdeckt werden, steht am UKHD rund um Uhr ein interdisziplinäres Experten-Team bereit, um Mutter und Kind mit der geballten Kompetenz der modernen Medizin bestmöglich zu versorgen“, sagt Prof. Dr. Oliver Zivanovic, Ärztlicher Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des UKHD.

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Ultraschall-Untersuchung einer Schwangeren im UKHD mit einem hochmodernen Ultraschallgerät, das dreidimensionale Farbansichten auch feinster Strukturen liefert und dank dieser Detailtiefe sehr frühe Diagnosen erlaubt.

Frühe und sichere Diagnosen

„Für eine präzise und umfassende Diagnostik setzen wir unter anderem auf leistungsfähige Geräte, damit wir den Fetus auf mögliche Erkrankungen und Fehlbildungen untersuchen können“, sagt Prof. Dr. Cahit Birdir, der neue Direktor der Geburtshilfe und Pränatalmedizin und W3 Professor an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg. Um vorgeburtliche Untersuchungen weiter zu verbessern, hat er mit seinem Team vor kurzem ein hochmodernes KI-unterstütztes Ultraschallgerät in Betrieb genommen, das selbst feinste Gefäßstrukturen dreidimensional und in Bewegung zeigen kann. „Das erleichtert es uns, sichere Diagnosen zu stellen auch bei komplexen Organen wie Herz oder Gehirn“, so Birdir. Sichere Ergebnisse sind für die werdenden Mütter und Väter wichtig: „Für Eltern ist es eine enorme Erleichterung, wenn wir Fehlbildungen schon sehr frühzeitig ausschließen können“, betont Birdir. Werden Auffälligkeiten entdeckt, arbeitet das Team mit Fachleuten aus medizinischen Bereichen wie Neonatologie, Kinderchirurgie, Kinderkardiologie, Kinderherzchirurgie, Kinderneurologie, Kinderneurochirurgie und Humangenetikern zusammen, um weitere diagnostische Schritte oder eine nachgeburtliche Behandlung des Kindes zu planen.

„Offenen Rücken“ im Mutterleib operieren und schweren Folgeschäden vorbeugen

Bei einigen Fehlbildungen kann das UKHD-Team Kinder sogar vor der Geburt behandeln. „In der Fetalen Therapie haben wir bereits große Expertise und werden unsere Möglichkeiten hier noch weiter ausbauen, damit Kinder sich möglichst normal entwickeln können“, erläutert Birdir. Unter anderem operiert das Ärzteteam vom Heidelberger Zentrum für Fetale Therapie des UKHD noch im Mutterleib den sogenannten „Offenen Rücken“ (Spina bifida aperta oder Myelomeningocele). Bei dieser Fehlbildung ist das Rückenmark des Kindes nicht verschlossen, was nach der Geburt zu schweren Beeinträchtigungen führt: Häufig sind die Funktion von Blase und Darm gestört, die Beine gelähmt, die Kinder entwickeln einen Wasserkopf und Teile des Kleinhirns sind in den Wirbelkanal verschoben. „Durch eine Operation im Mutterleib lassen sich die geistige und motorische Entwicklung des Kindes wesentlich verbessern und Komplikationen verringern“, so Birdir. Ebenfalls vor der Geburt behandelt das Heidelberger Team bei dem sogenannten feto-fetalen Transfusionssyndrom: Dabei teilen sich Zwillinge in der Gebärmutter eine gemeinsame Plazenta, wobei das Blut ungleich verteilt werden kann – ein Kind bekommt zu viel Blut, das andere zu wenig. Mit einem speziellen Laser trennen die Ärztinnen und Ärzten des UKHD die Blutkreisläufe der Feten, damit beide Kinder die jeweils benötigte Menge Blut erhalten.
 

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Die stolzen Eltern Yadav und Anita Gauli Upreti mit Prof. Dr. Cahit Birdir (von links nach rechts) rechts) mit den Drillingen Ayan, Amule und Yan in der Klinik für Neonatologie des UKHD, wo die Kinder nach der Geburt versorgt wurden. Gleich in seinen ersten Arbeitstagen am UKHD konnte Birdir gemeinsam mit seinem Team die Geschwister wohlbehalten entbinden. Pro Jahr gibt es am UKHD eine Handvoll Drillingsgeburten, meist per Kaiserschnitt.

Routiniert bei Mehrlingen 

Ein weiterer Schwerpunkt des Geburtshilfe-Teams am UKHD ist es, Mehrlings-Schwangerschaften und -Geburten zu betreuen. Passend dazu durfte Cahit Birdir gleich in den ersten Arbeitstagen nach seinem Start am UKHD gesunde Drillinge per Kaiserschnitt entbinden. „Das bleibt ein ganz besonderer Moment, auch wenn ich viel Routine habe nach vielen Drillingsgeburten, die ich bisher begleitet habe“, berichtet Birdir. Im Heidelberger Universitätsklinikum gibt es pro Jahr in der Regel etwa fünf Drillingsgeburten. Meist kommen die Kinder dabei deutlich zu früh auf die Welt. Ähnlich ist es bei Zwillingen. Ziel der Behandlung ist es dann, die Geburt soweit möglich hinauszuzögern, dass die Kinder sich gut entwickeln können. Sobald sie auf der Welt sind, kümmern sich die Neugeborenen-Expertinnen und Experten der Kinderklinik des UKHD darum, dass die Babys die bestmöglichen Chancen für den Start ins Leben bekommen. Mit großer Erfahrung versorgt das Ärzte- und Pflegeteam der Klinik für Neonatologie Frühgeborene ab Schwangerschaftswoche 22.

Geburten individuell gestalten 

Die geburtshilfliche Expertise steht am UKHD für alle werdenden Mütter bereit. Das bedeutet auch, dass neben spezialisierten Frauenärztinnen und -ärzten rund um die Uhr auch erfahrene Anästhesistinnen und Anästhesisten vor Ort sind, falls werdende Mütter eine Periduralanästhesie (PDA) erhalten möchten. „Zur Schmerzlinderung bieten wir unterschiedliche Verfahren, von speziellen Atemtechniken, Aromatherapie, Akupunktur sowie Homöopathie über Medikamente bis hin zur PDA an“, erläutert die Leitende Hebamme Kristina Marmé. Das interprofessionelle Kreißsaal-Team legt generell viel Wert darauf, die Wünsche der Frauen möglich zu machen. „Wir möchten ihnen Sicherheit geben und sie in dieser besonderen Situation unterstützen. Deshalb gehen wir so individuell wie möglich auf ihre Vorstellungen ein, beispielswiese bei der Geburtsposition“, so Marmé. Die hellen, freundlichen Kreißsäle bieten verschiedene Möglichkeiten wie Betten, Liegestätten, Pezziball oder Gebärseile. Die Schwangeren können auch problemlos mobil bleiben und die Position wechseln. Möglich macht das eine kabellose CTG-Überwachung der Herztöne mittels Telemetrie. Auch ein Entspannungsbad oder die Geburt in einer der modernen Entbindungswannen ist möglich.

Nach der Geburt lernen sich Babys und Mütter im geschützten Rahmen der Wochenbettstation kennen – dank familienorientierter Betreuung sowie Rooming-in und Familienzimmern sind auch Partner willkommen. Um alle Themen rund ums Stillen und Brustpflege kümmern sich spezialisierte Stillberaterinnen, das Physiotherapie-Team unterstützt die Mütter unter anderem mit Beckenbodengymnastik. Auch wenn die Hochleistungsmedizin im UKHD jederzeit für alle Fälle bereitsteht, kommen die meisten Babys dort ganz ohne größere medizinische Intervention auf die Welt – dafür aber mit viel persönlicher Betreuung.