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Die Sportwoche gratuliert Reiner Hollich zum 65. Geburtstag

(Foto: SpoWo) 65 Jahre alt - Geburtstagskind Reiner Hollich
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Es gibt im Mannheimer Fußball nicht viele, die seinen Bekanntheitsgrad haben – Reiner Hollich, ein „Ur-Waldhöfer“, der heute, am 11. November, seinen 65. Geburtstag feiert. 60 Jahre von diesen 65 gehört der SV Waldhof zu seinem Leben. Reiner Hollichs erste Station als Fußballspieler war der Waldhof und seine – bisher – letzte Station als Trainer war ebenfalls der Waldhof.

Reiner Hollich war gerade einmal fünf Jahre alt, da beobachtete Horst Pionkowski, der damalige Jugendtrainer des SV Waldhof, wie der kleiner Reiner auf einer Wiese hinter der Wohnung seiner Großeltern, in der Waldstraße, mit dem Fußball jonglierte und beim Dribbling Büsche umspielte. Pionkowski erkannte das Talent des Jungen und nahm ihn mit zum Waldhof.

Ob das nicht etwas früh war, fragten wir Reiner Hollich in unserem Interview kurz vor seinem Geburtstag. Er winkt ab und lacht: „Ach was, das war nicht zu früh. Es stimmt, viele Jungs kamen erst mit sechs oder sieben zum Waldhof, aber die konnten in dem Alter halt noch nichts. Nein, Spaß beiseite, es gab damals beim Waldhof noch keine E-Jugend, Horst Pionkowski ließ mich dann bei der D 3 mittrainieren, bald darauf spielte ich aber in der D 1.“

Reiner Hollich durchlief die Jugendmannschaften des SV Waldhof und schaffte es später in der 1. Mannschaft bis hinauf in die 2. Bundesliga Süd, in der er bis 1978 22. Spiele bestritt. Danach wechselte er zum SV Sandhausen und drei Jahre später zum SV 98 Schwetzingen. ASV Feudenheim, TSV Viernheim und Viktoria Neckarhausen waren gegen Ende seiner aktiven Karriere Stationen im Amateurbereich.

Es war keine Frage, dass es nach seiner aktiven Zeit mit dem Fußball nicht vorbei war, daher war es nur logisch, dass aus dem Spieler Hollich irgendwann der Trainer Hollich wurde. 1988 fragte ihn Günter Sebert, ob er sich vorstellen könnte, die Waldhof-Amateure zu trainieren. Dieses Traineramt übte er bis 1994 aus und übernahm anschließend die SG Oftersheim, die unter ihm den Aufstieg von der Verbandsliga in die Oberliga Baden-Württemberg schaffte. Aufstieg – dieses Ziel hatte Reiner Hollich immer vor Augen, wenn er ein Traineramt antrat. Er wollte immer das Optimum schaffen, eine Mannschaft entwickeln und immer das höchste Ziel erreichen, das realistisch möglich ist. Auch mit der TSG Weinheim schaffte er 2003 den Aufstieg von der Verbandsliga in die Oberliga.

Sein größter Erfolg als Trainer sollte aber erst noch kommen – mit dem SV Waldhof. 2009 holte ihn Günter Sebert, zu diesem Zeitpunkt Sportlicher Leiter beim SV Waldhof, zurück an den Alsenweg, zunächst wieder als Trainer für die Amateure. Ein Jahr später, beerbte er dann den Trainer der 1. Mannschaft, Walter Pradt, dessen Vertrag nicht verlängert worden war. Der Waldhof spielte nach dem Lizenzentzug in der Saison 2010/2011 in der Oberliga, aber Reiner Hollich schaffte mit seinem Team am Saisonende den direkten Wiederaufstieg in die Regionalliga.

Reiner Hollich als Waldhof-Trainer
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Mit der Waldhof-Ikone Günter Sebert verbindet Reiner Hollich eine langjährige Freundschaft. Das Tandem Sebert/Hollich arbeitete gut zusammen, aber 2013 stellte das Präsidium um Steffen Künster den Sportlich Leiter frei, um Jürgen Kohler die Sportliche Leitung bei den Blau-Schwarzen zu übertragen. Daraufhin entschied auch Reiner Hollich, sein Traineramt aufzugeben. Diese Entscheidung sieht er im Nachhinein als „vielleicht etwas übereilt getroffen“, an. „Vielleicht war das ein Fehler“, räumt er heute ein. „Ich hätte vielleicht eine Nacht darüber schlafen sollen. Auch Günter Sebert versuchte mich davon abzuhalten und meinte, dass seine Freistellung nichts mit mir zu tun hätte. Aber Günter Sebert und ich sind zwei Jahre zuvor gemeinsam angetreten, um beim Waldhof etwas zu bewegen, etwas zu schaffen. Und mit dem Aufstieg in die Regionalliga haben wir es ja auch geschafft. Nachdem Günter entlassen war, fühlte ich mich moralisch verpflichtet, mich ihm gegenüber loyal zu verhalten.“

Aus diesen Worten spricht der Mannschaftsspieler, der Reiner Hollich immer war. Immer ging ihm das Team um alles. Während der Saisonvorbereitung oder auch bei Vorbereitungsspielen war das Wort „Urlaub“ für ihn tabu. Das erwartete er auch von seinen Spielern und stieß damit manchmal auch auf Unverständnis. Aber um Ziele zu erreichen, um Erfolg zu haben, ist eine solche Einstellung einfach notwendig. Dies stellte er ein weiteres Mal beim VfB Gartenstadt unter Beweis, als er mit dem Landesligisten 2017 den Aufstieg in die Verbandsliga schaffte. Ein Jahr später schloss sich dann der Kreis und Reiner Hollich kehrte ein drittes Mal zum SV Waldhof zurück, als Trainer der U19.

„Ich fühle mich als echter Waldhöfer“ sagt er aus Überzeugung. „Ich fühle eine große Zugehörigkeit zu diesem Verein. Ich bin beim SV Waldhof groß geworden und bin hier aufgewachsen – der Waldhof ist im Grunde mein Leben.“

Wie erlebt er dann diese fußballlose Zeit in Zeiten von Corona?
„Das ist wirklich keine schöne Zeit. Man kann nicht zu den Spielen ins Stadion und die unteren Klassen spielen auch nicht. Und wenn doch einmal ein paar hundert Zuschauer ins Carl-Benz-Stadion dürfen, herrscht dort keine Stimmung, wenn das Stadion fast leer ist. Auch die unteren Klassen spielen nicht … Man hat plötzlich viel freie Zeit, aber wie soll man die nutzen, wenn man nirgends hingehen kann, noch nicht einmal ins Fitness-Studio.“

Was müsste ein Verein bieten, damit Reiner Hollich wieder ein Traineramt übernehmen würde?
„Wenn ich ehrlich bin, würde es mir inzwischen schon wieder gefallen, an der Seitenlinie zu stehen. Die Ligazugehörigkeit spielt noch nicht einmal die entscheidende Rolle. Es müsste ein Verein sein, der eine Perspektive hat, mit einer Vereinsführung, die eine Vision hat und die realistische Ziele hat. Und natürlich eine Mannschaft, die Entwicklungspotenzial hat – dann könnte ich mir schon vorstellen, noch einmal eine solche Aufgabe zu übernehmen.“

Welches Fazit kann Reiner Hollich nach seinem bisherigen – langen – Fußballleben ziehen?
„Ich hatte im Großen und Ganzen schöne Zeiten, als Spieler und als Trainer – und ich hatte Erfolg. Vielleicht hätte ich, zumindest von 2011 bis 2013, als ich den SV Waldhof in der Regionalliga trainierte, darauf drängen sollen, mir zu ermöglichen, das Traineramt als Fulltime-Job auszuüben. So hatte ich die Doppelbelastung von Beruf und Traineramt. Ich ging morgens um 6 Uhr zur Arbeit, danach zum Training und kam nicht vor 20 Uhr nach Hause. Das war manchmal schon großer Stress. Aber ich kann im Grunde nur ein positives Fazit ziehen.“

Seit vielen Jahren nennt man ihn auch „Fußball-Professor“. Wie kam es dazu?
„Das kommt noch aus der Verbandsligazeit. Wir spielten beim FC Walldorf und ich hatte in der Mannschaft einige Umstellungen vorgenommen. Ich habe schon immer gerne verschiedene Spielsysteme ausprobiert und hatte mir damals ein paar taktische Finessen ausgedacht, die an diesem Tag so gut funktionierten, dass wir 7:2 gewannen. Nach dem Spiel interviewte mich der Sportjournalist, Wolfgang Brück, von der Rhein-Neckar-Zeitung, und wollte wissen, wie ich auf diese oder jene Umstellung gekommen sei. In seinem Bericht bezeichnete er mich dann als Fußballprofessor. So entstand das damals.“

Wie werden Sie heute Ihren 65. Geburtstag feiern?                                                                                                            „Leider kann man derzeit ja nicht groß feiern. Am Abend werde ich etwas zu essen bestellen und mit meiner Frau gemütlich zu Abend essen. Wenn dann alles wieder `normal` ist, werde ich mit meiner Stammtischrunde den Geburtstag nachfeiern."

Wir wünschen Reiner Hollich zu seinem 65. Geburtstag alles Gute, dass er dem Fußball noch lange erhalten bleibt und dass wir ihn bald wieder als Trainer an der Seitenlinie stehen sehen.

 Gerhard Mertin

 

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