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SV Sandhausen – Hannover 96 4:2

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Sandhausen holte zweiten Sieg innerhalb von vier Tagen und verlässt die Abstiegsränge
(GM) Mit 4:2 schlug der SV Sandhausen am Sonntagnachmittag Hannover 96 und holte sich damit wichtige Punkte zum Klassenerhalt. Die Führung für Sandhausen, durch Biada, drehte Hannover nach einer guten Stunde, nach Treffern von Muslija und des eingewechselten Sulejmani, doch nur wenige Minuten später konnte Behrens per Elfmeter für die Hardtwälder ausgleichen. Keita-Ruel brachte die Gastgeber wieder in Führung und Behrens sorgte mit dem 4:2 für die endgültige Entscheidung.

Vor dem Anpfiff begrüßen sich Hannovers Trainer, Kenan Kocak, sowie die SVS-Coaches Gerhard Kleppinger und Stefan Kulovits, sehr herzlich. Die gemeinsame Zusammenarbeit – von 2016 bis 2018 liegt schließlich noch nicht so lange zurück.
Sandhausen beginnt mit der gleichen Startelf, wie gegen den HSV und versucht den Spielaufbau der 96er gleich früh zu stören. In der 3. Minute geht es zum ersten vielversprechend gegen das Tor der Hannoveraner, aber die Flanke von Diekmeier bringt noch keine Gefahr. Im Gegenzug zwingt Haraguchi mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze, SVS-Schlussmann Kapino zu einer ersten Parade.

In der Folge hat Hannover zwar etwas mehr Ballbesitz, kann daraus aber gegen die aufmerksame Sandhäuser Abwehr kein Kapital schlagen. Das Spiel ist früh von vielen Zweikämpfen geprägt; schon in der 11. Minute holt sich Taffertshofer die Gelbe Karte ab, nach einem Foul an Muslija. Wenig später muss Hannover bereits wechseln, Franke hat sich verletzt, für ihn kommt Falette (16.). Hannover wird druckvoller und Sandhausen hat Mühe aus der eigenen Hälfte zu kommen. In der 25. Minute sorgt Behrens für Entlastung, mit einem Tempogegenstoß, der von Elez nur mit einem Foul unterbunden werden kann – Gelb für den Hannoveraner, Freistoß für Sandhausen. Biada legt sich den Ball zurecht und trifft direkt zum 1:0. 96-Torhüter Esser war zwar noch dran, muss den Ball aber passieren lassen (26). Unhaltbar schien der Treffer nicht.

Fast hätte Behrens in der 30. Minute nachgelegt, aber sein Schuss aus spitzem Winkel geht knapp am langen Pfosten vorbei. Eingeleitet hatte den Angriff Biada, mit einem klasse Steckpass. Eine Minute später versucht es Haraguchi aus der zweiten Reihe, verfehlt aber ebenfalls das Tor knapp. Der nächste Versuch von Haraguchi wird von Diekmeier abgeblockt (35.). Dann sieht auch Zenga die Gelbe Karte, nach einem Foul an Duksch (39.). Freistoß für Hannover, etwas 20 Meter vor Kapinos Tor. Muslija läuft an und zirkelt den Ball zum 1:1 ins rechte Eck – ähnlich wie auf der anderen Seite, sah auch hier der Keeper nicht besonders gut aus (42.).           Zwei Tore aus zwei Standards, irgendwie bezeichnend für dieses Spiel, herausgespielte Möglichkeiten gab es kaum. Nach einer Minute Nachspielzeit pfiff der Unparteiische zur Pause. Hannover hatte sich den Ausgleich durchaus verdient.

Beide Teams kommen unverändert aus den Kabinen, aber nach fünf Minuten sieht es aus, als könnte Diekmeier nicht weitermachen. Der SVS-Kapitän hatte nach einem Sprint zu humpeln begonnen und muss behandelt werden. Zu Glück geht es für ihn weiter und prompt haben die Hardtwälder die erste Chance im zweiten Spielabschnitt. Biada spielt Behrens im Strafraum an, aber die Sandhäuser Sturmspitze scheitert an 96-Keeper Esser (51.). Kurz darauf gibt es die nächste Gelbe Karte für Sandhausen, dieses Mal für Kister, der Weydandt am Oberschenkel trifft (53). Und nur fünf Minuten später sieht auch Nauber Gelb, der Muslija umsenst – ganz offensichtlich hat Sandhausen den Abstiegskampf angenommen.

In der 59. Minute wechselt Hannover zum zweiten Mal, für Weydandt kommt der Ex-Waldhöfer, Valmir Sulejmani. Kenan Kocak bewies damit ein gutes Händchen, denn nur vier Minuten nach seiner Einwechselung trifft Sulejmani zum 1:2, nachdem ihm Kister beim Klärungsversuch den Ball unglücklich „aufgelegt“ hatte (63.).
Kleppinger und Kulovits reagieren und bringen zwei frische Spieler, Linsmayer und Bachmann kommen für Nauber und Taffertshofer (64.).

Die Freude über die Führung währt für Hannover nur wenige Minuten: Keita-Ruel nimmt eine Flanke von Biada volley, trifft aber nur den Querbalken, den Abpraller will Kister aufs Tor köpfen, aber Falette will mit hohem Bein klären und trifft den Sandhäuser – Elfmeter und Gelb für Falette. Behrens schnappt sich den Ball und verwandelt sicher und platziert zum 2:2 – die Partie ist wieder offen (68.).

Dann wechselt auch Hannover zweifach, Maina und Basdas ersetzen Muslija und Kaiser (74.). Und nur eine Minute später hat Hannover die Chance zur erneuten Führung, aber dieses Mal reagiert Kapino blitzschnell und wehrt den Schuss von Muroya ab. Kurz darauf bedient auf der anderen Seite Behrens den gut postierten Keita-Ruel, doch dessen Lupfer fängt Esser problemlos ab. Das Spiel ist jetzt völlig ausgeglichen und steht praktisch auf Messers Schneide. Und plötzlich geht der SV Sandhausen in Führung, der stark spielende Biala zieht von der linken Seite wuchtig ab, Esser pariert, aber genau vor die Füße von Keita-Ruel, der keine Mühe hat, zum 3:2 einzunetzen. Riesenjubel bei den Hardtwäldern.

Contento und Esswein, die für Zenga und Biada kommen, sollen helfen, die Führung über die Zeit zu retten (84.). Hannover drängt nun auf den Ausgleich, aber Sandhausen versucht den Gegner vom eigenen Tor wegzuhalten. Ein Foul von Hult an Keita-Ruel bringt wertvolle Sekunden, da Keita-Ruel behandelt werden muss (87.). Es gibt viel Minuten obendrauf und in der ersten Minute der Nachspielzeit entscheidet Behrens das Spiel. Nach Pass von Contento zieht Behrens von der Strafraumgrenze ab und trifft zum 4:2. Die Messe ist gesungen.

Nach einem Frustfoul von Basdas, der dafür Gelb sieht, muss Zhirov vom Platz, für ihn kommt Paurevic (90.+3). Gleich danach ist Schluss und die Punkte sind im Kasten. Sandhausen schiebt sich auf Platz 15 hoch und steht nun über der Abstiegszone.

SV Sandhausen - Hannover 96 4:2 (1:1)
Sandhausen: Kapino - Nauber (64. Bachmann), Kister, Zhirov (90.+3 Paurevic), Diekmeier, Taffertshofer (64. Linsmayer), Zenga (83. Esswein), Nartey, Biada (83. Contento), Keita-Ruel, Behrens
Hannove: Esser - Muroya, Franke (16. Falette), Elez, Hult, Bijol, Kaiser (75. Basdas), Muslija (74. Maina), Haraguchi, Weydandt (59. Sulejmani), Ducksch
Tore: 1:0 Biada (26.), 1:1 Muslija (42.), 1:2 Sulejmani (63.), 2:2 Behrens (68./FE.), 3:2 Keita-Ruel (81.), 4:2 Behrens (90.+1)
Schiedsrichter: Florian Badstübner, Windsbach

Die Stimmen zum Spiel:

Jürgen Machmeier: Der Sieg heute war wieder geprägt von Gier und Leidenschaft, von der Mentalität. Die Mannschaft hat niemals aufgegeben. Wir könnten bis in die Nachspielzeit hinein nachlegen. Man hatte eher das Gefühl, dass der Gegner platt war, und nicht wir. Das ist nach der Quarantäne, die wir hinter uns bringen mussten, verwunderlich und gleichzeitig auch sensationell. Wir können unheimlich stolz darauf sein, was Gerhard Kleppinger und Stefan Kulovits aus der Mannschaft herausgeholt haben. Man sieht jetzt, was in der Mannschaft steckt. Wir haben zwar noch gar nichts erreicht, stehen aber in der Tabelle jetzt auf jenem Platz, den wir nun mit allem, was uns zur Verfügung steht, verteidigen wollen. Dafür müssen wir die nächsten Spiele genauso bestreiten wie heute. Wir haben uns in eine Situation gebracht, in der wir es selbst in der Hand haben, am Ende der Saison über dem Strich zu landen, dürfen aber nicht nachlassen.

Volker Piegsa: Es war eine ausgeglichene erste Halbzeit. Mit dem 1:2 haben wir uns etwas unglücklich selbst in Bedrängnis gebracht in der zweiten Hälfte. Ab diesem Moment hat die Mannschaft aber wieder eine sensationelle Moral bewiesen und sich in die Partie reingekämpft. Leidenschaft, Gier, Wille – alles war vorhanden. Das 2:2 war die gerechte Belohnung, danach hat die Mannschaft gespürt, dass heute mehr drin ist. Zum Glück ist uns dann noch das 3:2 gelungen. Am Ende ist es ein verdienter. Ein Riesenschritt für uns nach vorne. Totgesagte leben länger, wir haben uns zurückgekämpft, müssen aber die Kirche im Dorf lassen. Wir haben noch fünf schwere Spiele vor uns und müssen auch dort alles reinlegen, sind aber voller Überzeugung, dass wir es schaffen werden.

Mikayil Kabaca: Die Mentalität, die die Mannschaft heute an den Tag gelegt hat, war sensationell. Wir wissen, dass wir viele Körner gegen den HSV liegen gelassen haben. Drei Tage später gegen ein Team wie Hannover 96, das spielerisch über so viel Qualität verfügt, so aufzutreten, einen Rückstand aufzuholen, was uns in dieser Saison auch noch nicht gelungen ist – dafür kann man der Mannschaft nur ein Riesenkompliment machen. Sie hat die Quarantäne angenommen, sie arbeitet aktuell sehr hart, auch mental. Dann kommen die spielerischen Elemente irgendwann von selbst. Wir sind allerdings noch lange nicht am Ziel und stehen noch vor einigen harten Wochen, haben aber nun die Basis gelegt und freuen uns auf die kommenden Spiele.

Gerhard Kleppinger: Wir wussten, dass Kenan Kocak seine Mannschaft perfekt auf den Gegner einstellen kann, das haben wir in der ersten Hälfte gespürt. Wir haben den Gegner nicht so gut in den Griff bekommen, sind dennoch mit einem Freistoß in Führung gegangen, mussten aber auch einen Freistoßgegentreffer hinnehmen. Beim 1:2 nach der Pause haben wir etwas schludrig verteidigt. Wir sind aber direkt mit dem 2:2 zurückgekommen. Danach hat unser Torhüter Kapi sehr gut gehalten und noch einige Situationen der Hannoveraner vereitelt. Wie die Mannschaft aber dann mit dem unbedingten Willen und der Gier das Spiel unbedingt umdrehen wollte, dafür müssen wir uns bei unserem Team recht herzlich bedanken.

Kevin Behrens: Es ist überragend, dass wir aus den zurückliegenden beiden Spielen sechs Punkte geholt haben. Wir haben heute auch nach dem Rückstand weiter Gas gegeben und an uns geglaubt. Es geht am Mittwoch aber direkt weiter, wir müssen wieder gut regenerieren und dann schauen, was am Mittwoch für uns drin ist.

Julius Biada: Es war heute ein Kraftakt. Wo wir gerade die Kraft herholen, wissen wir teilweise gar nicht. Wir freuen uns einfach darüber, dass wir wieder kicken dürfen. Der Sieg gegen den HSV hat uns schon unheimlich viel Kraft gegeben. Wir sind auch heute wieder über den Punkt drüber gegangen, an dem eigentlich nichts mehr geht. Ich bin natürlich glücklich, dass mein Freistoßtreffer ein wenig der Dosenöffner für unser Spiel war. So ein Spiel 4:2 zu gewinnen, ist ein natürlich ein Kracher. Aber auch dafür gibt es nur drei Punkte. Wir haben jetzt wieder ein schwieriges Spiel in Fürth vor uns. Aber in der unserer aktuellen Form müssen wir uns nicht verstecken.

Stefanos Kapino: Drei ganz wichtige Punkte für uns. Es war schwierig, nach drei Tagen direkt wieder auf den Platz zurückzukehren, aber jeder hat sein Bestes gegeben. Es ist völlig klar, dass nicht alles gelingen kann. Ich weiß nicht, ob man beim Freistoß, der zum 1:1 geführt hat, bei mir von einem Fehler sprechen kann. Viel wichtiger ist aber, dass man nach einer solchen Situation einfach weitermacht und dem Team weiterhilft.

Tim Kister: Ein hartes Stück Arbeit. Hannover hat uns vor viele Aufgaben gestellt. Wir haben lange gebraucht, um ins Spiel reinzukommen. Man hat aber wieder Moral gesehen, speziell nach dem Rückstand. Wir sind nun auf einem richtig guten Weg.

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