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Kooperationsvertrag zwischen SV Waldhof und Galeria Kaufhof

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Waldhof-Profis tragen künftig das Logo des Traditionskaufhauses auf der Brust
(GM) Wer letzten Freitag, um die Mittagszeit, die Filiale der Galeria Kaufhof in Mannheim betrat, bekam sofort den Eindruck, nur in strahlende Gesichter zu sehen. Das hatte einen guten Grund. Die Schließung des Traditionskaufhauses am Paradeplatz, und der lange Zeit drohende Verlust der Arbeitsplätze von zahlreichen Mitarbeitern, war abgewendet worden.

Möglich wurde das – praktisch im letzten Augenblick - durch eine Kooperation von Investor und SV Waldhof-Präsident, Bernd Beetz, seit kurzem Eigner von Galeria Kaufhof und dem Mannheimer Unternehmer Egon Scheuermann, der Eigentümer der Immobilie in P 1 ist. Künftig laufen daher auch die Waldhof-Profis mit dem Logo „Galeria“ auf dem Trikot auf und in den Kaufhof-Galeria-Häusern in Mannheim, Heidelberg und Viernheim werden seit gestern Waldhof-Fanartikel verkauft.

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(Foto: Mj) v.l.; Jennifer Schäfer, Bernd Beetz, OB Christian Specht und Niko Rauch

„Es ist ein sehr emotionaler Moment für mich“, gab Bernd Beetz auf der Pressekonferenz unumwunden zu. „Galeria Kaufhof ist ein Mannheimer Traditionsunternehmen, ich bin selbst Kurpfälzer und möchte die Kaufhof-Häuser in Mannheim, Heidelberg und Viernheim erhalten. Die Häuser sollen in Zukunft mehr auf die Region ausgerichtet werden. Diese Aufgabe werden wir mit Engagement und Begeisterung angehen. Der SV Waldhof ist mir schon seit langem eine Herzensangelegenheit und mit Galeria Kaufhof kommt jetzt ein weiteres wichtiges Mannheimer Thema dazu. Mit beiden identifizieren sich die Menschen in Mannheim, daher habe ich mich dazu entschlossen, diese Kooperation zu finanzieren.“

Bernd Beetz gab aber auch zu bedenken: „Das Kaufhaus schreibt rote Zahlen, genau wie der SV Waldhof, aber wir hoffen, dass durch die Kooperation etwas Neues entsteht, durch das beide voneinander profitieren können.“ Dann blickte er in die Runde. „Und jeder von Ihnen kann mithelfen, dass das gelingt. Kaufen Sie alle hier ein, decken Sie Ihren Bedarf hier im Haus. Das ist ein erster Schritt. Im Übrigen gibt es in den drei Häusern der Kurpfalz ab dem 16. Juli die neuen Trikots zu kaufen.“
Umgekehrt rief Kaufhof-Filial-Geschäftsführer, Niko Rauch, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf, künftig auch Heimspiele des SV Waldhof zu besuchen.

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(Foto: Mj) OB Christian Specht bekam von Jennifer Schäfer das neue Trikot

Kurz zuvor hatte die Geschäftsführerin des SV Waldhof, Jennifer Schäfer, die Pressekonferenz eröffnet, zu der auch deutlich über 100 Fans des Vereins erschienen waren. „Ich bin erst vor einer Woche aus meinem Sommerurlaub zurückgekommen und wurde praktisch vor vollendete Tatsache gestellt“, berichtete sie. „Aber wir haben in dieser Woche schon etwas ganz Geiles aufgestellt. Es zeigt sich schon jetzt, wie gut die Zusammenarbeit zwischen dem SV Waldhof und Galeria Kaufhof ist.“

Dieser Eindruck bestätigt sich nicht nur dadurch, dass an diesem Tag alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Filiale T-Shirts mit der Waldhof-Rauten trugen. Überall im Haus waren, vor allem an den Rolltreppen, Stellwände zu sehen, mit dem Waldhof-Logo, in Verbindung mit dem Galeria-Schriftzug und zahlreiche Tische mit Waldhof-Fanartikeln waren aufgestellt.

Auch für Egon Scheuermann, dem Eigentümer der Immobilie, ist es eine Herzensangelegenheit, die Mannheimer Kaufhof-Filiale zu erhalten. „Als ich angefangen habe zu studieren“, erzählt der äußerst rüstige 81-Jährige, „habe ich gerade hier gegenüber gewohnt. Und im Kaufhof, damals hieß das Kaufhaus aber noch `Anker`, habe ich zum allerersten Mal eingekauft. Scheuermann ist, wie Bernd Beetz ebenfalls bekennender Fußballfan, großer Unterstützer des VfR Mannheim, aber auch seit vielen Jahrzehnten Mitglied beim SV Waldhof.“

Bei der Trikotvorstellung berichtete Waldhof-Kapitän Marcel Seegert, dass früher auch seine Oma im Kaufhof gearbeitet hatte und er nicht zuletzt deshalb die Kooperation sehr begrüßte. Terrence Boyd, der sich als „zugezogener Kurpfälzer“ bezeichnete, spürt eine deutliche Aufbruchstimmung und fiebert bereits der neuen Saison entgegen.

Neuzugang Nicklas Shipnoski spricht von seiner neuen Mannschaft bereits jetzt von „einer geilen Truppe“ und hofft am Ende der neuen Saison, in der nicht so lange gezittert werden soll, mit den Fans feiern zu können. Torhüter Omer Hanin, der bereits seit Februar bei den Blau-Schwarzen spielt, fühlt sich bereits in Mannheim sehr wohl und genießt es „vor diesen tollen Fans“ spielen zu dürfen.

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(Foto: Mj) v.l.; Nicklas Shipnoski, Omer Hanin, Marcel Seegert, Terrence Boyd

Aber nicht nur auf der Pressekonferenz herrschte eine durchweg positive Stimmung. Im ganzen Haus ist ebenfalls Aufbruchsstimmung zu spüren. Mehrere Wochen hatte die Belegschaft um ihre Arbeitsplätze gebangt und wusste nicht, wie es weitergehen sollte.

Verkäuferin Sabine Braunert, die seit 41 Jahren in der Galeria Kaufhof arbeitet, ist die Erleichterung deutlich anzusehen. Aber sie hatte tatsächlich Hoffnung bis zum Schluss. „Ganz ehrlich“, sagt sie, „irgendwie hoffte ich die ganze Zeit, dass es doch noch weitergeht, obwohl die Nachricht, dass das Haus geschlossen wird, ein Schock für mich war. Ich dachte, wenn ich vom Urlaub zurückkomme, habe ich keinen Arbeitsplatz mehr.

Kollegin Britta Darmstädter, die sogar schon seit 46 Jahren Kaufhof-Mitarbeiterin ist, ging erst gar nicht in Urlaub – sie war dazu nicht in der Stimmung. „Aber jetzt werde ich ein paar Tage Urlaub machen., verrät sie. Obwohl auch sie um ihren fürchtete, hoffte sie ebenfalls bis zum guten Schluss und hat „abgewartet bis zum letzten Zippel“, gab sie im schönsten Dialekt und voller Emotionen zu. „Wir haben zweimal geheult, einmal, als wir von der möglichen Schließung hörten und zum zweiten Mal, als wir erfuhren, dass unser Haus doch nicht geschlossen wird.“

„Wenn man so lange hier ist, wie wir oder auch die anderen Kollegen, dann ist das schon irgendwie Familie“, fügt Sabine Braunert hinzu, die während der entscheidenden Gespräche in der Kantine saß. „Als plötzlich das Lied von Andreas Bourani durch den Lautsprecher kam, `Ein Hoch auf uns …`, wusste ich, dass wir gerettet sind.“ Auch bei diesen Worten glitzerte es wieder ein wenig in ihren Augen.

Es gab wohl selten eine Kooperation, mit so vielen Gewinnern und bei deren Bekanntgabe so viele glückliche und zufriedene Gesichter zu sehen waren.