Pokalthriller in Sandhausen - VfR siegt im Elfmeterschießen
(tb) Der VfR Mannheim steht im Finale des bfv-Pokals. In einer emotionalen Achterbahnfahrt gerieten die Rasenspieler beim favorisierten Regionalligisten SV Sandhausen zunächst in Rückstand, drehten die Partie und sahen in doppelter Überzahl kurz vor Ende der Verlängerung bereits wie der sichere Sieger aus. Sandhausen schaffte aber noch einmal den Ausgleich und rettete sich ins Elfmeterschießen. Dort neigte sich die Waage mal zur einen, mal zur anderen Seite. Am Ende parierte VfR-Schlussmann Davis Nreca-Bisinger den 7. Elfmeter und Christoph Becker versetzte mit seinem entscheidenden Treffer Spieler, Funktionäre und Anhang des VfR in einen Begeisterungstaumel.
Der SV Sandhausen begann nervös. Der VfR zeigte sich gut organisiert und ließ zunächst nicht mehr als ein paar Halbchancen zu. Nach 20 Minuten wurde Sandhausen stärker und drückte den VfR in die Defensive. In der 29. Minute hatten die Rasenspieler Glück, dass der SVS im Strafraum nicht entschlossen genug agierte und konnten das Leder rechtzeitig aus der Gefahrenzone befördern. Fünf Minuten danach musste sich Torwart David Nreca-Bisinger gewaltig strecken, und drehte einen Schuss aus kurzer Distanz noch um den Pfosten ins Tor-Aus.
In der 44. Minute hatte der VfR die Riesenchance, in Führung zu gehen. Essweins Flanke von links landete bei Pasqual Pander, der aus kurzer Distanz zum Schuss kam, aber an SVS-Torwart Schneller scheiterte., In der Nachspielzeit der 1. Hälfte bekam Sandhausen zum wiederholten Mal einen Freistoß in Strafraumnähe zugesprochen, der diesmal die Führung der Gastgeber nach sich zog. Die hohe Hereingabe in den Strafraum landete auf dem Kopf von Akmestanli, der keine Mühe hatte, zur nicht unverdienten Führung für die Gastgeber zu vollstrecken.
Der VfR kam gut aus der Kabine und trug sein Spiel beherzt nach vorne. Ab Minute 54 startete er eine Drangphase, in der Torwart Schneller mit starken Paraden die Gastgeber-Führung erfolgreich verteidigte. In der 61. Minute gelang dem VfR aber der Ausgleich. Alexander Esswein brachte einen Freistoß von links hoch in den Strafraum. Die Kopfballabwehr geriet zu kurz und der Ball landete beim günstig postierten Jannik Marx, der überlegt vollstreckte.
In der 73. Minute sah der bereits gelb verwarnte Marmutovic nach einem Foul die Ampelkarte. Sandhausen zog sich zurück, der VfR zog das Spiel geduldig und routiniert in die Breite und nutzte so seine Überzahl. Gegen Ende der regulären Spielzeit kamen die Rasenspieler, die jetzt sichtlich die Entscheidung noch in der regulären Spielzeit suchten, zu einigen weiteren Chancen, doch Torwart Schneller parierte Luca Stellwagens Schuss (82.) und Shaban Veselaj verfehlte das Tor zweimal nur knapp (88. und 90.)
Es ging also in die Verlängerung und der VfR bleib am Drücker. Von den dezimierten Gastgebern war kaum noch etwas Konstruktives zu sehen. In der 110. Minute schwächten sie sich erneut, denn auch der Torschütze Akmestanli musste nach einer weiteren Gelb-Roten Karte unter die Dusche. Der VfR – nun in doppelter Überzahl – drängte auf den Siegtreffer und spielte regelrechtes Powerplay. Das Eckballverhältnis des gesamten Spiels hatte er inzwischen auf 14:2 zu seinen Gunsten hochgeschraubt. Beim SVS musste in Minute 115 ein weiterer Spieler außerhalb des Platzes behandelt werden und der VfR schlug zu. Eine herrliche Außenristflanke von Alexander Esswein landete in der Nähe des langen Pfostens. Volkan Rona lauerte dort und beförderte den Ball per Hechtkopfball ins SVS-Tor. Begeisterung im VfR-Lager.
Doch Sandhausen kam überraschend noch einmal zurück. Viele Spielunterbrechungen hatten eine überdimensional lange Nachspielzeit von sechs Minuten nach sich gezogen. Sandhausen stürmte mit dem Mut der Verzweiflung und brachte das Spielgerät in der dritten Minute der Nachspielzeit noch einmal in den VfR-Strafraum. Dort hielt der eingewechselte Osee einfach mal drauf und schaffte den nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich.
Es ging nun ins Elfmeterschießen. Das entschied der VfR für sich und sorgte für lange nicht mehr erlebte Glücksgefühle bei allen, die es mit den Rasenspielern halten. Was für ein Spiel – was für eine Dramatik!
SV Sandhausen – VfR Mannheim 6:7 (1:1, 1:1, EM 4:5)
Sandhausen: Schneller – K. Schulz, Kolbe (120. de Meester), Tarnat, Marmutovic, Wagner (38. M. Schulz; 61. Krauße), Herrmann (87. Osee), Halbauer (105. Zahnen Martinez), Akmestanli, Gipson, Ramsak
VfR: Nreca-Bisinger – Akoto, Kuhn (106. Okwubor), Sentürk, Stellwagen – Krüger, Marx (106. C. Becker) – Paraschiv (100. Mende), Esswein – Pander (69. Rona), Berko (71. Veselaj)
Tore: 1:0 Akmestanli (45.+3), 1:1 Marx (62.), 1:2 Rona (115.), 2:2 Osee (120.)
Elfmeterschießen:
3:2 Tarnat
3:3 Rona
Ramsak (SVS – über das Tor)
Sentürk (VfR – gehalten)
4:3 K. Schulz
4:4 Krüger
Gipson (SVS – über das Tor)
4:5 Veselaj
5:5 de Meester
Esswein (VfR – gehalten)
6:5 Krauße
6:6 Okwubor
Zahnen Martinez (SVS – gehalten)
6:7 C. Becker
Zuschauer: Schiedsrichter: Marc Heiker, TSV Kürnbach; besondere Vorkommnisse: Gelb-Rot Marmutovic (SVS 73.), Gelb-Rot Akmestanli (SVS 110.), Gelb-Rot Loviso (Sportdirektor SVS 113.)
VfR Mannheim 1896 e.V.