Plakat Pokalspiel
KI-generiertes Bild

Mannheim. Wenn die "Roten Teufel" vom Betzenberg nach Mannheim kommen herrscht immer Alarmstufe Rot.

 

Mannheim. Wenn die "Roten Teufel" vom Betzenberg nach Mannheim kommen herrscht immer Alarmstufe Rot. Am morgigen Freitag stehen die Vorzeichen wieder auf Adrenalin. Wie viele Beamten beim Pokalspiel des SV Waldhof gegen den 1. FC Kaiserlautern die beiden Lager vor und nach der Begegnung trennen wollen, verrät das Polizeipräsidium Mannheim aus taktischen Gründen nicht. Man sei mit einem "der Lage angepassten Aufgebot" an Kräften vor Ort heißt es.

Das bedeutet: es wird die ganze Palette an Einsatzkräften und Ausrüstung antreten, um Jagdszenen in Nordbaden zu verhindern. Das "Repertoire" reicht von szenekundigen Beamten ohne Uniform, der berittenen Polizei über die Hundestaffel bis zum einsatzbereiten Wasserwerfer und Kollegen des Kommunalen Ordnungsdienstes der Stadt Mannheim. Ihr Ziel: ein "tolles Stadionerlebnis für alle Beteiligten“ möglich zu machen.

Die Planungen für den "Tag X" hatten bereits kurz nach der Auslosung der ersten DFB-Pokalrunde im Juni begonnen. Als Schiedsrichter Deniz Aytekin das Derby ausloste, war er sich der Tragweite wohl bewusst und bemerkte vielsagend: "Da muss man als Schiri in den ersten zehn Minuten ein bisschen bremsen“.

Reibungslos hingegen soll der Nahverkehr am Freitagabend rollen. Ein Konzert auf der Seebühne des Luisenparks an diesem Abend erschwert die Lage. Deshalb rät die Stadtverwaltung zur Anreise mit der Stadtbahn und Bussen. Ein Novum: Die Stadiontoren werden deshalb bereits vier Stunden vor Anpfiff geöffnet. Mit der Eintrittskarte können die Mannheimer Fans kostenfrei fahren. Für die Schlachtenbummler in den roten Vereinsfarben fahren vom Hauptbahnhof Shuttlebusse ohne Halt zum Carl-Benz-Stadion. Zudem gibt es am Maimarktgelände einen Parkplatz mit rund 6000 Stellplätzen für „Buwe“-Anhänger. Dennoch ist mit starken Verkehrsbeeinträchtigungen zu rechnen. Zu möglichen Umleitungen will die Polizei kurzfristig in den Sozialen Medien informieren. Parkplätze unmittelbar am Stadion stehen Gästefans zur Verfügung. Das Internetforum „Der Betze brennt“ rät allerdings, vorsichtshalben alle Hinweise aus dem Auto zu entfernen, die auf eine FCK-Zugehörigkeit hinweisen.

Allein dieser Hinweis zeigt das „hohe feindschaftliche Verhältnis“ beider Gruppen von Ultras. Woher der Hass kommt, das wissen wohl nur noch die Leute, die längst aus dem Alter sind, sich wegen ihres Vereins zu prügeln. Der Blick in die Historie klärt auf:

Die Rivalität zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Waldhof Mannheim besteht seit nunmehr fast 50 Jahren. Sie entzündete sich als die Waldhof-Buben 1983 in die Bundesliga aufgestiegen waren und ins Südweststadion in Ludwigshafen ausweichen mussten, weil ihr Stadion am Alsenweg nicht bundesligatauglich war. Weil aber Kaiserlautern die Ludwigshafener Arena bereits seit dem 1950er-Jahren für ihre „Heimspiele“ nutzte, empfanden Vorstand und Fans des FCK die Mannheimer "Expansion" auf die andere Rheinseite als respektlos. Und als der Waldhof im ersten Bundesligajahr dann in der Tabelle sogar noch besser stand und deutlich mehr Zuschauer anlockte, war die Derby-Saat gesät.

Sie wuchs und gedieh weiter im April 1987. Nach dem 4:3-Sieg der Mannheimer und einem Stinkefinger des „Buwe“-Stürmers Karl-Heinz Bührer in Richtung FCK-Fans kam es auch auf dem Platz zu Tumulten. FCK-Keeper Gerry Ehrmann musste von allen Roten Teufeln sogar festgehalten werden, um nicht auf den Schiedsrichter und Bührer loszugehen. Als besonders abstoßend bleibt eine Aktion von FCK-Anhängern im Jahr 2019 in Erinnerung. Sie revanchierten sich für eine Sachbeschädigung von Figuren am Betzenberg auf widerwärtige Art. Sie banden in der Nähe des Mannheimer Stadions ein lebendes Schwein, das mit Anti-Waldhof-Parolen beschmiert war, über Nacht an einen Pfosten. Spätestens seit dieser Aktion ist das Aufeinandertreffen der Rivalen die "Mutter aller deutschen Derbys" und wohl das Schlimmste, was der Polizei beider Bundesländer auf diesem Gebiet passieren kann.

gol