Mannheim: FC Energie Cottbus – SV Waldhof 1:1

Mannheim: FC Energie Cottbus – SV Waldhof 1:1

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Verdientes Unentschieden – Waldhof beim Tabellenführer mit Pech und Glück
(GM) Der SV Waldhof bringt von seinem Gastspiel bei Tabellenführer FC Energie Cottbus, ein völlig verdientes 1:1-Unentschieden mit. Mit etwas Glück hätten es auch drei Punkte werden können – mit etwas Pech allerdings auch keiner. In einer erneut hochdramatischen Schlussphase hielt zunächst Nijhuis mit einer klasse Parade das Unentschieden fest, ehe in der buchstäblich letzten Sekunde des Spiels die Querlatte hilft, den Punkt über die Zeit zu bringen. Bitterer Beigeschmack: entgegen des ausdrücklichen Wunsches von Luc Holtz, beendete der Waldhof auch dieses Spiel nur zu zehnt – Sietan hatte in der ersten Minute der Nachspielzeit wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte gesehen.

Beim Waldhof stand Ogbemudia für den rot-gesperrten Hoffmann in der Startelf und Thill bekam den Vorzug vor Michel.

Die Gastgeber versuchen sofort die Kontrolle zu übernehmen, aber die erste Chance des Spiels hat der Waldhof. Nach einem Fehlpass von Hannemann zieht Lohkemper davon, schießt dann aber knapp am Tor vorbei (2.). Zwei Minuten später kommt Klünter gegen Engelhardt einen halben Schritt zu spät und sieht die erste Gelbe Karte, damit ist der Kapitän nächste Woche – gegen den VfB Stuttgart II -gesperrt.
Cottbus hat in den ersten Minuten mehr vom Spiel, greift früh an und lässt den Waldhof nicht zur Entfaltung kommen. In der 10. Minute bedrängt Rorig auf der linken Abwehrseite Abifade, der den Ball verliert, Hannemann schaltet schnell, setzt Rorig ein, der in den Waldhöfer Strafraum eindringt und mit einem satten Schuss Nijhuis überwindet – 1:0, die frühe Führung für den Tabellenführer.

Nur wenig später wäre der Mannschaft von Luc Holtz fast die perfekte Antwort gelungen, als Abifade, nach Doppelpass mit Lohkemper, alleine auf Funk zuläuft, von der Strafraumgrenze schießt, aber der FC Energie-Torhüter reagiert blitzschnell und wehrt zur Ecke ab (13.). Es hätte das 1:1 sein müssen. Schon früh in der Begegnung wird klar, dass sich der Waldhof keineswegs versteckt. Hatte Cottbus in der ersten Viertelstunde etwas mehr vom Spiel, gestaltete der Waldhof mit zunehmender Spieldauer die Partie ausgeglichen und hatte etwa ab der 24. Minute gleich mehrere Möglichkeiten zum Ausgleich.

Zunächst schaltete Ferati nach einem Ballgewinn im Mittelfeld schnell um, schlenzt den Ball dann aber – noch bedrängt von Lucoqui - deutlich am Tor vorbei (24.). Zwei Minuten später legt Lohkemper am Strafraum per Hacke auf Abifade ab, der mit einem präzisen Schuss Funk zu einer Glanzparade zwingt. In der 30. Minute liegt das 1:1 erneut in der Luft, als Ferati auf Lohkemper durchsteckt, der von der Mittellinie startet, auf gleicher Höhe mit Manu, doch dann wird der Waldhöfer, der alleine auf Funk zuläuft, zurückgepfiffen, weil der Linienrichter die Fahne hebt. Eine denkbar knappe Entscheidung und vermutlich falsch – Pech für den Waldhof.

Im Gegenzug kommt Hannemann, nach gutem Zuspiel von Lucoqui, zum Schuss, setzt den Ball aber knapp neben das Tor (31.). Nur eine Minute später hat der Waldhof gleich das doppelte Glück des Tüchtigen. Nach einer Flanke von Borgmann, von der linken Seite, kommt Tolcay Cigerci aus kürzester Distanz zum Kopfball, findet aber im blitzschnell reagierenden Nijhuis seinen Meister; der Abpraller landet bei Rorig, doch dessen Schuss wird von Abifade von der Linie geschlagen. Dann ist wieder der Waldhof im Vorwärtsgang und Rorig kann Abifade nur per Foul stoppen und sieht ebenfalls die Gelbe Karte.

Die Zuschauer sehen eine hochklassige Drittliga-Partie, die alles bietet, von Torraumszenen, Zweikämpfen über Spielwitz auf beiden Seiten. Und dann hadert der Waldhof zum zweiten Mal mit einer strittigen Abseitsentscheidung, als Thalhammer nach einer klasse Abwehraktion Lohkemper auf die Reise schickt, der erneut alleine auf Funk zuläuft, aber wieder zurückgepfiffen wird. Wieder ist es eine ganz enge Entscheidung und wieder wird gegen den Angreifer entschieden (36.). Das 0:0 zur Pause ist inzwischen schmeichelhaft für Cottbus – ein Unentschieden hätte dem Spielverlauf eher entsprochen.

Zum zweiten Spielabschnitt gibt es auf beiden Seiten je einen Wechsel. Bei Cottbus bleibt Lucoqui draußen und wird von Biankadi ersetzt, beim Waldhof kommt Masca für Thill. Der Waldhof beginnt sofort am Ausgleich zu arbeiten und hat durch Ogbemudia und Asallari zwei gute Abschlussmöglichkeiten, die aber noch nicht zum Erfolg führen. Die Begegnung bleibt intensiv und in der 62. Minute holt sich auch Sietan eine Gelbe Karte ab. Direkt danach wechselt der Waldhof doppelt, Boyd kommt für Lohkemper und Bierschenk für Asallari. Boyd führt sich gleich gut ein, als er im Strafraum geschickt auf Sietan ablegt, dessen Schuss aber ganz knapp über die Querlatte fliegt (63.). Aber dann wird der Druck des SV Waldhof endlich belohnt. Auf der rechten Seite kommt Ba an den Ball, dribbelt in die Mitte und zieht wuchtig aus 30 Metern mit links ab. Funk ist zwar unten, aber der Ball springt kurz vor ihm auf und rauscht zum 1:1 ins Netz (64.).

In der Folge entwickelt sich ein echter Schlagabtausch, da beide Teams auf Sieg spielen. Cottbus verstärkt noch einmal die Offensive und bringt Tolga Cigerci für Michelbrink und Tattermusch für Hannemann (66.). Und dann hat Masca plötzlich den Waldhöfer Führungstreffer auf dem Fuß, als er nach einem feinen Zuspiel von Ferati alleine vor Funk zum Abschluss kommt, doch der Energie-Torhüter streift gerade noch im Fallen mit dem Oberschenkel den Ball, der anschließend am Pfosten landet (71.). Das 1:2 wäre keinesfalls unverdient gewesen, da der Waldhof das Spiel jetzt klar dominiert.

Aufgrund des kräftezehrenden Spiels wechseln beide Mannschaften noch einmal. Moustfa kommt bei Cottbus für Pelivan (82.) und wenig später beim Waldhof Michel für Ferati (88.), da eine deutliche Nachspielzeit zu erwarten war. Vier Minuten gibt es obendrauf und davon ist gerade einmal eine Minute gespielt, als Sietan sein zweites gelb-würdiges Foul begeht, als er Engelhardt kurz vor der Strafraumgrenze von den Beinen holt und vorzeitig runter muss. Eine Entscheidung, an der es leider nichts zu rütteln gibt. Wieder muss der Waldhof in Unterzahl ein Spiel zu Ende bringen.

Und die letzten Minuten des Spiels werden turbulent. Der anschließende Freistoß von Rorig kommt, noch abgefälscht, dicht vor das Tor. Nijhuis boxt den Ball etwas unorthodox über das Gehäuse – Eckball (92.). Wieder kommt der Ball dicht vor das Waldhöfer Tor, zu Awortwie-Grant, der aus kurzer Distanz köpft, Nijhuis greift sicher zu (93.). Der Gegenzug wird abgefangen und Boyd unterbindet den folgenden Angriff, indem er Tolcay Cigerci erst festhält und dann herzlich umarmt, um sich zu entschuldigen, während der Unparteiische für den Waldhöfer die Gelbe Karte zückt.

Die angezeigte Nachspielzeit ist längst abgelaufen, aber noch pfeift Schiedsrichter Uhrig nicht ab. In der 6. Minute der Nachspielzeit flankt Borgmann auf Tattermusch, der per Kopf weiterleitet auf Manu und der zieht flach und volley ab, doch Nijhuis steht goldrichtig und verhindert gerade noch das fast todsichere 2:1.

An der Seitenlinie fuchteln alle Waldhof-Offiziellen wild herum, wollen endlich den Abpfiff. Doch es geht weiter. Noch einmal gibt es Eckball für Cottbus. Tolcay Cigeri führt aus, der Ball kommt zu Awortwie-Grant, dessen Kopfball springt gegen die Unterkante der Latte, zuvor noch berührt von Nijhuis, der einen Schritt hinter der Torlinie steht, dann wird der Ball herausgeschlagen, während die Cottbuser jubeln. Aber der Unparteiische zeigt an: kein Treffer. In die wilden Proteste der Gastgeber beendet Schiedsrichter Uhrig die Partie, es bleibt beim 1:1. Die vehement protestierenden Cigerci-Brüder werden noch gelb-verwarnt; Offizielle stürmen auf den Platz, bilden zusammen mit Spielern ein Rudel und es dauert eine Weile, bis sich alles beruhigt hat.

Während die Fans der Waldhöfer den Auswärtspunkt feiern, skandieren die Energie-Fans in Richtung Schiedsrichter: „Schieber, Schieber, …“ Ein denkwürdiges Drittliga-Spiel ist zu Ende. Mit einem alles in allem gerechten Ergebnis.

FC Energie Cottbus – SV Waldhof 1:1 (1:0)
Cottbus: Funk - Rorig, Awortwie-Grant, Manu, Lucoqui (46. Biankadi), Pelivan (82. Moustfa), Michelbrin (66. Tolga Cicergi), Borgmann, Hannemann (66. Tattermusch), Tolcay Cigerci, Engelhardt
Waldhof: Nijhuis - Ba, Klünter, Ogbemudia, Abifade, Thalhammer, Sietan, Asallari (62. Bierschenk), Ferati (88. Michel), Thill (46. Masca), Lohkemper (62. Boyd)
Tore: 1:0 Rorig (10), 1:1 Ba (64.); Schiedsrichter: Ben Henry Uhrig; Zuschauer: 10.164; besonderes Vorkommnis: Gelb-Rote Karte für Sietan (90.+1, Waldhof), für wiederholtes Foulspiel