
(GM) Anfang der Woche ließ Waldhof-Mitglied Peter Boss mehreren Pressevertretern ein Schreiben zukommen, in welchem er gleich mehrere Satzungsverstöße des Präsidiums sowie ein Zulassen dieser Verstöße seitens des Aufsichtsrats, auflistete. Dieses Schreiben war zuvor auch an das Präsidium und an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats gegangen. Nachdem keine Reaktion erfolgte, wandte sich Peter Boss an die Presse. Und dieses Mal ließ die Reaktion nicht lange auf sich warten, allerdings reagierte nicht das Präsidium, sondern der Aufsichtsratsvorsitzende, Dr. Stefan Fulst-Blei, der nicht nur die erhobenen Vorwürfe entschieden zurückwies, sondern auch den „völlig unangemessenen Ton, dem Präsidium, dem Aufsichtsrat und der Familie Beetz gegenüber“, kritisierte, den Peter Boss in seinem Schreiben gewählt habe.
Das wiederum wollte Peter Boss so nicht stehenlassen, der in seinem Schreiben keinen „unangemessenen Ton“ erkennen konnte. Ob eine von ihm daraufhin angeregte „Gesprächsrunde mit Präsident Bernd Beetz, dem Aussichtsratsvorsitzenden Dr. Stefan Fulst-Blei sowie interessierten Pressevertretern, Vertretern der Vereinsgremien und Vereinsinstitutionen“, moderiert von einer neutralen Person, zustande kommt, bleibt abzuwarten.
Neben verschiedener Satzungsverstöße kritisierte Peter Boss insbesondere den Umgang der Waldhof Spielbetriebs GmbH mit dem CEG (Club der Ehrenmitglieder und Nadelträger*innen Gemeinschaft). Den CEG-Mitgliedern stehen seit über 30 Jahren Räumlichkeiten im Carl-Benz-Stadion zur Verfügung, für die auch Miete bezahlt wird. Vom früheren Präsidium des SV Waldhof, um Präsident Wilhelm Grüber, wurde dem CEG ein lebenslanges Nutzungsrecht zugesagt.
Umso tiefer saß der Schock, als Martin Sättele, der CEG-Vorsitzende, kurz vor Weihnachten den Mitgliedern verkünden musste, dass die Nutzung dieser Räumlichkeiten gekündigt wurde – zunächst ohne angebotene Alternative. (Später wurde dem CEG ein Container unterhalb der Tribüne des Carl-Benz-Stadions als neues Dominizil angeboten.)
Die Nachricht von der Kündigung ihrer Räumlichkeiten erschütterte die seit über 40 Jahren bestehende Gemeinschaft zutiefst. Der CEG-Raum im Carl-Benz-Stadion, in welchem sich viele CEG-Mitglieder regelmäßig vor und nach Heimspielen des SV Waldhof treffen, soll nach dem Willen der Geschäftsführung, nach Ende der laufenden Saison geräumt werden. Danach soll dort eine Sponsorenloge entstehen.
Der CEG ist seit seiner Gründung, vor 40 Jahren, eine starke Stütze des Vereins. Viele Projekte konnten durch die Beiträge und Spenden der Ehrenmitgliederinnen und -mitglieder unterstützt und realisiert werden; auch für den sich in Planung befindenden Kunstrasenplatz haben die CEGler wieder in ihre Taschen gegriffen.
Vereinsikonen wie Günter Sebert, Karl-Heinz Bührer, Roland Dickgießer, Reiner Hollich sowie viele weitere frühere Spieler - nicht zu vergessen Trainerlegende Klaus Schlappner – und langjährige Mitglieder, kommen regelmäßig im CEG-Raum zusammen, nicht nur um über frühere Zeiten zu sprechen, sondern einfach um sich zu treffen und um diese Gemeinschaft zu pflegen. Manche Mitglieder des CEG sind seit 50, 60, 70, 80 und noch mehr Jahren Mitglied beim SV Waldhof, nicht wenige sogar bereits seit ihrer Geburt. Mehr als 5.000 (!) Mitgliedsjahre vereinigen die CEG-Mitglieder auf sich. Fünftausend Jahre – die von einem Augenblick auf den anderen nichts mehr gelten und nichts mehr wert sein sollen.
„Diese Entscheidung ist in Stein gemeißelt“, so endete die Mitteilung der Chefetage, wohl um möglichen Widerstand im Keim zu ersticken. Doch kein Einziger der Entscheidungsträger ist auch nur annähernd so lange mit dem SV Waldhof verbunden, wie das CEG-Mitglied mit den wenigsten Mitgliedsjahren. Daher wäre es wichtig – und auch nur anständig – wenn die Entscheidungsträger noch einmal in sich gehen und sich selbst fragen würden, ob jahrzehntelange treue Mitgliedschaft wirklich dem Kommerz geopfert werden muss. Zumal es um zum großen Teil hochverdiente Mitglieder geht, die mit ihren Erfolgen und ihrem Einsatz dem SV Waldhof den Stellenwert verschafften, den er heute innehat. Dazu kommt, dass sich viele CEG-Mitglieder in deutlich fortgeschrittenem Alter befinden, wodurch der Weg vom geplanten Standort des Containers bis zum Sitzplatz auf der Tribüne für die viele CEGler unzumutbar beschwerlich wird.
Für die große finanzielle Unterstützung sind der Familie Beetz wohl die allermeisten Mitglieder und Fans des SV Waldhof überaus dankbar – und möglicherweise würde der Verein ohne diese Unterstützung nicht in der 3. Liga spielen. Aber eine erfolgreiche Profimannschaft ist immer nur ein Teil des Ganzen, und Profis kommen und gehen. Aber die Mitglieder und die Fans bilden einen weiteren Teil des Ganzen – und dieser Teil bleibt.
Die CEG-Mitglieder sind mit dem SV Waldhof durch viele Tiefen gegangen, von der Bundesliga bis hinunter in die Oberliga, aber zum Glück durften sie auch immer wieder Höhen erleben, den sensationellen Aufstieg in die Bundesliga – bevor es hinunterging in die Oberliga - und die Aufstiege zurück in die Regionalliga und in die 3. Liga. Die meisten von ihnen haben das alles live erlebt. Das schweißt zusammen, wie eine Familie. Und so empfinden sich die CEG-Mitglieder auch, wie eine richtige Familie und der CEG-Raum im Carl-Benz-Stadion ist ihr „Wohnzimmer“ – seit über 30 Jahren, so lange es dieses Stadion gibt. Kaum 40 Quadratmeter umfasst dieses „Wohnzimmer“, von dessen Wänden die Großen des SV Waldhof blicken – Otto Siffling, Günter Sebert und erfolgreiche Mannschaften, aber auch Karla und Walter Spagerer, nach welchem die Haupttribüne des Carl-Benz-Stadions benannt ist. Des Stadions, an dessen Realisierung Walter Spagerer vor einigen Jahrzehnten maßgeblich beteiligt war. Die Frage muss erlaubt sein, ob diese 40 Quadratmeter soviel Sponsorengelder einbringen, dass es gerechtfertigt wäre, diese wichtige Institution des Vereins zu zerstören. Den CEG aus seinen Räumen zu verbannen, könnte im schlimmsten Fall zu einer Zerstörung dieser verdienstvollen Institution führen.
Die Entscheidung, der CEG-Familie ihr vertrautes und geliebtes Domizil wegzunehmen, darf nicht in Stein gemeißelt sein. Sie sollte noch einmal gründlich überdacht werden, denn wo sonst kann die CEG-Familie regelmäßig zusammenkommen, wenn nicht bei den Heimspielen ihres SV Waldhof? Bestimmt nicht in einem Container. Daher muss dringend an die Entscheidungsträger appelliert werden – lasst dem CEG seinen Raum im Carl-Benz-Stadion!
Wir blicken immer alle neidvoll zu den mitgliederstarken Vereinen in unserer näheren Umgebung und starten Kampagnen, um neue Mitglieder zu werben – aber dann sollen die großzügigsten und treuesten Mitglieder, die der SV Waldhof hat, vertrieben werden. So etwas darf nicht sein. Nicht zuletzt, weil es für Neu-Mitglieder sicher nicht unwichtig ist, zu erleben, wie mit verdienten Mitgliedern umgegangen wird.
Wie heißt es doch in unserer Stadionhymne „Blau und schwarz in meinem Herz, gibt mir Freude, nimmt den Schmerz“? Wer von den Entscheidungsträgern wirklich ein blau-schwarzes Herz hat, sollte dem CEG den Schmerz über den drohenden Verlust seines „Wohnzimmers“ nehmen.