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SGL reist nicht nach Erlangen – Statement von Uli Roth

(Foto: Steffen Hoffmann) Uli Roth, Gesellschafter der SG Leutershausen
Uli Roth Gesellschafter SG Leutershausen Steffen Hoffmann Copy

Die Infektionszahlen rund um das Coronavirus steigen stark. Bund und Länder haben gemeinsam einen "Lockdown light" beschlossen, mit Regeln, die ab Montag gelten. Bis dahin sollte das Leben mit der heutigen Normalität weiterlaufen. Heißt: Auch das Spiel der SG Leutershausen beim HC Erlangen II hätte stattfinden soll. Hätte, denn die Mannschaft der SGL hat sich vor dem Training zusammengesetzt und entschieden, nicht nach Erlangen zu fahren. Mit den anstehenden härteren Maßnahmen, dem aktuellen Infektionsgeschehen und der auf dem Spiel stehenden Gesundheit, stellen die Spieler und das Team sich der sozialen Verantwortung, die sie als Leistungssportler tragen.

Die Entscheidung der Mannschaft unterstützen die Verantwortlichen und bitten Fans und Sponsoren um Verständnis für den eingeschlagenen Weg. Gerade aufgrund der letzten Ergebnisse wäre ein positiver Abschluss aus sportlicher Sicht wünschenswert gewesen, aber der Sport genießt nicht die oberste Priorität. Im Folgenden äußern sich Spieler und Verantwortliche zur Situation und Entscheidung. SGL-Gesellschafter Uli Roth gibt in seinem Statement zusätzlich einen Einblick hinter die Kulissen und hofft auf eine vernünftige Entscheidung des Deutschen Handball-Bundes in Hinblick auf das weitere Vorgehen.

Uli Roth, Gesellschafter: „Wir als Drittliga-Handballer der SG Leutershausen zählen uns ganz klar zu den Amateursportlern. Wir sind schlicht und einfach keine Profis. Gut 90 Prozent aller Drittliga-Handballer sind dagegen berufstätig und betreiben den Sport nur nebenher. Es ist also unverantwortlich in diesen Zeiten, in denen wir Kontakte dringend vermeiden sollen, ein Drittliga-Spiel auszutragen. Deswegen haben sich die Verantwortlichen und die Mannschaft der Roten Teufel einstimmig dafür entschieden, um die Verlegung des Rundenspiels am Samstag in Erlangen zu bitten.

Beim Deutschen Handball-Bund sind wir dabei auf großes Verständnis getroffen. Welcher Arbeitgeber würde eine solche Reise in der momentanen Situation unterstützen oder überhaupt erlauben? Die Gesundheit und der Eigenschutz der Spieler stehen für uns im Vordergrund - eine Infektion wollen wir für kein Spiel der Welt riskieren. Das wäre nicht zu rechtfertigen.

Zudem kommt die katastrophale wirtschaftliche Lage. Ja, wir waren alle sehr froh, dass wir überhaupt mit der Saison starten konnten. Aber Fakt ist, dass wir mit jedem Heimspiel wirtschaftlich rote Zahlen schreiben. Auch eine Reise nach Erlangen, bei der man auch sportlich aktuell nicht weiß, wie es danach weitergeht, hätte uns als Verein wieder viel Geld gekostet. Mögliche Testverfahren würden nochmal zusätzliche Kosten mit sich bringen - das wollen und können wir nicht mehr leisten.

Als es noch vor einigen Monaten darum ging, welche Spielklassen von den Hilfspaketen der Bundesregierung bezuschusst werden, hat sich niemand für die Dritte Liga interessiert. Und jetzt sollen wir auf einmal Profis sein? Das ergibt wenig Sinn. Wir vertrauen nun auf eine kluge Entscheidung des DHB und wissen, dass sich die Verantwortlichen in keiner leichten Situation befinden. Fest steht aber aus unserer Sicht, dass am Ende wieder die Spieler die Leidtragenden sind. Schließlich gibt es keine andere Möglichkeit, als die Gehälter auszusetzen, um wirtschaftlich als Verein überhaupt überleben zu können.

Ich hoffe also, dass unsere treuen Sponsoren und Dauerkarten-Inhaber die anstehende Entscheidung mittragen und uns weiter in diesen schweren Zeiten zur Seite stehen, in der Hoffnung, die Saison in der Zukunft irgendwie beenden zu können. Nur damit kann der Drittliga-Handball in Leutershausen am Leben gehalten werden.“

Weitere Stimmen zur Entscheidung der Mannschaft:
Mark Wetzel, Sportlicher Leiter: “Wir haben vor dem Training mit der Mannschaft gesprochen. Nach einer kurzen Diskussion sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass es aus moralischer Sicht nicht geht, dass wir als Drittliga-Handballer spielen, während die Zahlen steigen. Das ergibt keinen Sinn. Sportlich wollten wir spielen, da wir uns und unseren Fans zeigen wollten, dass wir es besser können, als wir es zuletzt gezeigt haben. Aber aus sozialer und gesellschaftlicher Sicht können wir das nicht verantworten.”

Frank Schmitt, Trainer: "In so einer Zeit Handball zu spielen, in der ab Montag alles dicht gemacht wird, finde ich grenzwertig. Viele von uns sind berufstätig und haben auch Kontakt mit anderen Menschen. Wir haben die Entscheidung einstimmig getroffen und gehen den Weg gemeinsam."

Alexander Hübe, Torwart: “Es fällt uns natürlich schwer, nicht nach Erlangen zu reisen, weil wir gerne gespielt hätten, um zu beweisen, dass wir es besser können als im Derby gegen die HG Oftersheim/Schwetzingen - aus sportlicher Sicht. Aber: Aufgrund der aktuellen Geschehnisse rund um das Coronavirus, die steigenden Zahlen und auch die anstehenden Maßnahmen der Regierung, stehen auch wir in der Verantwortung, müssen vernünftig bleiben und auf uns und unsere Mitmenschen achten.”

Tobias Kleine-Nathland, Geschäftsführer: “Ich habe völliges Verständnis für die Entscheidung der Spieler, die auch nur sie treffen können, da es um ihre Gesundheit geht. Die Entscheidung der Mannschaft tragen wir selbstverständlich voll und ganz mit.”


Pressemeldung: SG Leutershausen

 

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