40 Jahre Privatfernsehen – Die Goldene Sonne erstrahlte diesmal in der Ruhrpott Metropole Essen Mehr als 50 TV-Prominenz flanierten endlich wieder über den roten Teppich

Lothar Binder
LBGOP

Über 20 Medienmacher und Moderatoren wurden mit der „Goldenen Sonne Spezial“ ausgezeichnet
Mit einer großen Gala im ausverkauften Essener GOP – Varieté feierten die Stars gemeinsam mit rund 200 Zuschauern das 40. Jubiläum des Privatfernsehens. Ausrichter dieser Preisverleihung war der Sender „sonnenklar TV“, der viele bekannte TV-Stars, zum Teil Akteure der „ersten Stunde Privatfernsehen“, mit der „Goldenen Sonne Spezial“ auszeichnete. 34 Sender übertrugen das Event live. „Endlich können wir wieder Gala-Shows ohne gewisse Einschränkungen feiern“, freuten sich die Verantwortlichen von sonnenklar TV.


Glamourös, spektakulär und unterhaltsam, so sind die Superlativen dieser Show. Glamourös wie die Promis und Legenden aus Film, Funk und Fernsehen auf dem roten Teppich flanierten. Spektakulär die Location des GOP-Varietés, zudem die Musikeinlagen und das 4-Gänge-Menü. Unterhaltsam waren die Erzählungen der Preisträger. Viele plauderten tief aus dem Nähkästchen, wie locker es bei den Anfängen zuging aber auch wie oftmals anstrengend das Arbeiten damals war.

Das TV Moderatoren-Duo Mary Amiri und Kai Pätzmann lockten zum Talkrunden-Auftakt mit den früheren Sendechefs Marc Conrad und Georg Kofler so manche Informationen über die Anfänge des Privatfernsehens raus. Ende der 80er musste ordentlich gekämpft werden im Fernsehen überhaupt gesehen zu werden. Die öffentlich – rechtlichen Sender wollten die Privaten nicht als Wettbewerber in die TV-Haushalte lassen.


Kategorie „Macher“: Auszeichnungen gingen an: Jürgen Doetz ( ab 1985 Geschäftsführer SAT 1), Dr. Georg Kofler (ab 1988 Geschäftsführer ProSieben, hat HSE24 etabliert und Bezahlsender Premiere saniert) Marc Conrad (Programmdirektor RTL) Helmut Markwort (Medienunternehmer „Fokus“, zudem ein echter Radio-Pionier )


Ehren-Preisträger in der Kategorie „Sport“: Ulli Potofski, Jörg Wontorra, Norbert Dobeleit und Jörg Pilawa. Leider hatte es Pilawa zur Preisverleihung nicht mehr rechtzeitig geschafft. Umso mehr plauderte die illustre Runde kurzweilig über ihre Anfänge im Privatfernsehen. Ulli Potofski erzählte, seine erste Sportsendung dauerte ganze 4,5 Stunden lang. Danach stellte der Sender fest: DAS wollten die Zuschauer nicht. Kurzerhand wurde die Sendung umgestellt. „Das wäre so heute unmöglich“, so Potofski. Es war seine schwierigste, aber auch seine schönste Zeit. Keinesfalls möchte er diese missen.


Ausgezeichnet in der Kategorie Serie „Serie“: Andreas Elzholz und Peer Kusmagk (beide ehemalige Protagonisten der RTL-Soap GZSZ) und anderen Formaten, Otto Retzer (z.B. Ein Schloss am Wörthersee) und Wolfgang Fierek (Ein Bayer auf Rügen u.a.)


„Ich bin kein Schauspieler, ich bin ein Gesichtsvermieter“, meinte Otto Retzer. Der „Meister Proper des Deutschen Films“, wie er in Fachkreisen gerne genannt wird, hat bereits in 90 Filmproduktionen Regie geführt. Peer Kusmagk meinte, in Essen schließt sich sein Kreis. Hier hatte er damals in der renommierten Schauspielschule vorgesprochen. Allerdings, ihm wurde angetragen, er sollte doch lieber eine Schreiner-Ausbildung machen, die fängt auch mit SCH... an. Er kämpfte weiter und kurze Zeit später hatte er jeweils eine Hauptrolle in drei Serien.


In der Kategorie „Show“ waren ebenfalls 4 Preisträger: Marijke Amado. Sie wurde auf einer Kreuzfahrt von Rudi Carrell entdeckt. Zudem wurden Uwe Hübner, Viktor Worms und Thomas Koschwitz ausgezeichnet. Die Laufbahn von Koschwitz begann beim Hessischen Rundfunk als jüngster Hörfunknachrichtensprecher. Das Fernsehen hat ihn dann zum Nachtmenschen gemacht mit der Sendung „RTL Nachtshow“. Uwe Hübner und Viktor Worms moderierten unter anderem auch die ZDF Hitparade.

Die älteren unter uns kennen sie sicherlich noch. Flimmerten sie in den 90ern doch täglich über den Bildschirm.

Ehren-Preisträger der Kategorie „Game“: Harry Wijnvoord ( Der Preis ist heiß), Werner Schulze-Erdel (Ruck-Zuck 1988 und Familien-Duell ab 1992), Jörg Draeger (Geh aufs Ganze mit dem Zonk ab 1992) und Maren Gilzer (Glücksrad) Humorig erzählte Maren Gilzer dass sie immer als Dummchen abgestempelt wurde. „Dass sie DAS mit sich machen lässt, kein Wort sagen zu dürfen. Wahrscheinlich ist das auch besser so“, waren seinerzeit Kommentare, die sie über sich ergehen lassen musste. Aber, sie lacht: „Ich habe eine Menge Kohle verdient“.

Lustig, aber auch etwas ernst wurde es bei der

Kategorie „Comedy“.

Hella von Sinnen („Alles Nichts Oder“ ab 1988 und andere Formate)Tanja Schumann (RTL Samstag Nacht) Lisa Fitz (erste Frau, die sich in den 80er-Jahren mit einem Kabarett-Programm auf die Bühne wagte) und Tom Gerhard (Hausmeister Krause). Während Hella von Sinnen, wie man sie kennt, bei ihrem endlos Statement kaum Luft holte, thematisierte Lisa Fitz die Veränderungen im deutschen Fernsehen kurz und bündig. „Spießigkeit ist der heutige Zeitgeist, keiner traut sich mehr was. Heute verlierst du ja schon dein Amt, wenn du an der falschen Stelle beim kurzen Lachen erwischt wirst. Früher konnte man was unbequemes sagen, heute ist man nur noch 3 bbb: blutleer, beleidigt, betroffen. Traut euch doch einfach mehr, seid nicht mehr so political korrekt!“ Und Tom Gerhard fügte hinzu: “ Heute darfst du gar nichts mehr sagen, es ist alles so weichgespült.“

Preisträger der Kategorie Info:

Hans Meiser (aktuelle Informationen seriös und verständlich, der TV-Mann der ersten Stunde bei RTL 1984 mit RTL aktuell), Hans Mahr (ab1994 Chefredakteur bei RTL ), Lilo Wanders, die Sexpertin schlechthin. Eine Kunstfigur, die ab 1994 jeden Donnerstag auf VOX die Show „Wa(h)re Liebe präsentierte, die, laut Lilo Wanders mit einem Augenzwinkern, damals angeblich niemand gesehen hatte.

Ehren-Preis-Träger

war zudem Prof. Dr. Helmut Thoma, der Pionier des Deutschen Privatfernsehen. Er konnte leider nicht kommen, richtete seine Grüße und Dankesworte allerdings per Videobotschaft an die ehemaligen Kollegen und Zuschauer.


Ehrenauszeichnung für Holm Dressler

Große Überraschung bei Holm Dressler, der seit 50 Jahren nicht aus der Fernsehlandschaft wegzudenken ist, und mit Größen von Joachim Fuchsberger über Rudi Carell, Günter Jauch bis hin zu Thomas Gottschalk zusammenarbeitete. „Die Zugkraft und hohe Stardichte bei der Goldenen Sonne ist vor allem sein Verdienst“, begründete Senderchef Andreas Lambeck die Entscheidung. Gerührt nahm Dressler die Goldene Sonne entgegen. Mit stehenden Ovationen honorierten die Zuschauer diese Auszeichnung.


Passend zum Anlass

brachten die Gesangstars 80er-Jahre-Feeling auf die Bühne. Retro-Soul Sängerin Esther Filly Ridstyle begeisterte ebenso wie Tim Wilhelm mit „Ich hab´gelebt“ aus Ralph Siegels Erfolgsmusical „Zeppelin“. Ein gutes Gespür bewies Regisseur Dressler auch mit den weiteren Musikdarbietungen, als der britische Popsänger Limahl mit „Too Shy“ und „Neverending Story“ zu seinen größten Hits ansetzte, stimmte das gesamte Saalpublikum euphorisch mit ein.


Ebenso riss ein 80er-Jahre-Medley mit Stars der Neuen Deutschen Welle – Markus & Yvonne, UKW Mitbegründer Peter Hubert und Paso Doble – sowie Italiens Ryan Paris die meisten Zuschauer aus ihren Sitzen und animierte zum Mitsingen – bei Ohrwürmern wie „Gib Gas ich will Spaß“, „Sommersprossen“, „Computerliebe“ und „Dolce Vita“.


Zu den weiteren Promis, die beim sonnenklar TV Event und der Aftershow feierten, zählten Keyboarder-Legende Franz Lambert, die Moderatoren Max Schautzer und Peter Illmann, Fly & Help-Gründer Reiner Meutsch, die Schauspieler Stefan Franz, George Baumgartl und Nina Kristin Fiutak, Designer Julian F.M. Stoeckel sowie Christian Oberfuchshuber, der im Vorfeld der Show bereits eine Sondertrophäe als Deutschlands bekannter Warm-Upper erhielt.

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