Fotos: Cheesy
Mehr als 300 Gäste, mediterrane Spitzenküche, ausgezeichnete Weine und eine italienische Liveband, die den historischen Schlosshof kurzerhand zur Tanzfläche machte: Die Wein-Nacht „Bella Italia“ am 6. August bewies, dass man für einen Abend voller Dolce Vita nicht zwingend über den Brenner fahren muss. Manchmal genügt der Weg hinauf zum Heidelberger Schloss.
Es gibt diese Sommerabende, an denen plötzlich alles zusammenpasst. Das Wetter spielt mit, die Gläser sind gefüllt, aus den Lautsprechern klingt Italien – und irgendwann fragt man sich, ob man eigentlich noch in Heidelberg oder schon auf einer Piazza irgendwo zwischen Florenz und Verona sitzt.
Genau so ein Abend war „Bella Italia – Die italienische Wein-Nacht“ im vollbesetzten Innenhof des Heidelberger Schlosses. Mehr als 300 Gäste waren gekommen, um italienische Lebensfreude zu genießen – kulinarisch, vinophil und musikalisch. Und sie bekamen reichlich davon.
Karina und Marvin aus Worms wussten bereits, worauf sie sich einließen. Nach ihrem ersten Besuch bei „Schloss zu Queens“ waren sie nun zum zweiten Mal bei einem Event im Heidelberger Schloss dabei – und entsprechend begeistert. Einmal kann schließlich Zufall sein. Beim zweiten Mal darf man bereits von Überzeugungstätern in Sachen Scharff’sche Schlossabende sprechen. Nach diesem Abend dürfte die entscheidende Frage deshalb weniger lauten, ob sie wiederkommen. Sondern eher: zu welchem Event als Nächstes?
Ein Menü, das am Morgen beinahe noch keines war
Was die Gäste zu diesem Zeitpunkt nicht ahnten: Hinter den Kulissen hatte der Tag für Martin Scharff und seine Küchenmannschaft alles andere als italienisch entspannt begonnen. Ausgerechnet am Veranstaltungstag blieb eine erwartete Warenlieferung aus. Keine Palette, keine Ware – und schließlich die Nachricht: Sie wird auch nicht mehr kommen.
Man könnte sagen: Während andere bei einer solchen Nachricht vielleicht erst einmal einen Espresso gebraucht hätten, wurde in der Schlossküche improvisiert, organisiert und gekocht. Was anschließend auf den Tischen stand, ließ jedenfalls nicht vermuten, dass wenige Stunden zuvor hinter den Kulissen kulinarischer Alarm geherrscht hatte.
Vom Vitello Tonnato bis zum „Echt Scharff“-Tiramisu
Der Auftakt war bereits eine kleine Reise durch die mediterrane Küche: Das Antipasti-Tischbüffet „to share“ brachte Vitello Tonnato vom Kalb, bunten Meerfrüchtesalat, Spicy-Knoblauch-Gambas, Pulpo vom Grill, edle Schinken- und Salamispezialitäten, Grillgemüse, toskanischen Nudelsalat sowie Mozzarella mit Romanatomaten und Pesto auf die Tische. Dazu eine bunte Brotauswahl – Teilen ausdrücklich erwünscht, Besitzansprüche auf die letzten Gambas vermutlich Verhandlungssache.
Es folgte Filet vom Loup de Mer mit Tagliatelle, Genoveser Basilikum, Gewürztomaten, Safransauce und gepickeltem Staudensellerie. Danach Saltimbocca von der Maishähnchenbrust mit Olivenpolenta, Parmaschinken, Pfifferlings-Zucchinigemüse und Barolosauce.
Zum Finale wurde es dann – zumindest dem Namen nach – „Echt Scharff“: Tiramisu mit sommerlichen Beeren, Mandelcreme, Pistazieneis und Pfefferminze setzte den süßen Schlusspunkt.
Auch Vegetarier mussten sich keineswegs mit einer kulinarischen Nebenrolle begnügen. Nach dem vegetarischen Antipasti-Büffet folgten Tagliatelle & Safran mit Genoveser Basilikum, Gewürztomaten, gepickeltem Staudensellerie und Weinbergpfirsich sowie Olivenpolenta mit wildem Brokkoli, Pfifferlings-Zucchinigemüse und Barolosauce. Das Tiramisu „Echt Scharff 2.0“ sorgte schließlich dafür, dass spätestens beim Dessert alle wieder auf demselben Stand waren: satt, zufrieden und bereit für den weiteren musikalischen Teil des Abends.
Große Weine – und ein Abend mit ernster Seite
Zu einem italienischen Sommerabend gehört selbstverständlich Wein. Verschiedene Weinstationen im Schlosshof luden dazu ein, ausgesuchte Tropfen kennenzulernen und mit den Winzern ins Gespräch zu kommen. Präsentiert und begleitet wurde das Weinangebot vom Weinrefugium.
Besondere Aufmerksamkeit verdiente an diesem Abend auch die Unterstützung der Weingüter Jülg, Friedrich Becker und Kuhn. Hinter der heiteren Atmosphäre stand dabei eine sehr ernste Realität: Die Winzer hatten erst in der Woche zuvor massive Hagelschäden hinnehmen müssen, die nach Angaben vor Ort teilweise rund 80 Prozent der Ernte vernichteten. Umso wichtiger war das sichtbare Zeichen der Verbundenheit mit den betroffenen Betrieben.
Dann kam „Volare“ – und die Stühle wurden zunehmend uninteressant
Scharff’s Events sind dafür bekannt, dass Küche und Unterhaltung nicht gegeneinander antreten müssen. Auch diesmal bekam das Publikum musikalisch einiges geboten. Die italienische Liveband „Senza Limiti“ brachte genau das auf die Bühne, was der Abend versprach: Bella Italia, Sommer, Wein und Dolce Vita.
Und irgendwann war es vorbei mit dem gepflegten Sitzen.
Bei italienischen Klassikern wie „Nel blu dipinto di blu (Volare)“, „Ti amo“, „Piccola e fragile“, „Felicità“, „Sempre sempre“, „Bello e impossibile“, „Senza una donna“ oder „Laura non c’è“ hielt es immer weniger Gäste auf ihren Plätzen. Es wurde mitgesungen, gelacht und getanzt – zunächst vielleicht noch etwas zurückhaltend, später mit jener Konsequenz, die entsteht, wenn italienische Musik, guter Wein und ein lauer Sommerabend eine ausgesprochen überzeugende Allianz eingehen.
Als über dem historischen Gemäuer der Abendhimmel dunkler wurde und tanzende Lichter den Innenhof erhellten, hatte „Senza Limiti“ das Publikum längst auf seiner Seite. Bühne und Gäste wurden zunehmend zu einer gemeinsamen italienischen Sommerparty.
Zum stilechten Abschluss durfte natürlich eines nicht fehlen: Espresso. Espresso Perfetto sorgte dafür, dass nach Wein, Vier-Gänge-Menü und Tanz noch einmal ein kleines Stück italienischer Kaffeekultur in die Tassen kam.
Dolce Vita kann auch Heidelberg
Was von diesem Abend bleibt? Sicherlich die eindrucksvolle Kulisse des Heidelberger Schlosses. Sicherlich ein Menü, dem man nicht anmerkte, unter welchen Schwierigkeiten es am Vormittag zustande gekommen war. Die Weine, die Gespräche mit den Winzern und eine Band, die sehr genau wusste, wie man aus einem gesetzten Dinner einen ausgelassenen italienischen Abend macht.
Vor allem aber war es jene Mischung aus Genuss und Lebensfreude, die sich nur schwer planen lässt. Die Gäste kamen zu einer „Italienische Wein-Nacht“ – und gingen einige Stunden später vermutlich mit mindestens einer italienischen Melodie im Kopf nach Hause.
Fazit: Wer an diesem Sommerabend im Heidelberger Schlosshof dabei war, brauchte weder Flugticket noch Reisepass. Ein Glas Wein, „Volare“ und die historische Schlosskulisse genügten. Heidelberg war für ein paar Stunden Bella Italia – und ziemlich überzeugend noch dazu.
