Ein paar Noppen, ein paar Löcher und ein paar Gramm Gewicht

Wolf H. Goldschmitt
Basti

Bastian Walter erliegt von Kindesbeinen an dem Zauber dieser bunten Plastikteilchen. Doch eines Tages will der pfiffige Schüler aus Mannheim mehr als nur fertige Baupläne ausführen und spielt mit einem Gedanken.
Die Skylines von Paris, New York oder Tokio nach Anleitung hochzuziehen, ist kein Hexenwerk. Der Hersteller des weltberühmten Kleinstspielzeugs führt Sets von Metropolen mit peniblen Konstruktionsdetails schon lange im Sortiment. Aber warum existiert eigentlich bisher kein Bausatz für Mannheims steinerne Visitenkarten?
Bastian Walter fasst den Entschluss, diese Marktlücke zu füllen. Der Weg dahin ist allerdings steinig und nicht nur im übertragenen Wortsinn. Aber das Ergebnis verblüfft selbst passionierte Sammler: die markantesten Bauwerke Mannheims kann sich jetzt jeder selbst zusammenstecken - sobald er wieder eines der begehrten Modelle erhält. Denn die erste Serie ist bereits ausverkauft.
Die 334 Steinchen richtig angeordnet zeigen barocke Sehenswürdigkeiten wie Jesuitenkirche und Schloss oder moderne Bauten wie SAP Arena und Fernsehturm im Liliputformat. Um zu erfahren wie ein 15jähriger auf solche Gedanken kommt, hilft ein Blick zehn Jahre zurück. Schon im Kindergartenalter hat Bastian wie seine Altersgenossen gern mit den griffigen Plastikklötzchen gespielt. "Aber nie mit den großen Duplos, die waren langweilig“, erinnert sich der junge Bauherr. Mit sieben Jahren allerdings reichen ihm die Werksanleitungen nicht mehr, um seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.
Dann schließlich die Idee: Er will Mannheim verewigen. Und geht systematisch vor, seinen Traum zu verwirklichen. Fotos und Luftaufnahmen der City werden genau begutachtet, Zeichnungen angefertigt und mit einem speziellen Computerprogramm von Lego erschafft er die erste virtuelle Skyline der drittgrößten Stadt Baden-Württembergs digital am Computerbildschirm.
Die nächste Hürde bei der praktischen Umsetzung heißt: den richtigen Farbton der Gebäude treffen. Bei den modernen Häusern klappt das rasch, bei Denkmälern hingegen wird´s schwieriger. „Für die Jesuitenkirche war es aufwändig, die passende Tönung zu finden“. Doch der Zehntklässler des Ursulinengymnasiums weiß sich zu helfen. Er ordert auf dem schier unbegrenzten Markt der Legosteine das benötigte Farbenmaterial. Immerhin hat Lego weltweit über 700 Milliarden Steine verkauft. Das größte Verkaufsobjekt des dänischen Unternehmens übrigens ist ein Nachbau des Colosseums von Rom aus über 9000 Teilchen.

Eigentlich hatte Bastian Walter lange gehofft, dass sein Klein-Mannheim von der großen Firma in ihre Architekturserie aufgenommen wird. Damit hätte er auf der ganzen Welt Imagewerbung für die Quadratestadt machen können. Doch Lego selbst will mit dem Design nicht in Serienproduktion gehen. „... weil mit der Jesuitenkriche ein religiöses Gebäude im Set enthalten ist. Das muss man nicht verstehen, denn die Jesuitenkirche gehört genauso zu Mannheim wie der Wasserturm und das Schloss“, schreibt er ein wenig enttäuscht auf seiner Homepage www.skyline-mannheim.jimdosite.com. Wenn in den nächsten zwei Jahren 10 000 Leute auf der Firmenseite ideas.lego.com die Mannheimer Edition fordern, dann könnte der Traum vielleicht doch wahr werden.
Die Firma flix-brix, ein Unternehmen, das deutschlandweit Legosteine vertreibt, springt vorerst ein. Und bereut es nicht. Zum Jahreswechsel kamen die ersten Sets in den Handel. Nach nur drei Wochen sind alle 200 Kartons verkauft.
Und wie soll es nun weitergehen mit dem Hobbydesigner, der vielleicht einmal Architekt werden will? Die zweite Auflage seiner Lego-Hommage an Mannheim kann kommen. Und der Tüftler hat bereits einen neuen Bauplan in Arbeit: die Skyline der Nachbarstadt Heidelberg.

Wolf H. Goldschmitt