Dieser Weg wird kein leichter sein

L. Binder
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OB-Kandidaten stellen sich Fragen zum Thema Inklusion bei der Lebenshilfe Mannheim

(gol)"Dieser Weg wird kein leichter sein", jener Song von Popstar Xavier Naidoo könnte als Überschrift dienen für die Podiumsdiskussion der Lebenshilfe Mannheim im voll besetzten Kulturzentrum am Hafen. Drei Oberbürgermeisterkandidaten waren gekommen, um zum aktuellen Thema Inklusion - Stellung zu beziehen. - Fragen von Moderator Karl-Heinz Trautmann, Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe Mannheim, und aus dem Publikum sowie die Antworten der Bewerber um den Spitzenposten im Rathaus zeigten: Es gibt auf diesem Feld noch eine Menge zu tun in der Quadratestadt.

Zum Auftakt der eineinhalbstündigen Veranstaltung erläuterte Trautmann die Beschreibung von Inklusion aus soziologischer Sicht: " Das Konzept der Inklusion umreißt eine Gesellschaft, in der jeder Mensch akzeptiert wird und gleichberechtigt und selbstbestimmt an dieser teilhaben kann -unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Alter, Religionszugehörigkeit oder Bildung, von eventuellen Behinderungen oder sonstigen individuellen Merkmalen." In der inklusiven Gesellschaft gebe es keine definierte Normalität, die jedes Mitglied dieser Gesellschaft anzustreben oder zu erfüllen habe. Normal, so Trautmann, sei lediglich dieTatsache, dass Unterschiede vorhanden sind. Und diese Unterschiede würden als Bereicherung anerkannt und dürften keine Auswirkungen auf das selbstverständliche Recht der Individuen haben, an der Gesellschaft teilzuhaben. Letztlich sei es Aufgabe der Gesellschaft, Strukturen zu schaffen, die es allen ermöglichen, sich barrierefrei in ihr zu bewegen.

Der amtierende Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz betonte, dass Inklusion in dieser Dimension als Gesellschaftsaufgabe noch nicht verstanden worden und gesellschaftlich durchgedrungen sei sei. "Diese Revolution ist im Bewusstsein der Menschen bislang nicht angekommen", so der Kandidat von SPD und Grünen. Dennoch habe die Stadt Mannheim die Bedeutung erkannt und ein so genanntes "Vielfaltsmanagement" aus der Taufe gehoben. Ein Team von Fachleuten nehme sich der Probleme von Behinderten, Migranten und sexuell anders Orientierten an. Er werde sich dafür einsetzen, dass die Wahrnehmung der Menschen mit einem Handicap verstärkt werde. Doch das könne nur schrittweise geschehen. Bei inklusiven Wohnprojekten wie beispeilsweise bei den Planungen für die ehemaligen Kasernen von Turley. Gleichwohl gab der Oberbürgermeister zu, dass es an Geldern fehle, diese gesellschaftliche Aufgabe noch rascher voranzutreiben. Leider sei es auch so, dass von rund 40 000 städtischen Wohnungen der GBG nur etwa 400 behindertengerecht eingerichtet seien. Das liege am Alter der Bausubstanz aus den Sechziger Jahren. Er wisse wohl, dass Behinderung mit Armut verbunden sei und das Geld für adäquate Baumaßnahmen bei der Kommune fehle. Dieses ökonomische Problem sei nur in Zusammenarbeit aller gesellschaftlichen Kräfte zu lösen, so Kurz realistisch.

Peter Rosenberger, OB-Kandidat der Christdemokraten, sah durchaus Nachholbedarf in Sachen Inklusion und forderte zunächst mehr Respekt als ein Lebensmodell. Sein Sohn gehe in einen inklusiven Kindergarten und genau hier müsse man ansetzen, um ein Umdenken der Menschen zu bewirken. Je früher sich die Generationen mit dem Thema Inklusion beschäftigten, desto früher könnten die Barrieren in den Köpfen verschwinden. "Warum nicht Artikel im Städtischen Amtsblatt in einfacher Sprache oder auch im Theaterprogramm", so seine pragmatischen Vorschläge.

Das Umrüsten und der Neubau von Wohnraum sei ebenso unabdingbar wie frühzeitige gemeinsame Schulprojekte von behinderten und nicht behinderten Menschen, um Berührungsängste zu nehmen und Hürden abzubauen. Rosenberger sieht ebenfalls eine gute Chance, wenn die Stadtverwaltung zusammen mit den heimischen Unternehmen ein "Bündnis Inklusion" schmiedet, um für behinderte Menschen weitere Arbeitsplätze zu schaffen. Hier regt er beispielweise analog zu "Fair Trade" das Gütesiegel "Inklusiv hergestellt" an, um die so hergestellten Waren gezielt an bestimmte Kunden zu bringen.

Christopher Probst, der Kandidat der Mannheimer Liste/Freie Wähler, unterstrich die Bedeutung der Teilhabe von Menschen mit Handicap am Gesellschaftsleben. "Das ist ein Menschenrecht". Barrierefreiheit im engen und weiteren Sinn sei aber letztlich auch eine Frage des Geldes. Mit Blick auf das kommende Bundesteilhabegesetz, das unter anderem Doppelzimmer in Behindertenwohnheimen nicht mehr zulasse, sieht Probst noch mehr Fragezeichen in Sachen Finanzierung. Auf die Frage, ob er die Inklusion als möglicher Mannheimer Oberbürgermeister zu Chefsache machen wolle, antwortete Probst:" Natürlich, aber das sollte sie jetzt schon sein".

Im Anschluss an der regen Diskussionsteil konnten sich die Besucher in Gesprächen mit den drei Kandidaten intensiv weiter austauschen.