Mannheim Wer sehen will, wo der Luxus in der Metropolregion
unterwegs ist, konnte das jetzt in der Mannheimer Kunststraße bestaunen. Und die aufgepimpte Extravaganz - auch wenn sie oftmals nur mit Papas Kreditkarte gemietet ist - schleicht sich im Normalfall langsam an und rast dann geräuschvoll los. Diese so genannten Poser in PS-starken Statussymbolen zerstören die Lebensqualität für Anwohner in den Quadraten. Aber wer konnte vor Jahrzehnten schon ahnen, wohin sich die Welt des Automobils eines Tages entwickeln würde. Für die Fans des Tunings startet die neue Saison immer am Karfreitag, ihrem "Car-Friday". Und die „Generation Poser“ gehört nicht zu jener Kategorie von Menschen, die in ihrer Freizeit mit einem Fiat Cinquecento Cabrio zur romantischen Landpartie aufbrechen. Sie bevorzugt fette Felgen, krasse Spoiler, ausgefeilte Optik und legt ihr Fahrzeug gern bis auf den Asphalt. Dabei handelt es sich laut Polizeistatistik zumeist mit Migrationshintergrund, die ihrer Umwelt häufig mit Porsche, Lamborghini, Ferrari und Premiumsegmenten von BMW, Mercedes oder Audi auf die Nerven gehen. Die Polizei hält mit Schwerpunktkontrollen dagegen - wie Freitagnacht im Rhein-Neckar-Kreis, Heidelberg und in Mannheim vor dem Quadrat N 6.
Eine bezeichnende Szene: Ein junger Mann im Turboflitzer gibt Gas, erst zaghaft, dann immer wilder. Der Spaßfaktor hält sich allerdings in diesem Fall in Grenzen. Hinter dem Auto kniet ein Verkehrspolizist. Er hält sein Messgerät vor den dicken Sportauspuff und schüttelt den Kopf. Fazit: Viel zu laut - die Fahrt wird jäh ausgebremst. Wenige Minuten später wird das flotte Auto zum Abstellplatz der Polizei in der Hochuferstraße eskortiert.
Mannheims Quadrate sind längst ein Tummelplatz für Angeber aus der ganzen Metropolregion geworden, die mit ihrem Gefährt Eindruck schinden und meist lärmend durch Straßen rollen wollen - gern immer und immer wieder auf derselben Route. "Es gibt halt Menschen, die glauben, sich auf diese Art darstellen zu müssen", sagt Philipp Kiefner von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit. Neu sei das Phänomen nicht, aber zuletzt wieder modern geworden. "Wir kämpfen schon seit weit über zehn Jahren mit regelmäßigen Kontrollen dagegen an", klingt allerdings fast schon resignierend, weil die Erwischten über das Verwarnungsgeld von maximal 100 Euro wegen Belästigung nur lächeln. Die Wochenendmiete für ein Hingucker aus einer Edelschmiede pendelt zwischen 1500 Euro und 3000 Euro – ohne Benzinkosten, versteht sich.
Auch Mängelberichte verteilt die Polizei reichlich. Ein tiefer, röhrender Sound beispielsweise deutet oft auf "Kunstgriffe" am Abgaskrümmer hin. Auch andere Modifikationen wie Spoiler, Distanzringe, Felgen und Tieferlegungsfedern müssen genau ins Visier genommen werden. "Hier wird gerne großzügig herumgeschraubt", berichtet der Einsatzleiter, Polizeihauptkommissar Michael Schwenk.
Die rund zwei Dutzend Frauen und Männer der Verkehrspolizeiinspektion kennen ihre Pappenheimer. Erfahren aufgrund ihrer langjährigen Arbeit in der Poser-Szene, können sie förmlich schon riechen, wo bei den getunten Karossen großzügig über Vorschriften hinweggesehen wurde. Schwerpunkt: technische Veränderungen an Kraftfahrzeugen. Bestens ausgerüstet über Onlinekommunikation und Funkgeräten gehen sie in die Nachtschicht, die in Mannheim bis 2 Uhr dauert. Alle wissen sehr wohl, dass clevere Tuner eine Abschalttaste an der Bodenkonsole eingebaut haben. Damit können sie ihren Auspuff röhren oder sanft schnurren lassen, ganz nach Bedarf. So wundert es die johlenden Schaulustigen natürlich nicht, dass das Gros der Nobelschlitten fast unnatürlich leise daherkommt und nach der Kontrolle – ein paar Hundert Meter weiter – plötzlich wieder unüberhörbar ist.
„Die Werkstatt hat Mist gebaut, ich kann da nichts dazu", versucht sich ein Fahrer herauszureden. Die Distanzringe hätten an den Vorderrädern, nicht den Hinterrädern montiert werden sollen. Der Abstand wäre dann größer gewesen. Der Polizist muss angesichts solcher Ausreden schmunzeln. Die Ordnungshüter werden einen Bericht an die zuständige Zulassungsstelle schicken, die dann entscheidet, was mit dem beanstandeten Vehikel weiter passiert. Im schlechten Fall entzieht sie die Fahrzeugzulassung. Im besten Fall gibt´s einen Mängelbericht und der Halter kann innerhalb von ein bis zwei Wochen die Distanzscheiben entfernen lassen.
Die Gesamtbilanz des ersten Poser-Checks in der Region bestätigt das gute Auge der Polizei: 95 Fahrzeuge und 144 Personen wurden herausgewinkt und 92 Verstöße festgestellt und geahndet. Dazu zählen unzulässige technische Veränderungen, die Manipulation von Fahrzeugen, unnötige Lärm- und Abgasbelästigungen sowie andere Verstöße ohne direkten Bezug zu Posing oder illegalem Tuning. Fünfmal endet der Start in die neue Saison schon frühzeitig.