Mannheim: SV Waldhof – FC Erzgebirge Aue 2:1

Mannheim: SV Waldhof – FC Erzgebirge Aue 2:1

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Glücklicher Waldhof-Sieg, nach umstrittenem Treffer von Boyd
(GM) Mit 2:1 schlug der SV Waldhof den Abstiegskandidaten FC Erzgebirge Aue, bleibt damit zwar auf Tabellenplatz 9, vergrößert aber mit dem vierten Heimsieg in Folge den Abstand zur Abstiegszone auf 20 Punkte und inzwischen brauchen wohl auch die größten Pessimisten keine Angst um den Klassenerhalt mehr haben. Dass bei Boyds Siegtreffer, in der 90. Minute, bei dem der Ball von der Unterkante der Latte, wohl nicht mit vollem Umfang hinter die Torlinie prallte, ist zwar Pech für die tapfer kämpfenden Auer, bestätigt wahrscheinlich aber ein weiteres Mal, dass sich Glück und Pech, innerhalb einer Saison, die Waage halten. In der Vergangenheit mussten die Buwe auch manche strittige Entscheidung – gegen sie – hinnehmen.

Gegenüber der Niederlage in Osnabrück veränderte Trainer Luc Holtz seine Mannschaft auf vier Positionen; Sietan kehrte nach überstandener Krankheit wieder zurück und stand in der Startelf, wie auch Boyd, der seine Rot-Sperre abgesessen hatte. Zudem begannen Asallari und Thill. Dafür nahmen Bierschenk, Kryeziu und Rieckmann zunächst auf der Bank Platz, Ogbemudia fehlte aufgrund einer Entzündung am Fuß.

Wie von Luc Holtz vorausgesagt, beginnt Aue im Stil einer Mannschaft, die um die möglicherweise letzte Chance auf den Klassenerhalt kämpft. Die Gäste spielen mutig nach vorne, holen in der 5. Minute auch den ersten Eckball der Partie heraus, der aber nichts einbringt. Auch die erste gute Torchance der Begegnung gehört Aue. In der 19. Minute flankt Seiffert von der linken Seite in den Waldhöfer Strafraum, wo Bär einläuft, den Ball volley nimmt, aber dann knapp über den Querbalken setzt. Und nur eine Minute später ist es erneut Bär, der nach gutem Zuspiel von Günther-Schmidt, alleine vor Nijhuis auftaucht, aber beim Versuch, den Waldhöfer Torhüter zu umspielen, nur noch aus spitzem Winkel abschließen und den Ball nicht gefährlich aufs Tor bringen kann (20.).

Auch wenn die Platzherren sich hin und wieder bis zum Auer Tor durchspielen, wo die Angriffe dann aber meist wirkungslos verpuffen, haben die Gäste deutlich mehr Spielanteile – und Torchancen. In der 23. Minute liegt das 0:1 förmlich in der Luft, als Stefaniak mustergültig auf Bär flankt, dessen Flugkopfball aber ganz knapp am linken Pfosten ins Aus geht. Und Aue bleibt dran. Nach einer Flanke von Günther-Schmidt, von der linken Seite, die Bär in der Mitte knapp verpasst, kommt direkt die nächste Flanke von der rechten Seite, die Ba nicht entscheidend klären kann, kommt Günther-Schmidt zum Abschluss, schießt aber aus kurzer Distanz knapp am Gehäuse von Nijhuis vorbei (31.).

Erst gegen Ende der ersten Halbzeit kommt der Waldhof etwas besser ins Spiel und Abifade schickt in der 37. Minute den ersten Gruß Richtung Auer Tor, der Versuch geht aber weit drüber. Eine Minute später wird es dann schon gefährlicher, als Asallari nach einem Konter kurz vor dem Strafraum abzieht, der Schuss aber dann knapp über das linke Lattenkreuz fliegt. Nachdem kurz darauf ein Schuss von Ba, nach Vorarbeit von Lohkemper und Michel auf dem Auer Tordach landet, kommt Hoffnung auf einen besseren zweiten Durchgang auf.

Doch eine Minute vor dem Halbzeitpfiff – in der kurzen Waldhöfer Drangphase – geht Aue in Führung. Bei einem weiten Einwurf von Malone hilft Boyd in der Abwehr auf, köpft den Ball aber direkt zu Stefaniak, der nicht lange fackelt und flach in die lange Ecke zum 0:1 trifft. Gemessen am Spielverlauf ist die Pausenführung der Gäste durchaus verdient.

Zur zweiten Halbzeit wechselt Luc Holtz, der in der Pause offenbar die richtigen Worte gefunden hat, Bierschenk für Asallari ein und seine Mannschaft zeigt in der Folge ein anderes Gesicht. Vom Anstoß weg geht es Richtung Auer Tor; Ba spielt in den Strafraum auf Boyd, der den Ball klasse annimmt, aus der Drehung abschließt, aber den Ball knapp über das Tor schießt (46.). Wenig später hat auch Lohkemper seinen ersten vielversprechenden Abschluss, aber auch er zielt etwas zu hoch (49.). Aber eine Minute später darf gejubelt werden im Carl-Benz-Stadion. Auf der linken Seite dribbelt sich mit Geschick – und etwas Glück – Michel an Uhlmann vorbei, passt überlegt in die Mitte zum heranstürmenden Bierschenk, der den Ball aus gut 12 Metern direkt nimmt und sehenswert im linken Dreieck versenkt (50.). Das 1:1 war der erste Treffer als Profi für den jungen Lovis Bierschenk und schöner kann ein Debüt-Treffer kaum sein.

Fast hätte Thill fünf Minuten später das Spiel gedreht, als er nach gutem Zuspiel von Sietan, aus der Distanz abzieht, aber den Ball über das Auer Tor jagt. Kurz darauf ist für den Luxemburger Feierabend; Rieckmann kommt neu in die Partie (55.). Aue ist vom Ausgleich und den wie ausgewechselten Waldhöfern sichtlich beeindruckt und hat in der Abwehr nun deutlich mehr Arbeit als in den ersten 45 Minuten. Erst gegen Mitte der zweiten Halbzeit können sich die Gästen wieder etwas befreien und verstärken, im Wissen, dass nur drei Punkte weiterhelfen können, ihre Offensivbemühungen. In der 72. Minute zwingt Simnica Waldhof-Torhüter Nijhuis zu einer Glanzparade. Aber der Waldhof hält dagegen und erspielt sich weitere Möglichkeiten. Aue wehrt sich nach Kräften und Ehlers (77.) und Simnica (78.) holen sich kurz hintereinander Gelbe Karten ab, für Fouls an Bierschenk und Abifade.

Mit Guttau für Günther-Schmidt (80.) und Ocansey für Bär (85.), verstärkt Aue noch einmal seine Offensive für die Schlussphase. Beide Teams drängen jetzt auf den entscheidenden Treffer und es geht hin und her. 87. Minute: nach einem Eckball von Guttau, köpft Ocansey über das Tor; 88. Minute: im Gegenzug schießt Boyd, nach von Sietan ebenfalls drüber; 89. Minute: Gegenzug Aue, Klünter klärt eine Hereingabe von Ehlers auf Ocansey, bevor es gefährlich wird. Schließlich die 90. Minute: Hoffmann spielt von kurz vor der Mittellinie einen weiten Pass auf die rechte Seite zu Boyd, der sich den Ball mit der Brust vorlegt und bevor Seiffert eingreifen kann, wuchtig mit rechts abzieht. Über die Fäuste von Aues-Schlussmann Männel hinweg fliegt der Ball an die Unterkante der Querlatte, prallt auf den Boden, gefühlt mit halbem Umfang hinter die Linie – aber eben nicht mit vollem Umfang – und der Linienrichter zeigt recht schnell an, dass der „Treffer“ gilt, was Schiedsrichter Timon Schulz Sekunden später auch bestätigt. Die vehementen Proteste der Auer sind ebenso verständlich wie zwecklos, die Entscheidung steht.

Die Nachspielzeit von vier Minuten hat es dann noch einmal in sich. Aue wirft jetzt alles, einschließlich Torhüter Männel, nach vorne. Beim Waldhof kommt Thalhammer für Michel ins Spiel und Aue bringt Bornschein für Uhlmann (90.+3). Die Nachspielzeit ist vorbei, als es noch einmal Eckball für Aue gibt – erneut ist Männel mit vorne. Nijhuis klärt per Faustabwehr zu einer weiteren Ecke für Aue. Auch diesmal bereinigen die Fäuste des SVW-Torhüters die Situation. Dann endlich ist Schluss. Während die Waldhöfer ihren vierten Heimsieg in Folge feiern, erklären Stefaniak und Seiffert dem Schiedsrichtergespann die physikalischen Gesetze, nach denen den Ball „niemals hinter der Linie“ gewesen sein kann.

Am kommenden Samstag bestreitet der SV Waldhof das Halbfinale im bfv-Verbandspokal, beim Oberligisten FC Bruchsal. In der 3. Liga geht es für die Buwe am 4. April weiter, beim TSV 1860 München.

SV Waldhof – FC Erzgebirge Aue 2:1 (0:1)
Nijhuis – Ba, Klünter, Hoffmann, Abifade, Thill (56. Rieckmann), Sietan, Asallari (46. Bierschenk), Michel (90.+3 Thalhammer), Lohkemper, Boyd
Aue: Männel – Fallmann, Malone, Zobel, Seiffert, Uhlmann (90.+3 Bornschein), Simnica, Stefaniak, Günther-Schmidt (80. Guttau), Ehlers, Bär (85. Ocansey)
Tore: 0:1 Stefaniak (44.), 1:1 Bierschenk (50.), 2:1 Boyd (90.); Schiedsrichter: Timon Schulz; Zuschauer: 9.687