Kehl: Deutschlandkorb und steigende Lebensmittelkosten – was ein Blick nach Frankreich verrät
Steigende Lebensmittelpreise belasten viele Haushalte. Ein Vorschlag der SPD greift das Thema auf – Erfahrungen aus Frankreich liefern dabei aufschlussreiche Hinweise.
Viele Verbraucherinnen und Verbraucher spüren die anhaltenden Preisanstiege beim täglichen Einkauf deutlich. Um gezielt zu entlasten, hat die SPD kürzlich den Vorschlag eines sogenannten Deutschlandkorbs eingebracht. Das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz hat hierzu Erfahrungen aus dem Nachbarland Frankreich ausgewertet und ordnet diese ein.
Was steckt hinter dem Deutschlandkorb
Mit dem Deutschlandkorb sollen die Preise bestimmter Grundnahrungsmittel freiwillig begrenzt werden. Ziel ist es, Haushalte bei den täglichen Ausgaben zu entlasten. Der Vorschlag stößt jedoch auf unterschiedliche Reaktionen. Während viele Verbraucherinnen und Verbraucher mögliche Vorteile sehen, zeigt sich der Handel bislang zurückhaltend. Konkrete Details zur praktischen Umsetzung in Deutschland liegen bislang nicht vor.
Als Vorbild wird unter anderem ein Konzept aus Griechenland genannt. Auch Frankreich hat bereits Erfahrungen mit einer ähnlichen Initiative gesammelt.
Der französische Anti-Inflationskorb
Ende 2022 startete das französische Wirtschaftsministerium eine Initiative zur Abfederung steigender Lebenshaltungskosten. Große Handelsketten stellten auf Bitte der Regierung freiwillig definierte Warenkörbe mit Produkten des täglichen Bedarfs zusammen und boten diese zu möglichst niedrigen Preisen an.
Teilweise blieben einzelne Produkte auch über den staatlich geforderten Zeitraum hinaus zum Selbstkostenpreis im Angebot. Frankreich setzte dabei bewusst auf Freiwilligkeit und Wettbewerb zwischen den Anbietern.
Beobachtungsstelle schafft Transparenz
Begleitet wird die Preisentwicklung in Frankreich durch eine staatliche Beobachtungsstelle, die Preisbildung und Gewinnspannen von Lebensmitteln analysiert. Diese Einrichtung ist den zuständigen Ministerien zugeordnet und legt dem Parlament jährlich einen Bericht mit objektiven Auswertungen vor.
Die Analysen dienen unter anderem als Grundlage für politische Entscheidungen und Gesetzesdebatten, etwa zur Bewertung von Regelungen zur faireren Entlohnung in der Landwirtschaft.
Ansatz für Deutschland
Nach Einschätzung des Zentrums für Europäischen Verbraucherschutz liegt die Stärke des französischen Modells in der transparenten und kontinuierlichen Beobachtung der Preisentwicklung. Eine vergleichbare Einrichtung in Deutschland könnte aus Sicht des Zentrums eine neutrale Informationsquelle für Politik, Wirtschaft sowie Verbraucherinnen und Verbraucher schaffen.
Ob und in welcher Form der Deutschlandkorb umgesetzt wird, bleibt derzeit offen. Die Erfahrungen aus Frankreich zeigen jedoch, dass freiwillige Modelle und transparente Marktbeobachtung eine wichtige Rolle bei der Entlastung von Verbraucherinnen und Verbrauchern spielen können.