Was lässt sich mit der HPV-Impfung erreichen, was nicht?
Mit der HPV-Impfung lässt sich die Rate auffälliger Zellveränderungen am Gebärmutterhals senken.
Bild: © Hyttalo Souza, Unsplash
Für Mädchen und Frauen gilt: Durch eine HPV-Impfung lässt sich die Rate von Zellveränderungen am Gebärmutterhals deutlich senken. Damit sinkt voraussichtlich auch die Wahrscheinlichkeit, dass diese Zellveränderungen zunächst zur Krebsvorstufe und dann zu Krebs werden. Wissenschaftler und Ärzte gehen davon aus, dass die Impfung langfristig zu einer Senkung der Krebsrate führen wird.
Für Jungen und Männer gilt: Erste Ergebnisse aus Studien deuten auch bei ihnen darauf hin, dass eine Impfung HPV-bedingte Tumoren und ihre Vorstufen verhindern kann. Außerdem weiß man: Je mehr Menschen geimpft sind, desto größer ist auch der Schutz für alle noch Ungeimpften. Der Grund: Die Viren können sich insgesamt schlechter in der Bevölkerung ausbreiten. Diesen Effekt nennt man auch Herdenimmunität.
Diesen Schutz gibt es: Beide Impfstoffe, die derzeit auf dem Markt sind, schützen vor einer Infektion mit den beiden häufigsten Hochrisiko-HPV-Typen: HPV 16 und HPV 18. Der Neunfach-Impfstoff schützt zudem vor Infektionen mit HPV 6 und HPV 11, den häufigsten Erregern von Genitalwarzen, sowie vor den HPV-Typen 31, 33, 45, 52 und 58, die ebenfalls als mögliche Krebsauslöser gelten.
Reicht dieser Schutz aus? Es gibt noch viele weitere HPV-Typen, die allerdings seltener vorkommen. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit schützen die Impfstoffe auch vor einem Teil dieser weiteren Papillomviren, weil sie den Hochrisikotypen 16 und 18 zumindest ähnlich sind. Fachleute sprechen von "Kreuzimmunität".
- Trotzdem gilt: Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Die Impfung kann nicht grundsätzlich jede Infektion mit krebsauslösenden HPV-Typen verhindern.
Auf welche Erkrankungen zielt die HPV-Impfung?
- Der Neunfach-Impfstoff senkt das Risiko für genitale Feigwarzen enorm, bei beiden Geschlechtern.
- Beide Impfstoffe senken bei Frauen auch das Risiko von behandlungsbedürftigen Krebsvorstufen, nicht nur am Gebärmutterhals, sondern auch an Vulva und Vagina.
- Männer wie Frauen können vor Haut- und Schleimhautveränderungen am Darmausgang und im Mund-Rachen-Bereich geschützt werden, die ebenfalls zunächst zur Krebsvorstufe und dann zum Tumor werden können.
In Ländern, in denen die Impfung schon länger verfügbar ist, zeigte sich: Die Rate der Operationen zur Entfernung von Zellveränderungen am Gebärmutterhals sank deutlich. Diese Daten stammen aus Studien vor der Zulassung, aber auch aus Untersuchungen, die in Amerika, Australien und Europa noch nach der Einführung der Impfung fortgeführt wurden.
Wie sicher ist der Schutz vor Krebs durch eine HPV-Impfung?
Da Vorstufen der HPV-bedingten Krebsentstehung vorausgehen, halten Fachleute es auf lange Sicht für sehr wahrscheinlich, dass die Krebsrate sinkt. Die derzeit verfügbaren Impfstoffe werden allerdings noch nicht lange genug eingesetzt, um den Einfluss auf die Krebsrate bereits sicher erkennen zu können. Denn: Bis zu 15 Jahre können zwischen der Infektion und der Entwicklung eines bösartigen Tumors vergehen. Daher wird es auch noch einige Jahre dauern, bis sich Auswirkungen der Impfung tatsächlich deutlich in den Krebsstatistiken niederschlagen werden.Erste Auswertungen von Daten aus dem finnischen Krebsregister zeigen aber bereits jetzt: In einer Gruppe von Frauen, welche zwischen 2002 und 2008 gegen HPV geimpft wurden, trat kein Gebärmutterhalskrebs auf, während in der Vergleichsgruppe 8 ungeimpfte Frauen erkrankten (pro Jahr und pro 100.000 Frauen). Auch für diese Studien gilt allerdings: Noch ist der Zeitraum seit der Impfung zu kurz, um den tatsächlichen Effekt beurteilen zu können.
Kann man trotz Impfung (Gebärmutterhals-)Krebs bekommen?
Impfung: Kein Ersatz für Früherkennung
Auch für geimpfte Frauen bleibt die "Krebsvorsorge" weiterhin wichtig.
Einen hundertprozentigen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs bieten die beiden Impfstoffe nicht. HPV 16 und HPV 18 sind die wichtigsten Hochrisiko-Varianten. Sie lassen sich im Gewebe von sieben von zehn Frauen mit Gebärmutterhalskrebs nachweisen. Drei von zehn Patientinnen sind aber nach heutigem Kenntnisstand durch eine Infektion mit anderen HPV-Typen erkrankt. Der Neunfachimpfstoff schützt vor weiteren, aber auch nicht vor allen HPV-Typen, die Krebs auslösen können.
- Aus diesem Grund sollten auch geimpfte Frauen weiter regelmäßig die Früherkennungsuntersuchungen beim Frauenarzt wahrnehmen.
Wie der Schutz vor anderen Krebsarten aussieht, lässt sich zurzeit noch nicht sicher benennen. Experten gehen jedoch von ähnlichen Hochrechnungen aus.
Wie lange hält der Impfschutz an?
Ob der Impfschutz lebenslang anhält, nachdem man alle Impfdosen erhalten hat, ist noch nicht bekannt. Darauf weist das Robert Koch-Institut hin. Legt man sehr strenge Maßstäbe an, laufen die relevanten Studien noch nicht lange genug, um beurteilen zu können, ob und wann eine Auffrischimpfung nötig ist.
- Experten empfehlen bisher keine Auffrischimpfung.
Was weiß man aktuell? Zwar geht die Zahl der gebildeten Antikörper einige Zeit nach der Impfung zurück. Das ist jedoch auch bei anderen Impfstoffen eher normal. Für den Schutz an sich muss dies nichts bedeuten: Nach mehr als zehn Jahren Nachbeobachtungszeit hielt der Impfschutz in Studien bei geimpften Frauen noch an. Da die Impfung ein sogenanntes Impfgedächtnis hervorruft, kann man davon ausgehen, dass der Impfschutz noch wesentlich länger besteht.
Die Impfung schützt nach bisherigem Wissen also deutlich länger und besser als eine überstandene natürliche Infektion: Diese löst bei den meisten Menschen insgesamt keine ausreichende Reaktion des Immunsystems aus, die langfristig eine Neuansteckung verhindern würde.
Wie schnell setzt der Impfschutz ein? Wann ist Geschlechtsverkehr ohne Ansteckungsrisiko möglich?
Geschlechtsverkehr mit einem HPV-infizierten Partner birgt immer das Risiko einer Ansteckung. Wer nicht bis zum Abschluss der Impfserie auf Geschlechtsverkehr verzichten möchte, sollte zwischenzeitlich Kondome verwenden. Diese schützen jedoch nicht hundertprozentig vor einer HPV-Infektion.
Soll man einen HPV-Test machen lassen, bevor man sich impfen lässt?
Nein, sagen die aktuell verfügbaren Leitlinien. Es gibt Tests, mit denen man eine Infektion nachweisen kann, mehr dazu im Text Humane Papillomviren und Krebs. Sie sind jedoch noch sehr aufwändig. Die Testung bei jungen Mädchen würde außerdem bedeuten, dass bei ihnen eine gynäkologische Untersuchung und ein Abstrich erfolgen müssten. Dies empfinden manche Mädchen in dem Alter möglicherweise als unangenehm. Aus einer Blutprobe lassen sich HP-Viren nicht nachweisen.
Junge Mädchen, die bereits sexuell aktiv sind und sich möglicherweise infiziert haben, müssen zwar damit rechnen, dass die Impfung bei ihnen nicht mehr wirkt. Selbst wenn eine Infektion mit einem der HPV-Typen bereits vorliegt, könnte eine Impfung aber trotzdem noch Schutz vor den anderen Unterformen bieten. Auch daher ist ein HPV-Test vor der Impfung derzeit nicht vorgesehen, kann im Einzelfall aber trotzdem durchgeführt werden. Kinderarzt oder Frauenarzt beraten dazu.
Wer kann sich impfen lassen, wer trägt die Kosten?
Impfempfehlung
Die STIKO empfiehlt die HPV-Impfung für Mädchen und Jungen von 9 bis 14 Jahren. Noch nicht geimpfte Mädchen und Jungen können die Impfung bis zum Tag vor ihrem 18. Geburtstag nachholen. Das Robert Koch-Institut hat zur HPV-Impfung ein Faktenblatt (PDF) erstellt.
- Die deutsche Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die HPV-Impfung für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren.
Mädchen und Jungen, die noch nicht geimpft wurden, können die Impfung aber bis zum Ende des 18. Lebensjahres nachholen, so die STIKO.
Warum diese Altersempfehlungen, warum die Impfung schon für Kinder?
Die deutsche STIKO folgt mit ihrem Impfplan der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO: Eine Ansteckung ist schon beim ersten sexuellen Kontakt möglich, und nicht wenige junge Menschen sind bereits sehr früh sexuell aktiv. Daher sollte der vollständige Impfschutz ebenfalls möglichst früh erzielt werden. Bei so jungen Menschen sind zudem nur noch zwei Impftermine erforderlich. Der Grund: Jüngere Menschen bauen eine bessere Immunantwort nach der HPV-Impfung auf als ältere.
Was gilt für Menschen mit eingeschränkt funktionstüchtigem Immunsystem?
Das betrifft zum Beispiel für Patienten mit Autoimmunkrankheiten, nach Organtransplantation oder HIV-positive Menschen. Sie haben unter Umständen ein erhöhtes Risiko für HPV-bedingte Erkrankungen. Experten empfehlen ihnen daher eine HPV-Impfung, möglicherweise auch wenn sie bereits älter als 17 Jahre sind. Allerdings kann es sein, dass ihre Immunantwort schwächer ausfällt. Deshalb sollten sie 3 Impfdosen erhalten.
- Gehören Sie zu einer dieser Gruppen, dann sprechen Sie mit Ihren Ärzten über die Impfung: Diese können Ihre individuelle Situation am besten einschätzen.
Was, wenn man sich impfen lassen möchte, obwohl man nicht unter die Impfempfehlung fällt?
- Eine bundesweite Impfempfehlung für Frauen und Männer ab 18 Jahren gibt es in Deutschland derzeit nicht.
- Erwachsene Frauen und Männer müssen die Kosten für die Impfung in der Regel selbst tragen. In Deutschland kostet eine Impfdosis je nach Impfstoff um die 170 Euro. Für die komplette HPV-Impfung mit bis zu drei Einzeldosen muss man für den Impfstoff bis zu 560 Euro zahlen. Hinzu kommen Gebühren für die ärztliche Beratung, die Verordnung und die Impfung selbst. Wer plant, sich impfen zu lassen, sollte vorher den Arzt nach den anfallenden Gesamtkosten fragen. Ob die Krankenversicherung aus Kulanz zahlt, auch wenn sie rein rechtlich nicht dazu verpflichtet ist, kann man erfragen.
- Bei privat Versicherten gilt der mit der jeweiligen Krankenkasse abgeschlossene Vertrag.
In einzelnen Bundesländern können vom bundesweiten Impfkalender abweichende Empfehlungen gelten. Ein Beispiel ist Sachsen, wo die Impfung auch für Frauen und Männer bis zum 26. Lebensjahr empfohlen wird. Auch aus diesem Grund empfiehlt sich die Rücksprache mit der Krankenkasse.
Nebenwirkungen der HPV-Impfung
Die Impfstoffe, die derzeit auf dem Markt sind, gelten als sicher und gut verträglich. Die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen des Gardasil® 9-Impfstoffes sind Hautreaktionen an der Einstichstelle: mit Rötung, leichten Schmerzen, Schwellung und ähnlichen Folgen, wie sie viele Menschen von Spritzen und Impfungen ganz allgemein kennen. Hinzukommen können auch Kopfschmerzen. Diese Nebenwirkungen traten in den Zulassungsstudien bei mehr als einer von zehn geimpften Patientinnen auf.
Nicht auszuschließen, aber seltener sind darüber hinaus Übelkeit, Schwindel, Fieber und Abgeschlagenheit.
Bei Cervarix® sind die häufigsten Nebenwirkungen ähnlich: Rötung, Schwellung oder leichte Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Müdigkeit. Seltener wurden Magen-Darm-Beschwerden, Juckreiz und Hautausschlag, Muskel- und Gelenkschmerzen und Fieber beobachtet. Gelegentlich können auch Schwindel und Infektionen der oberen Atemwege auftreten.
Kurz nach der Einführung der Impfung berichteten Mädchen von Ohnmachtsanfällen. Ob dies wirklich Folge der Impfung war, ist bis heute unklar. Ärztinnen und Ärzte bieten aber an, noch für eine Viertelstunde in der Praxis unter Beobachtung zu bleiben.
- Ausführliche Informationen zu den Impfstoffen bieten die Internetseiten der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA unter www.ema.europa.eu. In dem Suchfeld (Search) kann der Handelsname (Gardasil® 9 oder Cervarix®) eingegeben werden. Durch Auswählen der Kategorie "European public assessment reports (EPAR)" erhält man detaillierte Informationen in allen europäischen Sprachen.