Mannheim: SV Waldhof – SSV Ulm 2:1
(Foto: Klatschinsky) Vor dem Spiel wurde Waldhofs Ex-Kapitän "offiziell" verabschiedet

Mannheim: SV Waldhof – SSV Ulm 2:1

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Knapper Sieg für den SV Waldhof, aber wieder einmal Zittern bis zum Abpfiff
(GM) Am Freitagabend konnte der SV Waldhof den ersten Heimsieg nach der Winterpause feiern. Nach einer guten ersten Halbzeit, in der die Mannschaft von Luc Holtz eine verdiente 2:0-Führung mit in die Pause nahm, gab der Waldhof im zweiten Spielabschnitt die Spielkontrolle fast gänzlich aus der Hand, musste nicht nur den Ulmer Anschlusstreffer hinnehmen, sondern auch noch in der Schlussphase eine Rote Karte für Niklas Hoffmann – wegen Beleidigung – und zitterte sich dem Ende entgegen. Glück für den SV Waldhof, dass Ulms Dressel, praktisch Sekunden vor dem Abpfiff nur das Lattenkreuz trifft.

Luc Holtz ließ Thalhammer für Diakhaby auflaufen, der wegen Erkrankung ausfiel, ansonsten blieb alles – gegenüber der Partie in Köln – unverändert. Kurz vor dem Anpfiff wurde Marcel Seegert offiziell, verabschiedet. Der ehemalige Waldhof-Kapitän war kurz nach Beginn der neuen Saison nach Ulm gewechselt und kehrte erstmals wieder ins Carl-Benz-Stadion zurück.

Kaum war das Spiel angepfiffen, musste Schiedsrichter Tom Bauer auch schon wieder abpfeifen, da aus dem Gästeblock dicke Rauchwolken aufstiegen und langsam über den ganzen Platz waberten, bis unter die OST, was sogar den Feueralarm auslöste, für den es aber schnell wieder Entwarnung gab.

Als es dann endlich richtig losging, übernahm der Waldhof recht schnell das Kommando und hatte bereits in der 5. Minute die Riesenchance auf das 1:0, als eine weite Flanke von der rechten Seite beim völlig freistehenden Ba landete, der aber aus kurzer Distanz den Ball neben das Tor setzt. In der Folge gelingt es Ulm, das Spiel ausgeglichener zu gestalten und mehrfach gefährlich vor das Waldhöfer Tor zu kommen. In der 26. Minute lag die Ulmer Führung sogar förmlich in der Luft, als Waldhof-Keeper Nijhuis eine Flanke von Dajaku genau auf den Kopf von Chessa boxt, von dem der Ball ganz knapp neben dem Tor ins Aus geht.

Und kurz darauf hat der Waldhof erneut Glück, als Ulm in Überzahl kontern kann. El-Zein spielt allerdings Pepic nicht präzise genug an, der dann an der Strafraumgrenze zwar von Klünter gefoult wird, den Ball aber doch zu Dajaku bringt, der aus spitzem Winkel schließlich an Nijhuis scheitert. Die nachträgliche Gelbe Karte nahm Klünter dafür gerne in Kauf (31.).

Zwei Minuten später geht dann der Waldhof in Führung. Abifade leitet einen Angriff ein, spielt auf Ferati, dessen Pass durch die aufgerückte Ulmer Deckung den frei durchlaufenden Lohkemper erreicht, der Ulms Torhüter Schmitt versetzt und ins leere Tor einnetzt – 1:0 in der 33. Minute.

Die Führung gibt den Platzherren sichtlich Auftrieb, die den Ball nun sicher durch die eigenen Reihen laufen lassen. Die Ulmer kommen in dieser Phase nur sporadisch vor das Waldhöfer Tor, haben aber in der 42. Minute eine gute Gelegenheit zum Ausgleich, als Nijhuis erneut bei einer Faustabwehr nicht gut aussieht, den Ball nach vorne boxt, genau auf Dajaku, der sofort abzieht, aber knapp am Tor vorbeischießt.
Im Gegenzug geht Lohkemper auf der rechten Seite gegen Seegert ins Dribbling, wird aber vom Ex-Waldhöfer von den Beinen geholt, wofür es ebenfalls die Gelbe Karte gibt. Ferati verfehlt mit dem anschließenden Freistoß das Ulmer Tor nur ganz knapp (44.). Aufgrund der Unterbrechung, zu Beginn der Partie, werden sechs Minuten nachgespielt, die der Waldhof gut nutzt. Bazzoli köpft eine Flanke nur unzureichend aus dem Strafraum; Ferati schaltet schnell, setzt Asallari ein, der in den Ulmer Strafraum eindringt und überlegt zum 2:0 vollendet (45.+4). Mit diesem beruhigenden Vorsprung geht es dann in die Kabinen.

Der Gelb-Rot gefährdete Klünter bleibt zur zweiten Halbzeit draußen und wird von Ogbemudia ersetzt. Der Waldhof beginnt verhalten und lässt Ulm kommen, diese Passivität wird in der 66. Minute bestraft, als Brandt, nach Vorarbeit von El-Zein, mit einem Flachschuss zum 2:1 trifft. Der Gegentreffer hatte sich fast angekündigt, da der Waldhof nach vorn zu wenig tat und den Spatzen mehr und mehr das Geschehen überließ. Ulm wittert nun Morgenluft und drängt auf den Ausgleich.

Eine Viertelstunde vor Ende des Spiels wechselt Ulm doppelt und zwei Minuten später kommt beim Waldhof Thill für Thalhammer neu ins Spiel. Die Begegnung wird nun intensiver und viele Freistöße unterbrechen den Spielfluss hüben wie drüben. Die Spannung bleibt hoch, auch weil der Waldhof sich bietende Konterchancen mehrmals leichtfertig verspielt und vor dem Ulmer Tor zu umständlich agiert. In der 84. Minute wechselt Ulm noch einmal dreifach und beim Waldhof kommt Boyd für Lohkemper.

Die Schlussphase bricht an und es wird noch einmal ganz heiß. Bei einem Laufduell zwischen Hoffmann und Mamba gehen beide Akteure zu Boden und anschließend aufeinander los. Der Unparteiische versucht die beiden Streithähne auseinander zu bringen und zeigt Hoffmann plötzlich die Rote Karte – wegen Beleidigung, wie später zu hören war. Doch gegen wen? Gegen Mamba, stellte sich dann heraus, der sich selbst allerdings nicht genauer dazu äußern wollte. Ulms Trainer Pavel Dotchev erklärte auf der Pressemeldung hinterher, dass es sich ausdrücklich nicht um eine rassistische Beleidigung handeln sollte.

Als es dann endlich weiterging, drängte Ulm mit Macht auf den Ausgleich. Sechs Minuten gab es obendrauf. In der 3. Minute der Nachspielzeit bekommt nach einer Ecke Nijhuis den Ball nicht richtig zu fassen. Dressel schießt aus einem Meter aufs Tor, Ogbemudia schlägt den Ball gerade noch von der Linie. Im Waldhöfer Fünfmeterraum geht es drunter und drüber, dann endlich pfeift der Schiedsrichter die Szene ab, weil ein Ulmer sein Bein zu hoch eingesetzt hatte. Durchatmen beim Waldhof, aber nur kurz. Die Nachspielzeit ist vorbei, als es noch einmal einen Eckball für die Gäste gibt. Chessa bringt den Ball herein, auf Dressel, der abzieht – und den Ball ans Lattenkreuz jagt. In den Befreiungsschlag pfeift Tom Bauer das Spiel ab – Akteure beider Mannschaften liegen auf dem Rasen – die Waldhöfer vor Erschöpfung, die Ulmer vor Enttäuschung.

Ein am Ende glücklicher Sieg für den Waldhof, da Ulm aufgrund der starken zweiten Halbzeit einen Punkt verdient gehabt hätte. Allerdings hat sich der Waldhof das Leben selbst schwer gemacht, weil er nach der sicheren Führung das Heft aus der Hand gegeben hatte und nicht an die gute erste Halbzeit anknüpfen konnte.

Am Sonntag, 15. Februar, muss der SV Waldhof bei Tabellenführer Energie Cottbus antreten, wo bestimmt nicht nur eine gute Halbzeit nötig sein wird, um etwas Zählbares zu erreichen.

SV Waldhof – SSV Ulm 2:1 (2:0)
Waldhof: Nijhuis - Ba, Klünter (46. Ogbemudia), Hoffmann, Abifade, Sietan, Thalhammer (77. Thill), Asallari (67. Bierschenk), Michel (67. N`Tumba, Ferati, Lohkemper (84. Boyd)
Ulm: Schmitt – Meier (84. Vukancic) Seegert (84. Boller), Bazzoli, Mazagg, Dressel, Chessa, Brandt, Pepic (75. Aksakal), Dajaku (75. Mamba), El-Zein (84. Löder)
Tore: 1:0 Lohkemper (33.), 2:0 Asallari (45.+4.), 2:1 Brandt (66.); Schiedsrichter: Tom Bauer; Zuschauer: 11.111; besonderes Vorkommnis: Rote Karte für Hoffmann wegen Beleidigung.