Weinheim: Job Central bringt junge Menschen „central“ in Arbeit
Die Regionale Jugendagentur Job Central e.V. unterstützt seit über 25 Jahren junge Menschen in der Region beim Start ins Berufsleben – vier Beispiele zeigen, wie Integration gelingt.
Collins lacht viel. Die 37-Jährige aus Kamerun arbeitet heute in einem Seniorenzentrum in Hirschberg-Großsachsen. Ihre positive Art schätzen Bewohner wie Kolleginnen gleichermaßen. Mahamud, 27 Jahre alt, steht im OP-Saal des GRN-Klinikums und arbeitet konzentriert als angehender Operationstechnischer Assistent. Leon hat seine Leidenschaft für Computer zum Beruf gemacht. Und Samuelle, einst als Flüchtlingskind nach Deutschland gekommen, studiert inzwischen Informatik.
Was sie verbindet: Für alle ist der Beruf eine zentrale Angelegenheit. Und alle wurden auf ihrem Weg von der Regionalen Jugendagentur Job Central e.V. begleitet.
Seit 25 Jahren an der Seite junger Menschen
Die Jugendagentur mit Sitz in Weinheim unterstützt seit mehr als einem Vierteljahrhundert junge Menschen, die nach der Schule Orientierung suchen oder Schwierigkeiten beim Übergang in Ausbildung und Arbeit haben. Institutionell getragen von der Stadt Weinheim, den Mitgliedsgemeinden und der Freudenberg Stiftung, entwickelt der Verein mit zusätzlichen Projektmitteln bedarfsgerechte Angebote.
Spätestens seit der großen Flüchtlingsbewegung 2015 und 2016 gehört auch die Integration geflüchteter Menschen in den Arbeitsmarkt zu den zentralen Aufgaben. Job Central arbeitet eng mit Schulen, dem Jugendmigrationsdienst des Internationalen Bundes, dem Arbeitskreis Asyl und Integrationsmanagern zusammen. Mit der Lern-Praxis-Werkstatt bietet die Agentur zudem niedrigschwellige Zugänge in verschiedene Arbeitsbereiche.
Collins: Von der Flucht zur festen Anstellung
Collins musste vor dem Terror der Boko Haram aus Kamerun fliehen. Ihr Kind kam auf dem Mittelmeer zur Welt. Heute lebt sie mit ihren beiden Söhnen in Weinheim. Mit Unterstützung von Job Central absolvierte sie eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin und arbeitet inzwischen mit unbefristetem Vertrag. Ihre Söhne besuchen die Schule, spielen bei der TSG Fußball und Basketball.
Mahamud: Zielstrebig in den OP
Mahamud floh als 14-Jähriger allein aus Somalia. Über Italien und Bayern kam er nach Weinheim, wo er im Pilgerhaus betreut wurde. Er holte seinen Hauptschulabschluss nach, absolvierte Praktika und eine Ausbildung zum Krankenpflegehelfer. Heute befindet er sich in der Ausbildung zum Operationstechnischen Assistenten. Nebenbei arbeitet er in einem Minijob, um seine Familie eigenständig zu versorgen.
Samuelle: Vom Container zur Universität
Samuelle kam 2018 aus Syrien nach Deutschland. Zunächst lebte sie mit ihrer Familie auf engem Raum im Gorxheimertal. An der Johann-Philipp-Reis-Schule erhielt sie Unterstützung durch Jugendberufscoaches von Job Central. Heute spricht sie akzentfrei Deutsch, besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft und studiert Informatik an der TU Heidelberg.
Leon: Orientierung in unsicheren Zeiten
Leon aus Hemsbach wusste nach der Schule zunächst nicht, welchen Weg er einschlagen sollte. Die Corona-Pandemie verstärkte die Unsicherheit. Mit Begleitung von Job Central fand er zurück zu seinen Stärken: Computer und Programmierung. Nach einem Praktikum begann er eine Ausbildung zum IT-Systemelektroniker und arbeitet heute bei einem Unternehmen, das Software für Arztpraxen entwickelt.
Menschen wie Collins, Mahamud, Samuelle und Leon zeigen, wie Integration und Berufsorientierung gelingen können – zum Vorteil der jungen Menschen selbst und der Wirtschaft, die in vielen Bereichen dringend Fachkräfte sucht.