Steigende Zahl von Privatinsolvenzen: Worauf Vermieter achten sollten



11. Februar 2021

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2021 werden in Deutschland rund 100.000 Privatinsolvenzen erwartet. Worauf sollten Vermieter achten, um weiterhin sichere Mieteinnahmen zu gewährleisten?
(Bildquelle: Shutterstock)

2021 wird nach Einschätzung von Experten eine Pleitewelle sowohl Firmen als auch Verbraucher erfassen. Zum einen endet die Schonfrist für Betriebe: Die wegen der Corona-Pandemie ausgesetzte Insolvenzantragspflicht soll Ende April wieder einsetzen. Zum anderen verschlimmert sich die wirtschaftliche Situation für vom Lockdown betroffene Soloselbstständige, je länger die Einschränkungen andauern. Steigende Auftrags- und Arbeitslosigkeit führen zu Überschuldungen. Die Wirtschaftsauskunft CIRFBÜRGEL erwartet deshalb, dass dieses Jahr bis zu 100.000 Verbraucher Privatinsolvenz anmelden müssen. Die Folge: Sie werden auch ihren Mietverpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Was bedeutet das für Vermieter?

Grundsätzlich haben Vermieter das Recht, ihren Mietern wegen Zahlungsverzug zu kündigen – fristgerecht (§573 Abs. 2 Nr. 1 BGB) oder im Falle von Mietrückständen in Höhe von zwei Monatsmieten auch fristlos (§ 543 Absatz 2 Nr. 3 BGB). Eine Ausnahme gilt für Mietrückstände im Zeitraum vom 1. April 2020 bis 30. Juni 2020, sofern diese auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie zurückzuführen sind. Hier haben Mieter Zeit, die Schulden bis zum 30. Juni 2022 zu begleichen.

Doch auch wenn der Mietrückstand einen anderen Zeitraum betrifft, sollten sich Vermieter gut überlegen, ob sie von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch machen. War das Mietverhältnis bis zur Corona-Pandemie unproblematisch und stehen die Vermieter nicht selbst wegen aufgenommener Kredite unter Druck, empfiehlt es sich, gemeinsam mit den Mietern nach einer Lösung zu suchen – nicht nur aus sozialen Gründen. „Wichtiger als das kurzfristige Sichern von Mieteinnahmen ist die Mietkontinuität“, sagt Matthias Heißner, Gründer des digitalen Bonitätsprüfers Mietercheck. Ein Wechsel bedeutet Aufwand und Kosten; und auch bei sorgfältiger Auswahl bleibt ein Restrisiko, was die Verlässlichkeit der Neumieter betrifft.

„Um rechtzeitig prekäre Mietverhältnisse zu vermeiden, sollten Sie Ihre Mieter gleich beim ersten Zahlungsverzug kontaktieren, um die Hintergründe zu erfahren und das weitere Vorgehen zu besprechen“, rät Matthias Heißner. Dazu könne man beispielsweise den Mieter bei der Suche nach finanziellen Hilfen vom Staat oder Krediten unterstützen. Existiert eine Mietbürgschaft, können hier Forderungen geltend gemacht werden. Denkbar sind außerdem Ratenzahlungen oder eine Stundung.

Vermieter haben das Recht, Verzugszinsen zu erheben, ohne dass es dafür einer Abmahnung bedarf. Der Zinssatz orientiert sich am Basiszins der Europäischen Zentralbank: Handelt es sich bei den Mietern um Privatleute, dürfen fünf Prozent darüber angesetzt werden, im Falle eines Gewerberaumes sind mindestens acht Prozent über dem Basiszinssatz zulässig. Was Vermieter im Auge behalten sollten: Für Mietrückstände gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren (§ 195 BGB).

Angesichts der erwarteten steigenden Zahl von Insolvenzen und damit verbundenen ausbleibenden Mieten fordert Mietercheck einen Rettungsschirm für private Vermieter. „Immobilieneigentümer haben häufig selbst hohe Kredite aufgenommen. Ihre Mieteinnahmen sind essenziell. In diesen Fällen sollte der Staat sie genauso unterstützen wie Unternehmer, damit die Pleitewelle nicht weitere Kreise zieht. Gerade auf dem heiß umkämpften Markt wären Vermieterinsolvenzen auch für Mieter eine schlechte Nachricht“, erklärt Mietercheck-Gründer Matthias Heißner.