Ludwigshafen: Erstes Symposium Hebammenwissenschaft rückt Hebammenzentralen in den Fokus
Am 23. Januar diskutierten Fachleute an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen die Rolle von Hebammenzentralen für eine verlässliche Versorgung.
Am Freitag, 23. Januar 2026, fand an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen das erste Symposium Hebammenwissenschaft statt. Rund 60 Teilnehmende kamen zusammen, um sich unter dem Titel Hebammenzentralen – Versorgung gestalten, Lücken schließen mit einem innovativen Versorgungskonzept auseinanderzusetzen. Geleitet wurde die Fachtagung von Professorin Dr. Michaela Michel-Schuldt.
Im Mittelpunkt stand die Hebammenzentrale als zentrale Anlaufstelle für werdende und junge Eltern sowie als Vermittlungs-, Informations- und Koordinationsstelle für Hebammen. Thematisiert wurden dabei auch ihre Bedeutung für Vertretungsregelungen, Fortbildungen und den fachlichen Austausch mit anderen Berufsgruppen.
Nach der Begrüßung durch Professorin Dr. Michaela Michel-Schuldt und Hochschulpräsident Prof. Dr. Gunther Piller folgten Grußworte von Juliane Müller für den Hebammenverband Rheinland-Pfalz sowie von Gesundheitsminister Clemens Hoch für die Landesregierung. Juliane Müller bezeichnete bestehende Hebammenzentralen als tragenden Baustein der Gesundheitsversorgung in Rheinland-Pfalz, machte jedoch deutlich, dass sie keinen Ersatz für schließende Kreißsäle darstellen. Sie forderte einen stärkeren politischen Fokus auf die personelle Situation in der Geburtshilfe, eine flächendeckende Versorgungssicherung und eine verbesserte Datengrundlage.
Minister Clemens Hoch betonte die Bedeutung der Hebammenarbeit für Familien in sensiblen Lebensphasen. Hebammenzentralen entstünden dort, wo Versorgung gebraucht werde, und leisteten einen wichtigen Beitrag zur Entlastung von Hebammen sowie zur Sicherstellung einer wohnortnahen Betreuung. Das Land Rheinland-Pfalz werde die Förderung dieser Strukturen auch künftig fortsetzen.
Anschließend stellten Masterabsolventin Gila Heusermann, Masterstudentin Annika Schröder und Professorin Dr. Michaela Michel-Schuldt aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse sowie begleitende Lehrforschungsprojekte vor. Die Ergebnisse zeigen, dass Hebammenzentralen Versorgungsengpässe zwar nicht vollständig auflösen, deren Auswirkungen jedoch durch bessere Verteilung, gerechtere Nutzung und strukturierte Organisation deutlich abmildern können. Gleichzeitig wurde weiterer Forschungsbedarf benannt, insbesondere im Hinblick auf gesundheitsökonomische Fragestellungen und die Versorgung marginalisierter Gruppen.
Best-Practice-Beispiele aus Bayern ergänzten das Programm. Melanie Marwitz von HebaVaria e.V. München zeigte, wie koordinierte Strukturen, gezielte Vermittlung und digitale Unterstützung den Zugang zur Hebammenversorgung verbessern können. Thomas Oppel von der Landeskoordinierungsstelle Bayern erläuterte, wie durch landesweite Koordination und kommunale Unterstützung tragfähige und langfristige Strukturen entstehen. In einem anschließenden Workshop diskutierten die Teilnehmenden intensiv über Qualitätsmerkmale von Hebammenzentralen.
Professorin Dr. Michaela Michel-Schuldt zog ein positives Fazit. Ziel des Symposiums sei es gewesen, einen Raum für Austausch, Diskussion und Vernetzung zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik zu schaffen. Hebammenzentralen verbesserten den Zugang zur Hebammenhilfe messbar, reduzierten Unsicherheiten bei Familien und entfalteten ihre größte Wirkung dann, wenn sie strukturell abgesichert, qualitativ klar definiert und systematisch vernetzt seien.
Hintergrund
Hebammenzentralen tragen wesentlich zur verbesserten Versorgung von Schwangeren, Wöchnerinnen und jungen Eltern bei. Sie unterstützen eine passgenaue Betreuung und helfen, Versorgungsengpässe zu vermeiden. Rheinland-Pfalz und angrenzende Bundesländer fördern ihren Aufbau und ihre Weiterentwicklung gezielt.
Die Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen engagiert sich seit über zehn Jahren in der akademischen Ausbildung von Hebammen. Der duale Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft war der erste seiner Art in Rheinland-Pfalz im Zuge der Akademisierung der Hebammenausbildung. Ergänzt wird das Angebot durch Masterstudiengänge, kooperative Promotionen und eine enge Verbindung von Forschung und geburtshilflicher Praxis.

Fotos: Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen