Am 2. August 2026 verstarb Monika Helfer überraschend nach einem Sturz im Alter von 78 Jahren. Die österreichische am 18. Oktober 1947 in Au/Vorarlberg geborene Schriftstellerin lebte in Hohenems und Wien und hat Kinderbücher, Theaterstücke, Hörspiele, Erzählungen und Romane veröffentlicht und zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter auch das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. Diese Auszeichung wurde ihr 2016 in Wien überreicht und gleichzeitig wurde auch ihr Ehemann, der Schriftsteller Michael Köhlmeier, der wie sie aus Vorarlberg stammt und mit dem sie seit 1981 verheiratet war, für seine Verdienste damit geehrt.

Foto: © Diana Rasch
Monika Helfer (Foto) bei der Verleihung des Schubart-Literaturpreises der Stadt Aalen 2021, bei der sie mit ihrer freundlichen Stimme auch aus ihrem Roman „Die Bagage“ (2020) las.
Ihre Bücher handelten oft von schwierigen Familienbeziehungen und ihr war dabei besonders die Perspektive der Kinder wichtig. Obwohl ihre Schriftstellertätigkeit sie lange Zeit schon begleitete, wurde sie erst 2020 einer großen Leserschaft bekannt.
In dem Roman „Die Bagage“ von 2020 erzählt sie die Geschichte ihrer Großeltern Josef und Maria Moosbrugger, die zur Zeit des Ersten Weltkrieges mit ihren Kindern im Bregenzer Wald lebten. Dabei geht sie besonders auf ihre Mutter Grete ein, die sie bereits im Alter von elf Jahren verlor.
„Die Figuren in Monika Helfers Büchern haben Mut, Überlebenswillen und den gesunden Trotz eines Kindes, nämlich den Trotz, sich von gesellschaftlichen Wertvorstellungen und Kategorisierungen nicht beirren zu lassen“, hieß es in der Laudatio anlässlich der Verleihung des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.
Monika Helfer blickt auf ihre eigene Familiengeschichte zurück. Sie erzählt von dem, was sie in Erfahrung bringen konnte, den Erinnerungen, der Wahrheit, der Lüge und dem wie es hätte sein können. Die Jurybegründung des Schubart-Literaturpreises lobte „Die Bagage“:
„Klug und geschickt geht Monika Helfer mit den Leerstellen um, die sie nicht verschweigt, sondern mit fiktionalen Möglichkeiten füllt“, „Wo fängt die Phantasie an, wie viel kann man rekonstruieren und wie lange muss man überhaupt warten, bis man über die eigene „Bagage“ schreibt? Eine dicht gewobene Autofiktion im besten Sinne, die dazu anregt, über die eigene Bagage nachzudenken – denn jeder hat eine, ob er will oder nicht“.
Den autofiktionalen Familienroman „Vati“ von 2021 widmete sie ihrem Vater, einem kriegsversehrten Mann, den sie als Büchermensch beschreibt und auch wie sie und ihre beiden Schwestern und ihr Bruder die Kindheit erlebt haben und geht dabei auch auf ihre Beziehung zu ihren Geschwistern ein. Der dritte Teil der Familientrilogie „Löwenherz“ von 2022 beschreibt das Leben und den frühen Tod ihres Bruders Richard.
„Die Jungfrau“ ist ein 2023 erschienener Roman über die lebenslange Freundschaft mit ihrer Schulfreundin Gloria. 2025 wurden „Der Bücherfreund“, die Erzählung „Wer bist du“ und der Gedichtband „Bitte schicke mir eine Droge“ veröffentlicht.
Den Roman „Bevor ich schlafen kann“ (2010) widmete Monika Helfer dem Andenken ihrer Tochter Paula Köhlmeier, die 2003 mit 21 Jahren bei einem Bergunfall ums Leben kam.
2024 erschienen auch 365 Kurz- und Kürzestgeschichten in „Wie die Welt weiterging: Geschichten für jeden Tag“.
1977 schrieb sie ihr Debüt „Eigentlich bin ich im Schnee geboren“, versehen mit Illustrationen ihres Bruders Richard Helfer. Ihr erster Roman „Die wilden Kinder“ erschien 1984 und wurde 1988 von Christian Berger verfilmt.
Monika Helfer wurde mit zahlreichen renommierten Preisen geehrt, unter anderem dem Johann-Hebel-Preis, dem Solothurner Literaturpreis, dem Bodensee-Literaturpreis, dem Mitteleuropäischen Literaturpreis Angelus, dem Schubart-Literaturpreis, dem Bruno-Kreisky-Preis, der Carl-Zuckmayer-Medaille sowie dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. Für „Schau mich an, wenn ich mit dir rede!“ und für "Vati" war sie für den Deutschen Buchpreis nominiert. Zudem hat sie u.a. das Robert-Musil-Stipendium und den Österreichischen Würdigungspreis für Literatur erhalten.
Text und Foto: Diana Rasch



















































